Kein Versicherungsschutz: Warum freiberuflichen Hebammen das Aus droht

Kein Versicherungsschutz: Warum freiberuflichen Hebammen das Aus droht

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Neugeborene auf einer Geburtsstation.

von Saskia Littmann

Freiberufliche Hebammen fürchten um ihre Existenz, weil sie keinen Versicherer mehr finden. Warum das Geschäft für die Assekuranzen nicht rentabel ist, die Folgen des Missstands, und welche Lösungswege es gibt.

Ihnen droht das berufliche Aus, weil sie keiner mehr versichern will und kann - freiberufliche Hebammen in Deutschland bangen um ihre Existenz. Der Grund: Es gibt nicht mehr genug Versicherer, die den Haftpflichtschutz für die Geburtshelfer anbieten können. Zuletzt kündigte die Nürnberger Versicherung an, sich Mitte 2015 aus dem bisher bestehenden Versicherungskonsortium zurückzuziehen und die Berufshaftpflicht für Hebammen nicht mehr anbieten zu wollen.

Die beiden letzten verbleibenden Assekuranzen, die Bayerische Versicherungskammer und die R+V Versicherung, sind zwar noch im Konsortium, es sieht aber nicht so aus, als könnten sie den Anteil der Nürnberger übernehmen. Beide könnten also nur weiterhin Haftpflichtschutz anbieten, wenn für die Nürnberger ein Ersatz gefunden wird. Anderenfalls droht den freiberuflichen Hebammen das Aus, denn ohne den Versicherungsschutz dürfen sie nicht arbeiten. Doch warum ist Versicherungsschutz für Geburtshelfer so schwer zu finden?

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Schon jetzt sind die Policen für Hebammen kaum noch bezahlbar. Während die Haftpflichtversicherung für Geburtshilfe 2000 noch 404 Euro im Jahr kostete, sind es mittlerweile 4242 Euro. Ab Sommer soll die Prämie auf über 5000 Euro steigen. Dann muss eine Beleghebamme bereits über 18 Geburten durchführen, um überhaupt ihre Versicherung zu finanzieren. Andere Kosten für Material oder Anfahrt sind damit noch nicht abgedeckt. Problematisch ist das insbesondere, da viele Hebammen Teilzeit arbeiten. Bereits jetzt haben sich deshalb viele aus der Geburtshilfe zurückgezogen, laut einer Studie war es rund ein Viertel aller Hebammen, die Geburtshilfe angeboten haben. Sie bieten nur noch Leistungen wie etwa Wochenbettbetreuung oder Schwangerschaftskurse an, denn wer keine Babys auf die Welt bringt, zahlt eine deutlich niedrigere Versicherungsprämie.

Nicht nur Einzelfälle betroffen

Insgesamt gibt es in Deutschland nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands rund 21.000 Hebammen. Freiberuflich arbeiten davon insgesamt fast zwei Drittel, aber nur noch 3000 bis 3500 freiberufliche Hebammen arbeiten auch als Geburtshelfer. Die Bedeutung von freiberuflichen Hebammen verdeutlicht Katharina Jeschke, Präsidiumsmitglied im Deutschen Hebammenverband. „Insgesamt ein Viertel der Neugeborenen wird bei der Geburt von freiberuflichen Hebammen betreut“, sagt Jeschke. Alle Mütter und Neugeborene benötigten allerdings Hebammenleistungen rund um die Geburt. Dazu gehöre vor allem auch die Betreuung im Wochenbett, also in den ersten Tagen nach der Geburt.

Gäbe es keine freiberuflich tätigen Hebammen mehr in Deutschland, beträfe das also längst nicht nur einige wenige Frauen, die ihr Kind statt in der Klinik lieber zu Hause oder in einem Geburtshaus zur Welt bringen wollen. „Es geht also nicht nur um die Wahlfreiheit der Frauen und zwei Prozent außerklinisch betreute Geburten, sondern es geht um die komplette Versorgung mit Hebammenhilfe in Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit“, sagt Jeschke.

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