Kfz-Versicherung im Test: Günstiger geht’s fast immer

Kfz-Versicherung im Test: Günstiger geht’s fast immer

, aktualisiert 03. November 2017, 16:42 Uhr
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Wer 2018 eine andere Kfz-Versicherung haben will, muss die alte bis Ende November kündigen.

von Julia GrothQuelle:Handelsblatt Online

Autobesitzer können bis zum 30. November in eine günstigere Kfz-Versicherung wechseln. Eine Analyse von Franke und Bornberg für das Handelsblatt zeigt, welche Anbieter das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

KölnIn Hamburg gibt es die meisten Autounfälle. Bayern fahren die teuersten Autos. Autokäufer im Saarland sind am sparsamsten. Wenn Vergleichsportale wie Verivox und Check24 ihre Nutzer mit derartigen Trivia bombardieren, wissen Autofahrer: die Wechselsaison ist in vollem Gange. Bis zum 30. November können Autobesitzer ihre Kfz-Versicherung kündigen und für das kommende Jahr zu einem anderen Anbieter wechseln.

Ein Anbieterwechsel lohnt sich in der Tat häufig. So kann etwa ein junges Paar bis zu 838 Euro pro Jahr sparen, haben Experten von Check24 errechnet. Das entspricht einer Ersparnis von 59 Prozent. Für einen Fahranfänger kann die Einsparung noch höher ausfallen: Nach einem Wechsel vom teuersten Tarif in eines der günstigsten Angebote zahlt er bis zu 2328 Euro oder 71 Prozent weniger. Autobesitzer können mit einem Wechsel der Kfz-Versicherung im Schnitt rund 30 Prozent sparen, haben Tarifexperten von Verivox ausgerechnet.

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Günstige Angebote bei der Kfz-Versicherung werden für Autobesitzer immer interessanter, denn der allgemeine Preistrend geht nach oben. Im kommenden Jahr dürften die Durchschnittspreise für die Kfz-Haftpflichtversicherung um ein bis zwei Prozent steigen, prognostizierte Andreas Kelb, Autoexperte beim Rückversicherer Hannover Rück, auf einer Branchenkonferenz in Baden-Baden im Oktober. In der Kaskoversicherung werde es voraussichtlich noch teurer. Die Gründe für den Aufwärtstrend sind vielfältig. Einer der wichtigsten ist, dass Schäden immer teurer werden. Wer etwa heute eine Stoßstange demoliert, zerstört nicht nur ein bisschen Kunststoff, sondern oft die Rückfahrkamera gleich mit.

Gerade Autobesitzer, die lange nicht mehr den Kfz-Versicherer gewechselt haben, sollten die Konditionen ihrer Police überprüfen, rät Philipp Opfermann, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Der Markt ist heiß umkämpft, viele Anbieter werben mit Kampfpreisen um neue Kunden“, sagt er.

Alte Verträge schneiden im Vergleich zu aktuellen Angeboten oft besonders schlecht ab. Auch wenn sich die persönlichen Lebensumstände verändert haben, kann es gute Argumente für einen Wechsel geben. Trotzdem hat rund ein Drittel der deutschen Autobesitzer überhaupt noch nie die Kfz-Versicherung gewechselt, zeigt eine Umfrage des Portals Finanztip aus dem laufenden Jahr.

Wer sich nach einem neuen Anbieter umschaut, sollte nicht nur den Preis im Blick haben. „Man muss auch auf das Kleingedruckte achten“, mahnt Opfermann. Welche Leistungen besonders wichtig sind, hängt zwar stark vom Einzelfall ab. So sollten etwa Neuwagenbesitzer darauf achten, dass Versicherer noch möglichst lange im Schadensfall mit dem Neupreis des Wagens rechnen.

Andere Klauseln sind für alle Kunden von Bedeutung. Eine Kfz-Police sollte zum Beispiel immer auch Schäden abdecken, die aus grober Fahrlässigkeit resultieren. Darüber hinaus sollten sich Versicherungsnehmer nie mit der gesetzlichen Mindestdeckung zufriedengeben, sondern auf eine möglichst hohe Versicherungssumme achten, sagt der Verbraucherschützer. Sein Rat: „In die Vollen gehen.“


Policen im Vergleich

Das Analysehaus Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt Kfz-Versicherungen verglichen und nach ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis benotet. Die Analysten haben für ihre Untersuchung zwei Musterkunden definiert: Der erste ist ein Familienvater mit zwei Kindern und ohne eigene Immobilie, der einen VW Golf fährt. Der zweite ist ein verheirateter, kinderloser Rentner mit Eigenheim und Mercedes. Beide Kunden besitzen keine weiteren Fahrzeuge und parken ihr Auto nachts in einer Garage. Sowohl der Familienvater als auch der Rentner haben ihre Autos vollkaskoversichert und zusätzlich die obligatorische Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Für Teilkaskoschäden haben sie eine Selbstbeteiligung in Höhe von 150 Euro, bei Vollkaskoschäden liegt die Selbstbeteiligung bei 500 Euro.

