Kein Kavaliersdelikt: Volkssport Versicherungsbetrug lohnt sich nicht

Kein Kavaliersdelikt: Volkssport Versicherungsbetrug lohnt sich nicht

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von Andreas Toller

Der große 3D-Fernseher oder das neue Smartphone auf Versicherungskosten - für viele klingt das verlockend, ist aber kriminell. Warum sich Versicherungsbetrug nicht lohnt, wie Versicherer Jagd auf schwarze Schafe machen.

In diesem Jahr fiel die Jubelfeier für Fußballtrainer Jürgen Klopp und seine Kicker von Borussia Dortmund aus, sein Team verlor beim DFB-Pokalfinale gegen Bayern München. Vor drei Jahren war Klopps Team gegen die Bayern noch erfolgreich – und das hatte Folgen für die deutschen Versicherer.

Als Dortmund die Bayern im Februar 2011 besiegte, geriet im anschließenden Siegestaumel Jürgen Klopps Brille zwischen die jubelnden Spieler – und ging zu Bruch. Die berühmte Sehhilfe landete im Vereinsmuseum, entsprechende Fotos im Internet - und diese Aufnahmen bescherten den Versicherern viele falsche Schadensmeldungen.

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Der Grund: Versicherungsbetrüger hatten sich das Bild der Brille aus dem Netz geladen, um damit ihrer Assekuranz eine kaputte Brille zu melden und Schadenersatz zu bekommen.

Klar, dass den Versicherern die Betrugsversuche mit der berühmten Brille auffielen. So leicht sind Versicherungsbetrügereien jedoch nicht immer aufzudecken.

Schaden von vier Milliarden Euro

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2011 davon aus, dass vermutlich jeder zehnte gemeldete Schaden betrügerisch ist. Jährlich entsteht so ein Schaden in Höhe von schätzungsweise vier Milliarden Euro.

Arten des Versicherungsbetrugs

  • Professioneller Betrug

    Sie besitzen ausreichend kriminelle Energie, um einen Versicherungsfall zu inszenieren. Dabei treten die Betrüger oft als Geschädigte auf und sind häufig in Gruppen organisiert. Oft wird bandenmäßiger Versicherungsbetrug nur durch den Informationsaustausch mit anderen Versicherern und Behörden entdeckt. Dann werden Beziehungsgeflechte zwischen Bandenmitgliedern, Muster und Wiederholungen in der Vorgehensweise offenkundig.

  • Gelegenheitsbetrug

    Die große Mehrheit der Versicherungsbetrügereien geschieht durch Gelegenheitstäter, die zufällig Schäden zu ihren Gunsten manipulieren. Sie versuchen, den Schaden größer zu machen, als er eigentlich war oder erfinden einen Schadenhergang, damit die Versicherung den Fall auch gemäß Vertragsbedingungen reguliert.

  • Aufgebauschter Einbruchdiebstahl

    Kommt es tatsächlich zum Wohnungseinbruch mit Diebstahl, ist das für Gelegenheitsbetrüger die Chance, die Liste der gestohlenen Gegenstände zu erweitern, um einen höhere Schadensumme zu kassieren. Dazu erfinden die Betrüger einfach Gegenstände oder nehmen Objekte in die Liste auf, die eigentlich Bekannten gehören.

  • Kaputte Brille

    Jährlich werden den Haftpflichtversicherern etwa 200.000 beschädigte Brillen gemeldet. Auch bei Autounfällen kommt häufig eine beschädigte Sehhilfe zum gemeldeten Autoschaden hinzu. 13 Prozent der Fälle sind nachweislich nicht plausibel. Fast jede dritte Schadenmeldung wird vom Antragsteller wieder zurückgezogen. In nur 57 Prozent der Fälle kommt es tatsächlich zur Zahlung der Versicherung. Bei den verdächtigen Meldungen fallen oftmals Anschaffungsbelege auf, die nicht zur Brille passen, vermeintliche Vorschäden oder überhöhte Schadenersatzforderungen.

