Krisencheck: Lebensversicherer mit den besten Renditen

Krisencheck: Lebensversicherer mit den besten Renditen

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Gesucht: Sturmfeste Lebensversicherungen, die Euro-Krise, Schuldendesaster und Niedrigzinsen trotzen

von Niklas Hoyer und Annina Reimann

Mitten in der Staatsschulden-, Euro-, und Bankenkrise müssen Lebensversicherer Milliarden an Kundengeldern sicher und möglichst gut verzinst anlegen. Das exklusive Finsinger-Rating zeigt, welche Lebensversicherer dieser Aufgabe gewachsen sind. Nur die Top-Versicherer bieten Schutz im Schuldenkrise-Sturmtief.

Die Finanzmärkte sind in Aufruhr, die Währungsunion droht zu zerbrechen, Staaten versinken im Schuldensumpf und reißen Banken mit in die Tiefe. Doch im westfälischen Münster scheint die Zeit stillzustehen. Wenn Ludger Grothues, Kapitalanlagechef des Lebensversicherers LVM, aus seinem Fenster im 18. Stock schaut, sieht er den Aasee, auf dem Enten ihre Kreise ziehen. Die Hektik der Finanzmärkte dringt nur gefiltert in sein Büro. Auf den beiden Bildschirmen des Finanzdienstes Bloomberg poppen Nachrichten im Sekundentakt auf: Italiens Regierungschef tritt zurück, die Renditen italienischer Staatsanleihen schießen in die Höhe. „Ich habe acht Jahre in Frankfurt gearbeitet, aber hier kann man die immer schnellere Börsenwelt mit Abstand betrachten“, sagt Grothues.

Ganz auf Distanz gehen kann er nicht: An jedem Arbeitstag muss der Anlagechef für die Kunden der LVM durchschnittlich zwei Millionen Euro neu investieren, 500 Millionen Euro im Jahr. Auf den Schultern des unauffälligen 48-Jährigen lastet die Verantwortung für 7,5 Milliarden Euro.

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Keine Millionenlöcher

Es ist das Ersparte aus rund 800.000 Lebensversicherungsverträgen. Grothues muss aufpassen, dass der Krisensog das Geld nicht verschlingt, dass er den Kunden ausreichend Zinsen gutschreibt, um die Inflation zu schlagen, und dass Abschreibungen auf Staatsanleihen oder Bankinvestments nicht Millionenlöcher reißen. Die turbulenten Kapitalmärkte seien schon manchmal zum Haareraufen, sagt Grothues, und streicht sich über den lichten Schopf: „Heute geht es nicht mehr um die höchste Rendite, sondern hauptsächlich darum, die Substanz zu erhalten.“

Für Kunden ist dies entscheidend: Ihr Versicherer darf nicht schon jetzt aus der Substanz zehren. Er muss in der Lage sein, noch über Jahre möglichst hohe Überschüsse zahlen zu können, trotz Niedrigzinsen, Euro-Krise und möglicher Banken-Crashs. Das Rating der WirtschaftsWoche hilft bei der Suche nach Versicherern mit den besten Chancen auf hohe und nachhaltige Überschüsse. Der Wiener Finanzwissenschaftler Jörg Finsinger und das Hamburger Analysehaus Softfair haben dazu 73 Lebensversicherer aus Kundensicht analysiert: Wer hat Spielraum bei der Kapitalanlage und kann so in Zukunft höhere Renditen erzielen? Wer berechnet den Kunden relativ wenig Kosten, sodass ein größerer Teil des Beitrags Zinsen bringt?

LVM-Anlagechef Grothues Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche

Kein AAA am Aasee. LVM-Anlagechef Grothues will bis zu zwei Prozent der Versichertengelder in hoch verzinste italienische Anleihen packen

Bild: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche

Zinsen niedrig, Risiken hoch

Wie Grothues kämpfen die Anlagemanager aller Lebensversicherer, insgesamt legen sie 747 Milliarden Euro an, mit dem widrigen Umfeld. Ihr Problem: Sie müssen die den Kunden vertraglich im Durchschnitt garantierten 3,3 Prozent Rendite erwirtschaften. Sichere Geldanlagen werfen derzeit weniger ab. So bringt eine Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit nur 1,8 Prozent Zins pro Jahr. Viele riskantere Investments mit größeren Renditechancen, etwa Aktien, kommen für die Versicherer kaum infrage – ihr Wert schwankt zu stark.

Weil sie für ihre Geldanlagen aus früheren Jahren, vor allem festverzinsliche Anleihen, noch höhere Zinsen kassieren, können die Versicherer den Kunden noch deutlich mehr als die garantierten 3,3 Prozent gutschreiben. Vor der Lehman-Pleite im September 2008 etwa brachten Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit noch rund 4,6 Prozent Rendite pro Jahr. Doch immer mehr höherverzinsliche Papiere laufen aus. Die Folge: Statt 6,5 Prozent Rendite wie noch vor zehn Jahren gibt es heute zum Vertragsende nur noch vier Prozent auf die eingezahlten Beiträge. Bei einer Laufzeit von 20 Jahren und 100 Euro Monatsbeitrag bekommen Versicherte so mit insgesamt 12.300 Euro rund ein Viertel weniger als früher ausgezahlt.

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