Krankenkassen: Versicherte zahlen trotz Sparversuchen mehr

Krankenkassen: Versicherte zahlen trotz Sparversuchen mehr

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Reform startet, Zusatzbeiträge bleiben: Im kommenden Jahr müssen möglicherweise mehr gesetzlich Krankenversicherte Zusatzbeiträge bezahlen als bisher - obwohl die zum 1. Januar 2011 in Kraft tretende Gesundheitsreform zusätzliche Milliarden zu den Krankenkassen spült.

von Cordula Tutt

2011 wird die gesetzliche Krankenversicherung teurer. Gesundheitsminister Rösler erleichtert zugleich den Wechsel in die Private.

Gesundheitsminister, das weiß Philipp Rösler, bedeutet ständig „Torte im Gesicht“. So hatte es Vorgängerin Ulla Schmidt ihm auf den Weg gegeben. FDP-Mann Rösler leistete 2010 seinen Beitrag, dass rund 72 Millionen gesetzlich Versicherte – mal wieder – über die Politik schimpfen können. Gesundheit wird für sie ab dem 1. Januar 2011 teurer, ohne dass sie spürbar bessere Leistungen bekommen. Ob Patienten in Praxen und Kliniken gut oder nur mangelhaft versorgt werden, wird erst nächstes Jahr zum Rösler-Projekt. Ein „Versorgungsgesetz“ soll die Behandlung Kranker verbessern und einem Arztmangel auf dem Land oder in ärmeren Stadtteilen  entgegenwirken.

Aber auch für viele der knapp neun Millionen Menschen im Land mit privater Vollversicherung beginnt 2011 mit höheren Prämien. Dass Gesundheit trotz der Sparversuche Röslers für Versicherte teurer wird, hat auch damit zu tun, dass die Vertreter des planwirtschaftlichen Gesundheitswesens mit ihrer  starken Lobby immer noch einiges erreichen und Nachteile für sich abwenden können. Die Ausgaben für Ärzte, Krankenhäuser und Arzneien werden zwar begrenzt, doch deren Beitrag fällt geringer aus als für die Krankenversicherten. Kassenpatienten müssen mit ihrem Geld mehr als die Hälfte des Defizits von elf Milliarden Euro stopfen, das ursprünglich für die gesetzlichen Kassen 2011 vorhergesagt wurde.

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Was sich 2011 ändert

Für gesetzlich Versicherte steigt ab 1. Januar der allgemeine Beitragssatz, den sie anteilig von ihrem Einkommen abführen müssen. Die rund 50 Millionen zahlenden Kassenmitglieder haben dann weniger vom Bruttogehalt übrig: Der Einheitsbeitrag steigt von 14,9 auf 15,5 Prozent. Der Arbeitnehmer-Anteil liegt dann bei 8,2 Prozent vom Bruttolohn; der Arbeitgeber beteiligt sich mit 7,3 Prozent.

Für einen Angestellten mit 3000 Euro im Monat steigt sein Anteil von 237 auf 246 Euro, der Arbeitgeber zahlt 219 Euro. Dieses Verhältnis dürfte sich weiter verschieben: Werden Beiträge erneut angehoben, müssen die Versicherten das künftig alleine tragen. Die Lohnnebenkosten für Unternehmen sollen so begrenzt werden.

Wenn die Kassen mit dem Geld nicht auskommen, können sie bald unbegrenzt Zusatzbeiträge erheben. Einige Kassen wie die DAK und KKH-Allianz verlangen bereits einen Extraobolus, der per Gesetz auf acht Euro oder ein Prozent des Einkommens begrenzt war.

Ein Sozialausgleich soll künftig Überforderung verhindern: Übersteigt der von allen Kassen im Schnitt benötigte Zusatzbeitrag zwei Prozent des Einkommens, erhalten Betroffene die Differenz zurück.

Auch auf Arzneimittelhersteller kommt eine Neuerung zu. Langfristig sollen die hohen Pharmapreise in Deutschland sinken und jährlich zwei Milliarden Euro eingespart werden. Pharmafirmen sollen künftig nicht nur nachweisen, dass ein neues Mittel wirkt, sondern auch, dass es im Vergleich zu herkömmlichen Präparaten einen zusätzlichen Nutzen hat. Bejahen die Experten des staatlichen IQWiG-Instituts einen Extranutzen, muss der Hersteller innerhalb eines Jahres mit dem Verband der Kassen einen endgültigen Preis aushandeln. Bisher waren die Firmen relativ frei, für patentgeschützte Arznei einen Preis festzusetzen.

Gesundheitsminister Rösler erleichtert zudem den Wechsel vom gesetzlich zum privat Versicherten: Wer monatlich mehr als die Versicherungspflichtgrenze von 4125 Euro verdient, kann schon nach einem statt nach bisher drei Jahren in eine private Assekuranz wechseln. Im Jahr entspricht das einem Einkommen von 49.500 Euro. Außerdem haben die Privatversicherer erreicht, dass sie von den Preisverhandlungen der gesetzlichen Kassen mit der Pharmaindustrie profitieren und künftig ebenfalls nur noch die Preise für patentgeschützte Präparate erstatten müssen, die für Kassenpatienten gelten.

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