  • Belegfälschungen

    Wer Geld von der Versicherung will, muss die Anschaffungskosten belegen. Die Fälschung oder Veränderung von Rechnungsbelegen ist dabei weit verbreitet. Die Betrüger versuchen so, höhere Erstattungen zu bekommen. Dabei werden sowohl falsche Rechnungen erstellt als auch vorhandene verändert. Viele davon fallen durch die Plausibilitätsprüfung, etwa weil das Datum nicht passt oder auf der Originalkopie des Händlers etwas ganz anderes steht.

  • Autobumser

    Provozierte oder vorgetäuschte Autounfälle sind das bevorzugte Einsatzfeld organisierter und professioneller Versicherungsbetrüger. Unfälle werden mit Bekannten abgesprochen, vorgetäuscht oder vorsätzlich herbeigeführt. Die sogenannten „Autobumser“ verwickeln vorrangig junge und unerfahrene Fahrzeughalter in einen Unfall. Der Nachweis eines Betrugs in nicht einfach. Oft ist die Mitarbeit der Polizei, von Gutachtern und eine Unfallsimulation erforderlich. Das perfide: Die Betrüger nehmen auch Verletzungen des Fahrers billigend in Kauf, der zudem ohne Vollkaskoschutz auch noch den Schaden am eigenen Fahrzeug tragen muss.

  • Smartphones

    Laut Versichererverband GDV haben die Betrugsfälle bei den elektronischen Geräten generell zugenommen. Besonders gerne wird mit kaputten Smartphones geschummelt. Eine Auswertung der Branche hat ergeben: Von 2.000 eingereichten Fällen war die Hälfte der Fälle nicht plausibel. Die Versicherungen lassen sich in der Regel das beschädigte Smartphone zusenden und übergeben es an Sachverständige. Diese prüfen, ob der Schaden zum geschilderten Vorfall passt. Was viele Versicherungsbetrüger übersehen: Selbst wenn die Versicherung den Schaden reguliert, erstattet sie höchstens den Zeitwert. Der schnelle Preisverfall gebrauchter und nicht mehr aktueller Geräte macht einen Betrug eigentlich unsinnig.

Versicherungsbetrug beschäftigt und belastet aber nicht nur die Versicherung, sondern auch die ehrlichen Versicherungskunden. Denn jede Versicherung basiert auf dem Solidaritätsprinzip.

Das heißt: Alle Versicherten zahlen in den Topf der Versicherung, damit die Geschädigten im Versicherungsfall den Schaden ersetzt bekommen. Das Risiko verteilt sich also auf das gesamte Versichertenkollektiv.

Durch Versicherungsbetrug entstehen der Versichertengemeinschaft aber hohe Kosten - die sich letztlich in unnötig hohen Beiträgen widerspiegeln.

Wenig Unrechtsbewusstsein

Versicherungsbetrug ist aber nicht nur moralisch und ökonomisch verwerflich, sondern auch juristisch. Das scheint vielen Versicherten nicht ganz klar zu sein. „Versicherungsbetrug ist für die meisten Deutschen in seiner Schwere gleichzusetzen mit Schwarzfahren oder falschen Angaben in der Steuererklärung“, sagt Jürgen Engel, als Vorstand der Ergo-Versicherung zuständig für Unfall und Schaden.

Nach Aussagen verschiedener Versicherer haben die Betrügereien in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Auch deshalb, weil jeder fünfte Deutsche im Versicherungsbetrug nur ein Kavaliersdelikt sieht. Mehr als 40 Prozent der Deutschen glauben, in der Hausrat- und Haftpflichtversicherung sei es besonders leicht, die Versicherung übers Ohr zu hauen.

Laut GDV-Befragung geben vier Prozent der Haushalte mit einem Schaden in den vergangenen fünf Jahren zu, einen Versicherungsbetrug begangen zu haben. Weitere sieben Prozent wissen von einem Versicherungsbetrug, elf Prozent wollten sich zu dieser Frage nicht äußern.

Nach Angaben von Jürgen Engel ist Versicherungsbetrug ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das in allen gesellschaftlichen Schichten gleichermaßen vorkommt.

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