Krankenversicherung: Experten sind für Zusatzbeiträge

Krankenversicherung: Experten sind für Zusatzbeiträge

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Gerade bei jüngeren, gesunden, gebildeten Personen ist die Erhebung eines Zusatzbeitrags Auslöser für einen Krankenkassenwechsel

von Anke Henrich

Auch wenn viele Krankenkassen gerade im Geld schwimmen: Der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen erwartet, dass zahlreiche GKV-Versicherte spätestens 2014 wieder Zusatzbeiträge überweisen müssen. Ihre Untersuchung ist aber auch in anderer Hinsicht interessant.

„In der zweiten Hälfte des Jahres 2013 oder 2014 wird ein Großteil der Krankenkassen wieder Zusatzbeiträge erheben“, erwartet der Vorsitzende des Rates, Eberhard Wille. Das liege an der nachlassenden Konjunkturerwartung und den steigenden Medizinkosten.

Für die Experten ist der Zusatzbeitrag durchaus wünschenswert. Er und sein seine Gegenspielerin, die Prämienausschüttung bei wohlhabenden Kassen, seinen zwei sinnvolle Instrumente für den Wettbewerb der Krankenkassen untereinander. Noch immer gibt es mehr als 150 davon in Deutschland. Einigen geht es bestens, andere haben Probleme, der Aufsichtsbehörde ausreichende Mindestreserven nachzuweisen.

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Die Experten glauben, dass der Zusatzbeitrag Rückschlüsse zulässt, wie gut eine Krankenkasse haushält. Zum Beispiel bei Niveau und Struktur von Satzungs- und Mehrleistungen, der Dichte des Geschäftsstellennetzes und Qualität des Services, bei Einsparungen durch die Kontrolle von Krankenhausrechnungen, bei Rabattverträgen und der Vermeidung oder Reduzierung von Krankengeldansprüchen sowie bei Kostensenkung im Verwaltungsbereich.

Der Charme des Zusatzbeitrags: Als Pauschale sei er weitaus auffälliger als die früheren Beitragssatzunterschiede und der Arbeitgeber zieht ihn nicht automatisch ein. Der Kunde muss überweisen und das tut weh.

Auch die Frage, ob der Zusatzbeitrag in den vergangenen Jahren tatsächlich die Wechselbereitschaft der Versicherten erhöht hat, nahmen die Experten unter die Lupe. Das Ergebnis ist eindeutig.

Unbeliebter Zusatzbeitrag

„In den Jahren 2000 bis 2009 wechselten jährlich rund fünf Prozent der GKV-Mitglieder ihre Krankenkasse. Die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Krankenkassen waren dabei vor Einführung der heute gültigen Beitragssystematik deutlich größer als heute. Für die Zeit bis zum Jahr 2009 wiesen zahlreiche Studien den Beitragssatz als dominanten Wettbewerbsparameter und zentrale Einflussgröße für einen Krankenkassenwechsel aus. Leistungsunterschiede, besondere Versorgungsformen oder Differenzen im Service spielten dagegen nur eine untergeordnete Rolle.

Drei Jahre nach Einführung des Obolus bestätigen empirische Analysen: Rund 90 % aller Netto-Mitgliederverluste der gesetzlichen Krankenversicherer sind bei Krankenkassen mit einem Zusatzbeitrag zu verzeichnen. Unter den zwanzig größten deutschen Krankenkassen gab es Ende 2011 vier Versicherer, die einen Zusatzbeitrag erhoben. Von Anfang 2010 bis zum 1. Oktober 2011 hatte sich die Mitgliederzahl dieser vier Krankenkassen durchschnittlich um 12,6 % reduziert. Insgesamt verminderte sich alleine bei diesen vier Krankenkassen die Mitgliederzahl in nicht einmal zwei Jahren um über eine Million Personen. Gerade bei jüngeren, gesunden, gebildeten Personen ist die Erhebung eines Zusatzbeitrags Auslöser für einen Krankenkassenwechsel und lässt sich kaum durch zusätzliche Leistungen oder Services des Versicherers kompensieren.“

Kein Wunder, dass alle Krankenkassen-Chefs die Einführung eines Zusatzbeitrags fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Und die aktuell sich häufenden Reserven florierender Kassen lieber nutzen, um sich für die Jahre 2013 und 2014 zu wappnen.

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