Kindererziehung: Gute Betreuung kostet oft viel Geld

Kindererziehung: Gute Betreuung kostet oft viel Geld

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Zwischen sechs und zehn Euro pro Stunde kostet eine Tagesmutter in Deutschland

Ob Winzling oder Vorschüler: Wer eine gute Betreuung für sein Kind sucht, braucht Geduld, Glück - und oft viel Geld.

Bei Mrs. Ochs stellt sich die Frage erst gar nicht, ob Mütter unersetzlich sind. Mit großen Augen hängen Hendrik, Sophie und Annu an den Lippen der Engländerin. Hoch konzentriert tauchen die drei Maler im „Craftwork Room“ ihre Hände in rote und gelbe Fingerfarben und sprechen ihrer Mrs. Ochs nach: „My left hand is yellow, my right hand ist red. Abrakadabra.“ Dann vermischen sich unter ihren Händen Rot und Gelb auf dem Papier zu Orange. Liebevoll lotst die Engländerin, selbst Mutter erwachsener Kinder, die drei durch die englische Sprache, einschließlich „this funny th“.

Erstaunlich daran: Das alles geschieht nicht in einem Luxus-Kindergarten mit Hochleistungsförderung, sondern in einer beschaulichen evangelischen Tagesstätte im Düsseldorfer Stadtteil Unterrath. Dass 18 Kinder dort ganztägig von einer englischen Muttersprachlerin bilingual betreut, angefeuert und getröstet werden, verdanken sie engagierten Eltern.

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Ihnen und ihren Kinder fällt keine Staatsknete in den Schoß, auch wenn Bildungspolitiker noch so oft beklagen, dass gerade Deutschland so wenig in seine Kleinkinder – und ihre Erzieherinnen – investiere. Also müssen Eltern einzahlen: Zeit und Geld. Denn nicht alle Städte sind so großzügig wie Heilbronn: Dort kostet der Besuch des städtischen Kindergartens nichts, im schuldenfreien Düsseldorf dagegen sind es 2400 Euro im Jahr für einen Halbtagsplatz, wenn die Eltern 80.000 Euro verdienen.

Kinderkrippe: Auf die Betreuung von Kleinstkindern ist Deutschland auch im Jahr 2008 noch nicht eingerichtet. Während es im Osten – der ehemaligen DDR sei Dank – genug Plätze für Babys und Kinder unter drei Jahren gibt, läuft im ehemaligen Deutschland West das alte Trauerspiel. Die wenigen Plätze gehen oft bevorzugt an Alleinerziehende. Das mag wirtschaftlich sinnvoll sein, für abgeblitzte Eltern ist das aber nur ein schwacher Trost. In Westdeutschland wurden 2006 rund 24.000 Kinder in Krippen betreut – 1,3 Prozent aller unter Dreijährigen. Daran hat sich bislang wenig verbessert, allem elterlichen Bedarf und Einsatz von Familienministerin Ursula von der Leyen zum Trotz. Krippengebühren liegen oft 30 Prozent über den Kindergartenplätzen, da die Kleinen sehr viel mehr Betreuung brauchen.

Tagesmutter: Die Suche ist mühsam, aber es lassen sich echte Perlen finden. Herzliche, trotzphasengestählte Frauen, die zusätzlich zur eigenen Brut auch andere Kinder liebevoll umsorgen – und erziehen: Ihr Einfluss ist immens. Zeitlich ist nach Absprache alles möglich, einzelne Stunden, lange Tage oder Nächte. Geschick und Flexibilität lassen sich Tagesmütter gut bezahlen: Je nach Stadt liegen die Stundensätze zwischen sechs und zehn Euro. Eltern zahlen so für eine Vollzeitbetreuung schnell über 1000 Euro im Monat. Zum Vergleich: Eine eigene Kinderfrau samt aller Sozialabgaben kostet vor allem in Großstädten mehr als das Doppelte.

