Krankenversicherung: Wie Kassenpatienten schnell Facharzttermine bekommen

Krankenversicherung: Wie Kassenpatienten schnell Facharzttermine bekommen

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Ab Ende Januar sollen Kassenpatienten mithilfe der neuen Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen eine Vier-Wochen-Garantie für Facharzttermine erhalten.

von Katja Joho

Ab Ende Januar sollen Kassenpatienten durch die neuen Terminservicestellen eine Vier-Wochen-Garantie für Facharzttermine erhalten. Ob das klappt? Ein Projekt in Sachsen zeigt schon, was realistisch ist.

Monatelanges Warten auf einen Facharzt-Termin soll auch für Kassenpatienten bald der Vergangenheit angehören. Und so soll es funktionieren: Der Patient holt sich eine Überweisung vom Arzt mit dem Hinweis auf die Dringlichkeit, er ruft bei der Terminservicestelle an und innerhalb von vier Wochen bekommt der gesetzlich Krankenversicherte seine Behandlung beim Facharzt. Eine Vier-Wochen-Garantie sozusagen.

Anfang 2016 sollen diese neune Servicestellen nun ihre Arbeit aufnehmen, kündigte kürzlich ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) an. Stichtag: 23. Januar.

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Damit setzt die KV eine gesetzliche Vorgabe um, die im Sommer vom Bundestag beschlossen worden war. Am 23. Juli dieses Jahres trat das Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (Versorgungsstärkungsgesetz, kurz VSG) in Kraft.

In den Augen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ein großer Erfolg. Unter anderem weil Privatversicherte bei Fachärzte meist viel schneller einen Termin bekommen, war längst die Zwei-Klassen-Medizin in aller Munde. Das Gesetz soll den oft monatelangen Wartezeiten der Kassenpatienten nun den Garaus machen. Können die Terminservicestellen keinen Termin in der vorgegebenen Frist von vier Wochen - plus einer Woche für die Arztsuche - vermitteln, können sich die betroffenen Versicherten direkt an einen Facharzt im Krankenhaus wenden.

Kritik der Kassenärzte

Damit das Projekt in dieser Form Ende Januar Realität werden kann, müssen noch wenige Hürden genommen werden. Das meiste scheint in trockenen Tüchern. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, sollen Ärzte und Kassen sich etwa geeinigt haben, wie viele Termine vorgeschlagen würden (wahrscheinlich drei) und welche Entfernungen Versicherte bei einer Anfrage an die Servicestelle gegebenenfalls hinnehmen müssen (bis zu 30 Minuten). Laut dem Bericht fehlt noch das endgültige Ja der Ärzte-Gemeinschaft.

Medizinerjargon

  • Wann ist ein Patient „supranasal übersichtlich strukturiert“?

    Über der Nase liegt ein wichtiges Organ des Menschen – das Gehirn. Mit dieser Floskel verheimlichen die Ärzte, dass sie einen Patienten für nicht so intelligent halten.

  • Was ist gemeint, wenn Ärzte in der Visite „extra muros“ sprechen wollen?

    Will ein Arzt nicht in Anwesenheit des Patienten über einen Befund sprechen, will er dies „außerhalb der Mauern“, also außerhalb des Patientenzimmers tun.

  • Was meinen Ärzte, wenn sie ihrem Patienten einen „Morbus Bahlsen“ diagnostizieren?

    Hält ein Arzt einen Patienten für nicht so intelligent, wählt er diesen Ausdruck. Er attestiert ihm somit, dass er „einen an der Waffel“ hat und ihm auf den Keks geht – abgeleitet vom Namen des Keksherstellers Bahlsen.

  • Was ist eine Logorrhoe?

    So wie die Diarrhoe ist die Logorrhoe eine Art von Durchfall – dieser Begriff trifft auf eine Person zu, die ein unstillbares Redebedürfnis besitzt.

  • Wofür steht das Kürzel c.p. in der Patientenakte?

    c.p. oder die Langfassung caput piger heißt wörtlich übersetzt „fauler Kopf“. Ärzte nennen so Patienten, die sich in der Therapie ihrer Krankheit nicht richtig einbringen.

  • Was bedeutet der unter Medizinern bekannte Begriff „Flatus transversus“?

    Jeder kennt Flatulenzen, weithin als Blähungen bekannt. Spricht ein Mediziner vom Flatus Transversus, attestiert er dem Patienten einen „quersitzenden Furz“ – ihm fehlt nichts.

  • Was ist ein Gomer?

    „Gomer“ ist die Abkürzung für „Get Of Out My Emergency Room“, und bezeichnet zumeist ältere Patienten, die an mehreren Krankheiten leiden und nicht mehr geheilt werden können.

Von Seiten der Ärzte wird hier und da weiterhin öffentlich Stimmung gegen den Nutzen der Terminservicestellen macht. So etwa von Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im „Deutschen Ärzteblatt“ vergangene Woche. Im Gespräch mit der Ärztepublikation verwies er darauf, dass es sich bei den Servicestellen um eine Leistung für als dringlich eingestufte Fälle ausschließlich mit Überweisung handele. „Letztlich geht es hier um einen gesetzlichen Auftrag für dringliche Termine und nicht um eine zusätzliche Serviceoption der Krankenkassen“, wird Gassen im Ärzteblatt zitiert. In solchen wirklich medizinisch dringlichen Fällen sei aber laut dem KBV-Chef ein solches Verfahren überhaupt nicht notwendig, da in diesen Fällen ein schneller Termin schon heute üblich sei. Die Vier-Wochen-Frist nennt er demzufolge „beliebig“.

Krötenwanderung Wann ein Arzt Patienten ablehnen darf und wann nicht

Gefühlt halbtot, und der Arzt hat erst in vier Wochen Zeit: Wann darf ein Mediziner die Bitte um einen Termin am selben Tag ablehnen?

Wartezimmer einer Arztpraxis Quelle: dpa

Viele Patienten und Kritiker dürften das anders sehen. Sowohl Krankenkassen, der Bundesgesundheitsminister, Verbraucherschützer und Umfragen und Studien sprachen in der Vergangenheit immer wieder davon, dass – zumindest subjektiv – die Wartezeit auf Facharzt-Termine (zu) lang ist.

Bislang geben Experten, wie etwa von der Stiftung Warentest, Patienten deshalb eine Handvoll hilflos anmutender Tipps, wie sie – auch mit Überweisung – schneller an einen Termin kommen. Etwa dadurch, dass sie den Hausarzt beziehungsweise dessen Sprechstundenhilfe in der Facharztpraxis anrufen lassen, um einen Termin zu erbitten oder in der Facharztpraxis akute Beschwerden benennen und diese genau schildern, um die Dringlichkeit noch einmal deutlicher zu machen – andere Hilfen gibt es derzeit noch nicht.

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