
Wer eine private Krankenversicherung abschließen möchte, muss in diesem Jahr deutlich mehr zahlen. Im Schnitt steigen die Beiträge gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen von 3500 PKV-Tarifen.
Die steigenden Beiträge sind für Versicherte fatal. Im Schnitt verteuerten sich die Prämien in den vergangenen zehn Jahren um rund fünf Prozent per anno. Vor allem steigende Kosten für Behandlungen und Medikamente sorgen für inflationäre Beiträge. „Auch in Zukunft dürften die Beiträge steigen“, sagt Martin Zsohar, Aktuar und Geschäftsführer bei Morgen & Morgen.
Die für die Branche vorteilhafte Öffnung der PKV für Versicherte mit niedrigeren Einkommen bringt bislang noch keine Entlastung. Die Versicherungspflichtgrenze sinkt 2011 auf 49.500 Euro. Das Bruttoeinkommen der Versicherten muss nur noch in einem statt in drei Jahren oberhalb dieser Versicherungspflichtgrenze liegen. Vor allem junge Versicherte können daher leichter wechseln. Diese Zielgruppe ist wegen der niedrigeren Krankheitskosten bei den Gesellschaften begehrt.
Vor allem Männer müssen mehr zahlen
Von den Preissteigerungen sind männliche Versicherten besonders betroffen. Die Beiträge für einen Mann stiegen in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 5,67 Prozent pro Jahr. Bei Frauen liegt der Anstieg nur bei 4,29 Prozent. „In Zukunft dürften die Beiträge für Männer aufgrund der Einführung von Unisex-Tarifen überproportional steigen“, sagt Zsohar.
Bislang zahlen vor allem junge Männer im Schnitt weniger, weil sie geringere Krankheitskosten verursachen. Ab 2013 müssen Versicherer unabhängig vom Geschlecht Unisex-Tarife anbieten. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden (Rechtssache C-236/09). Die bislang übliche Berücksichtigung des Geschlechts als "Risikofaktor" für Versicherungsbeiträge sei diskriminierend und deswegen ungültig.
Prämienunterschiede machen Versicherung bezahlbar
Frauen in der Altersgruppe der über 85-jährigen verursachen pro Kopf und Jahr 15.330 Euro Krankheitskosten, Männer nur 11.490 Euro, weiß Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes Map-Report. Frauen hätten in dieser Altersgruppe einen Bevölkerungsanteil von 74 Prozent. Wenn man die hohe Lebenserwartung dieser Frauen nicht mehr in Prämienunterschieden abbilden dürfe, dann werde es spannend, wie die Krankenversicherung im Alter noch bezahlbar bleiben soll.














