Kindergärten, Schulen, Unis: Was gute Bildung kostet - Seite 6

Kindergärten, Schulen, Unis: Was gute Bildung kostet

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Fällt die Wahl auf eine Privatschule, muss dies nicht zwangsläufig am knappen Budget scheitern, denn in der Regel bleiben Kindern von Eltern mit geringerem Einkommen zwei Nebeneingänge: entweder über Stipendien für besonders begabte Kinder oder über Sozialklauseln einzelner Privatschulen. So nimmt beispielsweise die Internationale Schule in Hamburg 25 Prozent Schüler aus sozial benachteiligten Familien auf.

Auch der Staat hilft den Eltern: Sie können 30 Prozent der Beiträge für die Schule von der Steuer absetzen (siehe Kasten Seite 118). „Schicken sie ihr Kind in eine Ganztagsschule lässt sich der Beitrag für den Nachmittag als Betreuungskosten von der Steuer absetzen, wenn kein regulärer Unterricht stattfindet“, sagt der Kölner Steuerberater Dirk Bracht. Vorteil: Statt 30 Prozent können sich die Eltern dann zwei Drittel ihrer Ausgaben vom Fiskus wiederholen. Allerdings sind die absetzbaren Kosten bei 4000 Euro pro Jahr gedeckelt.

Deutsche Universitäten boten lange Zeit ein kostenloses Spielfeld für Studenten. Als 2006 die ersten Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen Studiengebühren einführten, lichteten sich die Reihen. Viele Seminare und Vorlesungen sind trotzdem immer noch überfüllt. Die Studiengebühr von 500 Euro pro Semester trifft zwar Studenten mit knappem Budget, ist aber bei Weitem nicht genug, um die staatlichen Universitäten auf Augenhöhe mit Elite-Anstalten wie Oxford oder Havard zu bringen. So verlangt Harvard von seinen Studenten oder deren begüterten Eltern 35.000 Dollar pro Jahr, umgerechnet etwa 21.980 Euro, also das 22-Fache.

Mit so viel Geld lässt sich eine erstklassige Ausstattung mit Personal und Technik finanzieren. So verwundert es kaum, dass auch in Deutschland der Ruf nach  Privatunis auf internationalem Niveau lauter wird. Noch allerdings steckt das Privatstudium in Deutschland in den Kinderschuhen. Es mangelt vor allem an den Finanzen. Anders als in den USA oder Großbritannien finden sich in Deutschland zu wenig Spender und Stifter.

Stipendie und Darlehen - Lohnt der Aufwand?

Bestes Beispiel ist die Privatuni Witten-Herdecke. Im vergangenen Jahr stand die Hochschule am südlichen Rand des Ruhrgebiets vor dem finanziellen Aus. Erst eine Finanzspritze der Düsseldorfer Unternehmensberatung Droege von zwölf Millionen Euro rettete die Hochschule. Um ihren Fortbestand zu sichern, plant die Uni Witten-Herdecke derzeit, die Studiengebühren von insgesamt 30.000 Euro für ein Humanmedizin-Studium kräftig zu erhöhen.

Um Kinder aus weniger begüterten Familien nicht von vornherein auszuschließen, haben die Studenten an der Uni Witten-Herdecke die Möglichkeit, ihre Gebühren wie ein Darlehen nach dem Studium zurückzuzahlen. Andere Privatunis bieten ihren Studenten entsprechende Stipendien an. Allerdings sind die Kontingente begrenzt und stehen in der Regel nur Hochbegabten offen.

Bleibt die Frage: Lohnt sich der ganze Aufwand, sind Absolventen von Privatunis wirklich besser, haben sie die besseren Karrierechancen?

Das Uni-Ranking der WirtschaftsWoche sieht zwar private Hochschule wie die European Business School in Oestrich-Winkel unter den Top-Instituten, aber den ersten Platz im Studiengang Betriebswirtschaftslehre belegte mit der Uni Mannheim ein staatlicher Anbieter – und das für 500 Euro pro Semester. Das Ranking finden sie unter wiwo.de/uniranking.

Selbst für diese 500 Euro gibt es noch Unterstützung: Landesförderbanken wie die NRW-Bank geben zinsgünstige Kredite, um Studiengebühren zu finanzieren.

Einzig von der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) droht Ärger. Die ZVS könnte Bewerber auf eine staatliche Uni lotsen, die im Ranking weit hinten liegt – weil dort noch Plätze frei sind. Allerdings wollen die deutschen Hochschulrektoren weg von der reinen Platzverwaltung, hin zu einem leistungsgebundenen Vergabesystem. Leistungsgebundene Vergabe – das sollte sich der Staat überhaupt zu Herzen nehmen. Würden Krippen, Kindergärten, Schulen und Universitäten nach Leistung und ihrem realistischen Bedarf entsprechend finanziert, profitierten Kinder und Eltern – und die weit verbreitete Angst, in naher Zukunft von schrecklich schlauen Chinesen überrollt zu werden, wäre noch ein Stückchen weniger begründet.

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26 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 09.10.2008, 14:59 UhrAnonymer Benutzer: Pumuckl

    Hallo,
    Weiß jemand welche Einzelkosten den Gesamtkostenblock einer Schule ausmachen und wie hoch diese sind?
    Annahme: Schule mit 1000 Schülern.

  • 27.05.2008, 14:28 UhrAnonymer Benutzer: fossie

    Gute bildung kostet vor allen Dingen Zeit und Engagement. Für viele scheint daher eien privatschule die günstigere Alternative zu sein - und ist es in vielen Fällen wohl auch. Gründe dafür wie auch dagegen lassen sich viele finden. Vor allem der Einwand eine staatliche Unterstützung der Privatschulen würde die staatlichen Schulen zu Verwahranstalten degradieren, ist sicher nicht unbegründet, aber woraus soll sich die Hoffnung nähren, das staatliche Schulen endlich "besser" werden? Jahrzehnte und einige Reformversuche sind übers Land - oder besser über die (bundes-)Länder gegangen getreu dem Motto: Einen Schritt vorwärts, zwei zurück. Ähnlich wie bei Monopolen in der Wirtschaft kann hier private initiative vielleicht bewegung bringen, die unsere Kinder auf das vorbereiten kann, was das Leben mit sich bringt. Nur die Qualität der Lehre Allein wird uns aus dem Schlamassel nicht herausbringen. in einer immer komplexer werdenden Welt fehlt es nicht nur den Heranwachsenden an Perspektiven.

  • 14.05.2008, 23:24 UhrAnonymer Benutzer: Wilson

    Wieso gehen hier alle davon aus, dass Privatschule = gute Schule bedeutet und staatliche Schule = schlechte Schule? Es kommt immer noch auf das Konzept und die Menschen an, die in der jeweiligen Schule zusammen kommen. Gerade hat eine vor wenigen Jahren medienwirksam eröffnete freie Schule in Hamburg (unterstützt von Promis wie Nena) eine Schlappe hinnehmen müssen, weil die Lehrkräfte die Aggressionen der Schüler nicht in den Griff bekommen haben. Und andererseits gibt es staatliche Schulen, die gar nicht so übel sind. Diese Schulen sollten personell und finanziell unterstützt werden - und zwar großzügig und schnell!

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