Die Prämien, die diese Musterkunden zahlen, sind als Richtwerte zu verstehen. Kein Autobesitzer wird exakt auf die Summen kommen, die Franke und Bornberg im Ranking angibt. Dafür fließen zu viele unterschiedliche Faktoren in die Tarife mit ein – darunter Wohnort, Beruf, Anzahl der Kinder, Immobilienbesitz, ADAC-Mitgliedschaft. Rankings geben lediglich grob die Summen an, an denen sich Autobesitzer orientieren können. Wegen der Vielzahl der sogenannten Tarifierungsmerkmale lassen sich Kfz-Versicherungen schlechter vergleichen als viele andere Versicherungsprodukte.

Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bekommen die Musterkunden mit einer Police von HUK 24. Der Familienvater zahlt dabei eine Prämie in Höhe von 351,94 Euro pro Jahr. Im Vergleich zum teuersten – wenn auch von der Leistung her sehr guten – Angebot, einer Police der R+V, spart er damit fast 400 Euro jährlich. Der Rentner zahlt bei der HUK 24 pro Jahr 762,67 Euro. Für das teuerste Angebot im Ranking, ebenfalls von der R+V, würde er jährlich rund 420 Euro mehr zahlen. Wohlgemerkt: Die am besten benoteten Angebote im Ranking sind nicht zugleich auch die günstigsten. Neben dem Preis musste für die Experten von Franke und Bornberg eben auch die Leistung stimmen. Exakte Details zu diesen Musterfällen finden Sie auf der nächsten Seite.

Vergleichsportale im Internet bieten für Wechselwillige einen guten ersten Anlaufpunkt. Wer sie nutzt, darf allerdings nicht vergessen, dass die Portale in der Regel keinen so breiten Marktüberblick geben, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. So kann es vorkommen, dass einige der günstigsten Angebote dort überhaupt nicht zu finden sind, weil die Plattformen nicht mit dem betreffenden Versicherer kooperieren.


Die besten Angebote für die zwei Musterfälle

Musterfälle:

Fall1:

Fall2:

Versich.-beginn: 01.01.2018

Fahrzeug:


Golf VII;  63 KW/86 PS


EZ: 02.01.2017

Fahrzeug:


Mercedes C200 D


EZ: 02.01.2017

Kunde:


geb. 01.01.1982; männlich


verheiratet


2 Kinder (2 Jahre, 7 Jahre)


deutsch

Kunde:


geb. 01.01.1948; männlich


verheiratet


keine Kinder


deutsch
SF18


Fahrleistung 15.000 km/ Jahr


alleiniger Fahrer 


keine Teilnahme am begleitetem Fahren


VN = Halter


Nutzung ausschließlich privat


keine Betriebsausgabe


nächtliche Abstellung in Garage


keine Sonderausstattung


Verwendung im gesamten Geltungsbereich gem. AKB


eigenfinanziert


kein Wohneigentum


keine weiteren Fahrzeuge


keine weiteren Verträge beim Versicherer
SF30


Fahrleistung 15.000 km/ Jahr 


alleiniger Fahrer


keine Teilnahme am begleitetem Fahren


VN = Halter


Nutzung ausschließlich privat


keine Betriebsausgabe


nächtliche Abstellung in Garage


keine Sonderausstattung


Verwendung im gesamten Geltungsbereich gem. AKB


eigenfinanziert


Wohneigentum


keine weiteren Fahrzeuge


keine weiteren Verträge beim Versicherer


jährliche Zahlungsweise


per Abbuchung
jährliche Zahlungsweise


per Abbuchung
unbekannter Versicherer


versichert seit Erstzulassung


Kündigung durch VN


keine Schäden
unbekannter Versicherer


versichert seit Erstzulassung


Kündigung durch VN


keine Schäden

Die besten Policen können Sie hier nachlesen: "Die besten Angebote für zwei Musterfälle" (oder hier als pdf).

Quelle:  Handelsblatt Online
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