Kommentar: Super-Reiche fliegen auf Aktienfonds, Privatanleger weniger

Kommentar: Super-Reiche fliegen auf Aktienfonds, Privatanleger weniger

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Fondsbranche: Normale Privatanleger halten sich weiter zurück

Die Fondsbranche feiert Milliardenzuflüsse bei Aktienfonds als Erfolg. Das verbreitet Optimismus. Doch die Statistik täuscht: Normale Privatanleger halten sich weiter zurück.

Nicht schlecht: Immerhin 79 Prozent der Deutschen wissen, was ein Aktienfonds ist. Vor einem Jahr lag die aus einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Axa Investment Managers gewonnene Zahl nur bei 74 Prozent. Und angeblich investieren die so gut informierten Deutschen auch wieder mehr Geld in Aktienfonds. 2,9 Milliarden Euro Monats-Plus haben die im Fondsverband BVI zusammengeschlossenen Anbieter zuletzt gemeldet. Die Erfolge kämen den Fondsanbietern gelegen. Sie müssen Optimismus verbreiten. Die Fonds sollen als gefragte Anlageform und nicht als Ladenhüter beim Schlussverkauf der Abgeltungsteuer mitmischen. Es sieht aus, als könne die Fondsbranche jetzt Profit schlagen aus den Unzulänglichkeiten, die bei Zertifikate-Anbietern in der Finanzkrise deutlich wurden. Doch der schöne Schein trügt.

Die Zuflüsse der Fonds gehen eindeutig auf das Konto von Großanlegern wie Versicherern, Vermögensverwaltungen und Dachfonds. Privatanleger spielen als Direktanleger bei diesen Zahlenspielen nur eine Statistenrolle. Bei den Dachfonds, die sich mit Nettozuflüssen von 1,6 Milliarden Euro zur zweitbeliebtesten Fondskategorie gemausert haben, gehen Zuflüsse von knapp einer Milliarde Euro auf das Konto von anonym gemeldeten Fonds von Union Investment oder Allianz Global Investors – mit fingierter Erkennungsnummer und ohne klarem Fondsnamen. Die Fondshäuser rücken nicht damit raus, wer genau hinter diesen Fonds steckt. Angeblich stammt das Geld von „Privaten“, die als Einzelanleger keine Spezialfonds eröffnen könnten. Es geht pro Fonds um einige Hundert Millionen Euro – der gemeine Anleger steckt also nicht dahinter.

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Zu den wenigen traditionellen europäischen Aktienfonds, die Zuflüsse verbuchen, zählt der Meag Euroinvest – aber nur dessen spezielle Tranche, in der man erst mit einer Million Euro Mindestanlage dabei ist. Es sind also auch hier nicht normale Privatanleger, sondern eher die Super-Reichen, die sich – womöglich auch mit Blick auf die Abgeltungsteuer – bei Aktienfonds positionieren.

Ärgerlich: Die klaren Gewinner der Statistik, die börsengehandelten Indexfonds (ETF, Exchange Traded Funds), werden Privatanlegern weiter vorenthalten. Die mit wenig Aufwand konstruierten Produkte bringen Banken zu wenig Gebühren. Berater empfehlen sie nicht, Institute bieten sie nur widerwillig an: Sparkassen und der sparkasseneigene S-Broker haben zum Beispiel für Private nicht einmal den europäischen Aktien-ETF im Angebot, der vom ebenfalls sparkasseneigenen Indexfondsanbieter ETFlab herausgegeben wird.

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