Krötenwanderung: Überraschung! Steuerregeln gelten auch für Rentner

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Holla, da können sich ja viele prächtig aufregen! Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die deutsche Steuergesetzgebung auch für Rentner gilt und sie ab 1. Oktober damit tatsächlich sogar ernst machen wird. Ein Mediensturm fegt übers Land, weil die Finanzbeamten rückwirkend bis 2005 kontrollieren sollen, ob die Ruheständler erstens überhaupt eine Steuererklärung abgegeben und zweitens nicht das ein oder andere Zubrot vergessen haben könnten. Müssen wir jetzt für unsere Eltern und Großeltern nach Steuertricks fahnden?

Nein, brauchen Sie nicht, falls Ihre Familie nicht im Geld schwimmt. Denn die neuen, alten Spielregeln für die Versteuerung von Alterseinkünften sind vergleichsweise moderat - auch wenn bis zu fünf Millionen Rentner kontrolliert werden sollen.

So schaut's aus: Seit 2005 gilt das Alterseinkünftegesetz. Demnach müssen alle, die vor oder im Jahr 2005 in Rente gegangenen sind 50 Prozent ihrer Einkünfte besteuern. Für diejenigen, die nach 2005 in Rente gegangen sind oder noch gehen werden steigt der Steuersatz  im Rahmen der so genannten nachgelagerten Besteuerung von Jahr zu Jahr um einige Prozent. Es gelten die selben Steuersätze wie bei Erwerbstätigen, sie richten sich also nach der Höhe des Einkommens. 

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Zu versteuern sind alle Einkünfte aus selbstständiger und nicht-selbstständiger Arbeit plus Zinsen aus anderen Geldquellen wie Vermietungen oder Kapitalgewinnen. Kirchsteuer und Soli kommen noch hinzu.   

Natürlich gibt es Freigrenzen. Deshalb bleibt der deutsche Durchschnittsrentner ohnehin vom Fiskus verschont. Alleinstehende dürfen rund 19.000 Euro Einnahmen im Jahr verbuchen, Ehepaare das Doppelte. Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen sind absetzbar.

Vorsicht Kontrollmitteilung!

Spannend dürfte es bei gut situierten Rentnern werden, die es mit den sonstigen Geldflüssen bislang locker genommen oder erst gar keine Steuererklärung abgeben haben. Die Finanzämter bekommen inzwischen so viele Kontrollmitteilungen von Banken und Rentenversicherungsträgern, dass Abtauchen ein ernstes Risiko ist.  Wer sich die Steuererklärung bislang geschenkt hat und jetzt dank Steinbrücks Offensive in den Fokus der Finanzbeamten gerät, darf mit Post von der Behörde rechnen. Auch bereits eingereichte Erklärungen werden übrigens bei ausreichendem "Anfangsverdacht" unter die Lupe genommen. 

Bestenfalls gibt es anschließend die freundliche Aufforderung zur Nachzahlung samt Strafzins, schlimmstenfalls ein Strafverfahren. 

Vorsicht übrigens bei Witwen und Witwern: Noch zu zweit haben sie oft keine Steuererklärung abgeben müssen, weil sie unter dem Limit für Ehepaare lagen. Nun leider allein, werden sie vom Finanzamt auch als Alleinstehende veranlagt - und dann geraten sie mit ihren Einkünften plus einer Witwernrente oft über die Zahlgrenze.

Ein Gutes hat die Steuererklärung für manchen, der es nicht mal ahnt: Hat die Bank aus Kapitaleinkünften flugs die 25-prozentige Abgeltungsteuereinbehalten, der persönliche Steuersatz ist aber niedriger, gibt es Geld vom Finanzamt zurück.

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