Krankenversicherung: Zahlenstreit um Versicherungswechsel

Krankenversicherung: Zahlenstreit um Versicherungswechsel

von Andreas Toller

Ist die private Krankenversicherung ein Auslaufmodell? Die Ansichten darüber gehen auseinander. Aber den gesetzlich oder privaten Krankenversicherten sollte das egal sein.

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Die Rückkehr zur GKV gestaltet sich schwierig. Wechselwillige müssen bestimmte Auflagen erfüllen. Wer eine Krankenversicherung sucht sollte die eigenen Voraussetzungen also klar haben und eine wohlüberlegte Entscheidung treffen.

Bei den privaten Krankenversicherungen (PKV) ist die Debeka der Platzhirsch. Nach eigenen Angaben zählt die Debeka 2,2 Millionen Privatversicherte zu ihren Kunden, was einem Marktanteil von 25 Prozent entspricht. Und sie wächst, denn auch 2011 nahm nach vorläufigen Erhebungen der Debeka die Zahl der Neukunden, die aus einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu dem Versicherer aus Koblenz wechselten, per saldo nochmals um 4,2 Prozent auf mehr als 44.000 zu. Damit würde die Debeka laut Mitteilung doppelt so viele ehemals gesetzlich Versicherte unter ihre Fittiche nehmen, als sie selbst Mitglieder an die gesetzliche Krankenkasse verliert.

“Wir können feststellen, dass sich im Jahr 2011 eine zunehmende Zahl an Versicherten für die private Krankenversicherung und damit für einen deutlich umfassenderen Versicherungschutz als in der GKV entschieden hat“, lässt Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka verlauten. Das klingt nicht nach „Auslaufmodell PKV“, wie es etwa AOK-Chef Jürgen Graalmann nahen sieht.

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Private Krankenkassen werben Kunden ab

Auch nach Angaben des Verbandes der privaten Krankenversicherer sprechen die Zahlen eindeutig zugunsten der PKV: Die Wanderungsbewegungen zwischen privater und gesetzlicher Kasse gingen in den vergangenen Jahren unter dem Strich immer zugunsten der PKV aus. So standen 2010 227.700 Übertritten zur PKV 153.200 Abgänge zur GKV gegenüber. Die privaten Versicherer hatten somit 74.500 neue Kunden von den gesetzlichen Kassen abgeworben. 2009 waren es sogar 141.700 Versicherte, die zu den Privaten wechselten.

Die häufigsten Gründe für einen Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherungen dürften niedrigere Beiträge, größerer Leistungsumfang oder der Beginn einer Selbständigkeit sein. Wechselwillige Angestellte müssen derzeit mindestens ein Jahr lang mehr als 50.850 Euro im Jahr verdient haben, damit die der gesetzlichen Krankenkasse den Rücken kehren können.

Komplizierte Rückkehr zur Gesetzlichen

Bei den Wechselfällen von der GKV in die PKV ist die Lage etwas komplizierter. Die gesetzlichen Krankenkassen nehmen nämlich bislang Privatversicherte nur ungern zurück. Das geht vor allem dann, wenn der Versicherte arbeitslos wird oder mit seinem Einkommen seit mindestens einem Jahr wieder unter die Versicherungspflichtgrenze rutscht. Selbständige oder Freiberufler müssen zuvor mindestens zwölf Monate lang in einer Anstellung gewesen sein. Aber es gibt für Privatversicherte auch Möglichkeiten, Beitragserhöhungen zu kompensieren, ohne in die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln.

Eine Rückkehr in die gesetzlichen Kassen ist in der Regel aber nur bis zum Alter von 55 Jahren möglich. Sonst bleibt nur der Wechsel in einen anderen Tarif beim eigenen Privatversicherer. Doch auch das ist alles andere als einfach, wie der Mitbegründer der Beratungsfirma Widge.de, Ozan Sözeri, sagt: „Fehlinformationen oder fehlende Informationen sind die häufigsten Methoden." Viele Versicherer versuchten, Wechselwillige gezielt abzuschrecken.

Aber auch die andere Seite der Medaille ist wahr. Einige große gesetzliche Kassen verzeichneten 2011 mehr Zuwanderer von der privaten Krankenversicherung (PKV) als Abwanderer.

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