Ein Vertrag, der Arbeits- und Urlaubszeiten, Gehalt, Sozialabgaben und Versicherungsfragen regelt, ist unverzichtbar. Die Jugendämter der Städte bieten Musterverträge an. Doch Vorsicht: Ein absolvierter Tagesmutter-Kurs sagt nichts über die pädagogische Qualität einer Dame aus; manche sitzen die Stunden zwecks späterem Jodeldiplom ab. Auch steuerlich droht Eltern eine Überraschung: Clevere Tagesmütter lassen sich bis zu 30 Prozent ihres Gehaltes als Pflege- und Materialpauschale bezahlen. Die müssen sie nicht versteuern – aber die Eltern können sie auch nicht absetzen.

Kindergarten: Wenn erst die dritte Kerze auf dem Geburtstagskuchen brennt, schenkt der Staat dem Nachwuchs einen Kindergartenplatz. Praktisch steht dem aber das böse Wort Warteliste im Weg. In die fröhliche Spielschar einrücken dürfen die Kleinen oft nur, wenn Mami schon Jahre vorher allen infrage kommenden Kindergartenleiterinnen ihre Aufwartung gemacht und ihr Engagement für Renovierungsarbeiten oder den Förderverein bekundet hat. Ist das Kind dann noch zum entscheidenden Zeitpunkt mit dem gerade nachgefragten Geschlecht, Glauben und der passenden Muttersprache gesegnet, steht dem Einzug in den städtischen oder konfessionellen Kindergarten nichts mehr im Weg. Wie beschrieben differieren die jährlichen Gebühren städtischer und konfessioneller Einrichtungen um Tausende Euro, ein Ganztagsplatz schlägt häufig mit 3000 bis 3800 Euro im Jahr zu Buche, Essen geht extra. Eine Alternative sind Waldorf- oder Montessori-Kindergärten, die ihre eigene Pädagogik leben und lehren.

Waldorf: Leitlinie ist das anthroposophische Menschenbild, nicht die gesellschaftliche Norm. Denken, Fühlen und Wollen sollen gleichberechtigt gefördert werden, was auch die handwerklich-künstlerische Ausbildung einschließt. 530 Kindergärten gibt es in Deutschland, ihre Preise richten sich danach, wie sie vom jeweiligen Bundesland unterstützt werden. Ein Ganztagsplatz kostet bis zu 250 Euro im Monat – im Vergleich zu anderen Angeboten ist das günstig.

Montessori: Die Individualität des Kindes bildet den Mittelpunkt, seine Bedürfnisse und Begabungen. Lernen nach eigenem Rhythmus und Interessen befähigt es zur Konzentration und schärft die Sinne. In den 600 Kinderhäusern variieren die Kosten je nach Träger – staatlich, konfessionell oder frei – für einen Ganztagsplatz von 50 bis 400 Euro. Alle haben eine Warteliste.

Kommerzielle Anbieter: Sie haben die Not gut verdienender Eltern erkannt, die einen lange geöffneten Kindergarten ohne Sommerferien, aber mit guter Förderung suchen. Kosten: meist 1000 bis 1300 Euro im Monat. Ihre Förderung reicht von nützlich wie bilinguale Angebote, musikalische Früherziehung, Sport- oder Vorschulprogramme bis überkandidelt wie eine Stunde Englisch pro Woche für Babys oder Mathe für Dreijährige. Kein kostbares Lernfenster soll schließlich ungenutzt bleiben.

Doch allen Elternwünschen zum Trotz: Am Ende kommt es oft ganz anders. Dann entscheidet nicht das pädagogische Konzept oder das Budget über die frühkindliche Betreuung, sondern schlicht: Welcher gut erreichbare Kindergarten nahe Haus oder Job hat zum nötigen Zeitpunkt einen Platz frei. Und was passiert? Das suboptimal frühgeförderte Kind fühlt sich dort pudelwohl.

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