
DüsseldorfGesundheitsminister Daniel Bahr hat die Krankenkassen aufgefordert, ihre Milliardenüberschüsse über Prämienzahlungen an die mehr als 51 Millionen Beitragszahler auszuschütten. Bisher nutzen diese Möglichkeit nach Angaben des Informationsdienstes Kassensuche GmbH jedoch nur fünf Institute. Sie zahlen zwischen 30 und 72 Euro im Jahr an ihre Versicherten zurück.
Insgesamt kommen dadurch bisher nur 480.000 gesetzlich Versicherten in den Genuss solcher Prämien. Das sind nicht einmal ein Prozent der insgesamt mehr als 70 Millionen Kassenkunden. In der Regierung glaubt man dagegen nach FTD-Informationen, dass insgesamt rund 10 Prozent der Versicherten in den Genuss solcher Prämien kommen sollten, die nicht an Bedingungen geknüpft sind und automatisch ausgezahlt werden. Gegen diesen Vorschlag des Gesundheitsministers wehren sich die Krankenkassen jedoch bisher heftig.
Wegen der vergleichsweise niedrigen Summen hält sich der finanzielle Aufwand der fünf Prämienvorreiter in Grenzen. An 345.000 zahlende Mitglieder wollen BKK Wirtschaft & Finanzen, G&V BKK, BKK Textilgruppe Hof, hkk und BKK A.T.U nach Berechnungen des Handelsblatts in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro ausschütten. Da diese Prämie nicht an das Einkommen gekoppelt ist, profitieren Mitglieder mit niedrigem Einkommen am stärksten.
Auch wer noch nicht Mitglied einer der fraglichen Kassen ist, kann sie in diesem Jahr noch erhalten. Denn manche Institute rechnen sie auf den Monat um. Allerdings gibt es keinen Automatismus für die nächsten Jahre. Beschlossen wird die Rückzahlung immer nur für ein Jahr. Sie hängt zudem von der allgemeinen finanziellen Entwicklung der Kasse und der Konjunkturlage generell ab.
Wahltarife bringen mehr als Beitragsprämien
Verbreiteter und attraktiver als Beitragsprämien sind Bonusprogramme und Wahltarife mit Beitragsrückerstattung. Bei mehr als 70 Kassen können die Versicherten ihren Beitrag auf diese Weise drücken. Auffällig ist, dass sich die Krankenkassen meist auf eine Variante der Beitragsrückzahlung konzentrieren.
Nur Securvita ist da eine Ausnahme. Die Kasse ist sowohl bei Wahltarifen mit Beitragsrückerstattung als auch Bonusprogrammen der Spitzenreiter. Deshalb ist hier der maximal erreichbare Vorteil mit Abstand am größten. Weitere 15 Kassen kommen auf Gesamtvorteile zwischen 600 und 775 Euro.
Durch Wahltarife allein lassen sich bis zu 600 Euro im Jahr sparen. Die Maximalsumme erreiche ein Versicherter aber nur, wenn er auch den Höchstbeitrag zahle, erläutert Thomas Adolph, Geschäftsführer von Kassensuche GmbH. Gutverdiener profitieren hier also absolut betrachtet mehr als Mitglieder mit niedrigem Einkommen.
Allerdings ist dafür Voraussetzung, dass die Mitglieder selbst nicht zum Arzt geht – nur ihre Kinder dürfen noch. Und wenn doch, darf es nur zur Vorsorge sein – und fragen sollte man den Arzt dabei besser nicht. Denn sonst könnte der an die Krankenkasse eine Rechnung schicken.
Nach Erkenntnissen des Informationsanbieters Kassensuche GmbH bieten 28 Krankenkassen derzeit Wahltarife an. Der maximale Vorteil für Kunden mit dem Höchstbeitrag liegt zwischen 100 und 600 Euro. Die besten fünf Anbieter sind Securvita, KKH-Allianz, HEK - Hanseatische Krankenkasse, BKK Hoesch und Deutsche BKK. Bei der drittgrößten Krankenkasse, der DAK-Gesundheit, betrage der maximale Vorteil 540 Euro, beim Branchenführer Barmer GEK dagegen nur 200 Euro.
Die Bedingungen für Tarife mit Beitragsrückgewähr seien seit 2011 deutlich kundenfreundlicher, heißt es im Internetportal Krankenkasse.de. Durch Änderungen im Rahmen der Gesundheitsreform 2011 müssten sich Mitglieder nicht mehr drei Jahre an ihre Krankenkasse binden, wenn sie solch einen Wahltarif abschlössen. Die Mindestlaufzeit betrage nur noch ein Jahr und außerdem gelte das Sonderkündigungsrecht nun auch hier.
Die Hälfte der Krankenkassen fördert eine gesunde Lebensweise
Am verbreitetsten unter den knapp 150 Krankenkassen sind Bonusprogramme. 76 Organisationen sind hier aktiv. Um Geld zu erhalten, müssen die Versicherten allerdings aktiv etwas für ihre Gesundheit tun. Die Anforderungen sind dabei nach Einschätzung von Experten sehr unterschiedlich und nicht immer leicht zu erreichen.
Der Informationsanbieter Kassensuche GmbH schätzt die Spanne des maximal erreichbaren Vorteils hier von 20 bis zu 720 Euro im Jahr. Nur zwei Kassen locken jedoch mit einem Bonus von 600 Euro oder mehr: Securvita und IKK Gesund plus. Weitere sechs Institute, AOK Rheinland/Hamburg, AOK Plus, BKK Dürkopp Adler, IKK classic, Novitas BKK und Saint-Gobain BKK, bieten zwischen 300 und 400 Euro Bonus. Der Rest liegt darunter.
Der Spitzenreiter Securvita beschreibt seine Bonusprogramme so: Punkte gebe es für die aktive Mitgliedschaft in Sportvereinen oder Fitnessstudios, für Sportveranstaltungen, Ernährungs- und Entspannungskurse und ärztliche Vorsorge, etwa Zahnprophylaxe. Auch Walken, Joggen, Radfahren, Schwimmen, Yoga, autogenes Training, Qigong oder Pilates erhöhten das Punktekonto. Das Punktesammeln werde ausdrücklich leicht gemacht, denn es solle ein Anreiz zum gesünderen Leben geben.
Den allgemeinen Beitragssatz können die Krankenkassen dagegen nicht selbst bestimmen. Seit 2009 wird er vom Gesundheitsministerium festgelegt. Derzeit sind es 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Durch den Einheitsbeitrag gibt es kaum noch Preiswettbewerb zwischen den knapp 150 Kassen. Zuletzt kam dieser auf, als 2010 eine Handvoll Anbieter einen Zusatzbeitrag erheben musste.






















