Krankenversicherung: Warum sich die PKV kaum noch lohnt

Krankenversicherung: Warum sich die PKV kaum noch lohnt

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von Andreas Toller

In der privaten Krankenversicherung drohen Tariferhöhungen im zweistelligen Prozentbereich. Lohnt sich die PKV dann überhaupt noch? Vieles spricht dagegen.

Für die Mehrheit der 8,8 Millionen privat Krankenversicherten wird es ein frustrierender Jahreswechsel: Zwei Drittel von ihnen dürften nach vorläufigen Schätzungen von einer kräftigen Beitragserhöhung im nächsten Versicherungsjahr betroffen sein. Etwa sechs Millionen Versicherte müssen mit einer Erhöhung der monatlichen Versicherungsprämie um durchschnittlich elf bis zwölf Prozent rechnen.

Die Ausgaben für den privaten Gesundheitsschutz steigen damit ungewöhnlich stark. Die Ursache dafür sieht die Branche einmal mehr in der Niedrig- und Nullzinspolitik der Notenbanken. Die Rücklagen der Versicherungsgesellschaften für die künftigen Gesundheitsausgaben ihrer Kunden werfen am Kapitalmarkt immer weniger ab. Langlaufende Rentenpapiere, die vor Jahren noch Zinserträge von sieben oder acht Prozent einbrachten, laufen aus und müssen gegen deutlich schlechter verzinste Papiere getauscht werden. Ohne Beitragserhöhungen würde der Kapitalstock der privaten Krankenversicherer mit der Zeit austrocknen.

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Schock für Wechselwillige

Für die Kunden ist es eine einzige Enttäuschung. Schließlich haben viele von ihnen eine private Krankenversicherung abgeschlossen, weil sie sich davon niedrigere Beiträge und eine bessere Versorgung versprachen. Ob sich zusätzliche Leistungsmerkmale wie Chefarztbehandlung und Einbettzimmer bezahlt machen, ist sicher vom Einzelfall abhängig. Angesichts der deutlichen Erhöhung im zweistelligen Bereich, stellt sich für die freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse Versicherten die Frage, ob sich ein Wechsel in die PKV finanziell noch lohnt.

Zweifel sind angebracht.

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Laut einem Medienbericht müssen Privatversicherte größtenteils mit erheblichen Beitragserhöhungen rechnen. Quelle: Fotolia

Es ist so: Ein Angestellter, der mehr als in der Versicherungspflichtgrenze festgelegt verdient, darf zu einer Privaten Krankenversicherung wechseln. Beamte sind ohnehin nahezu ausnahmslos aufgrund gesetzlicher Vorgaben in der Privaten Krankenversicherung, Selbstständige haben grundsätzlich die Wahl. Das Problem: Wer sich einmal dafür entschieden hat, kann nicht so einfach in den Schutz der gesetzlichen Krankenkassen zurückkehren. Wer älter als 55 Jahre und privatversichert ist, bleibt das bis zum Tod.

Während sich die Beiträge in der GKV als Anteil vom Bruttolohn berechnen und mit den Einkommensänderungen mitschwanken, ist die PKV als kapitalgedeckter Versicherungsschutz in ihren Beiträgen einkommensunabhängig. Hier spielen bei Vertragsabschluss nur die Gesundheitsrisiken und die Tarifmerkmale die entscheidende Rolle.

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Allerdings darf – und muss – auch die PKV die Beiträge anpassen. Das macht sie abhängig von ihren Ausgaben und Einnahmen. Auf der Ausgabeseite sorgen medizinischer Fortschritt und steigende Gesundheitskosten für Beitragserhöhungen, auf der Einnahmenseite die Entwicklung der Beitragseinnahmen der Versicherten sowie die Zinseinnahmen des Kapitaldeckungsstocks. Beides sorgte bereits in der Vergangenheit dafür, dass die Beiträge immer wieder kräftig stiegen.

Schubweise höhere PKV-Beiträge

Die Beitragserhöhungen sind sogar gesetzlich vorgeschrieben: Was die Versicherer nicht am Kapitalmarkt erwirtschaften können, müssen sie zusätzlich zurücklegen. Um solch untypische Beitragserhöhungen zu vermeiden, müssen sie eine Kapitalmarktrendite von mindestens 3,5 Prozent erzielen. Im Branchendurchschnitt schafften sie dies zuletzt nur mit Ach und Krach. Die Ertragsaussichten sinken. Weil außerdem die Ausgaben für medizinische Leistungen in ähnlichem Umfang steigen wie bei den gesetzlichen Versicherern, ist eine vorsorgliche Erhöhung der Beiträge unumgänglich. Das System fördert so nur gelegentliche, aber dafür dann kräftige Beitragserhöhungen.

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Allerdings betreffen die Erhöhungen nicht alle Kunden im gleichen Umfang. Im Grunde gleicht eine Versicherung die kalkulierten mit den tatsächlich erforderlichen Leistungen ab. Wo sich Abweichungen von mindestens fünf oder zehn Prozent ergeben, kommt der Tarif auf den Prüfstand. So kann es passieren, dass ein und dieselbe Versicherung den einen Tarif teurer macht, die Beiträge in anderen Tarifen jedoch stabil lässt oder sogar senkt.

Der PKV-Verband hält die bevorstehenden Beitragserhöhungen für untypisch hoch. „Ohne die Auswirkungen der Niedrigzinsen wäre die PKV-Beitragsentwicklung auch in diesem Jahr unauffällig“, sagt etwa Volker Leienbach, Vorstandsmitglied des Verbandes. Doch ohne deutliche Beitragserhöhungen ging es schon in der Vergangenheit ebenso wenig wie in der GKV.

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