Kunden gehen leer aus: Der 15-Milliarden-Coup der Lebensversicherungen

Kunden gehen leer aus: Der 15-Milliarden-Coup der Lebensversicherungen

von Annina Reimann

Anbieter sollen 20 Jahre lang zu wenig ausgeschüttet haben. Statt Kunden nachträglich Geld zu überweisen, wollen sie das Geld umschichten – und so ihre Eigenmittel stärken.

Der Titel der Bundesrats-Drucksache 549/14 – „Verordnung über den kollektiven Teil der Rückstellung für Beitragsrückerstattung“ – hat das Potenzial, jeden Abgeordneten sofort in den Tiefschlaf zu versetzen. Doch der Tagesordnungspunkt, den der Bundesrat im kommenden Jahr abnicken soll, birgt enorme Sprengkraft.

Es geht um 15 Milliarden Euro, die Lebensversicherer in den vergangenen Jahren mit Kundengeldern erwirtschaftet haben. Die Milliarden sollen jetzt per Verordnung in einen neuen Topf wandern – und von dort aus nicht etwa unter den Kunden verteilt werden, sondern Versicherern auch als unternehmenseigener Sicherheitspuffer zur Verfügung stehen.

Anzeige

Die Ursache des Problems wurzelt in einer gut 20 Jahre zurückliegenden Gesetzesreform. Seit damals gelten für Kunden, die vor dem 1. Juli 1994 eine Police unterschrieben haben (Altkunden), und für alle, die danach unterzeichneten (Neukunden), unterschiedliche gesetzliche Regeln. Die Bundesregierung zwang die Versicherer daher, die Geldtöpfe von Alt- und Neukunden voneinander zu trennen.

Tipps: Die richtige Police finden

  • Beitrag jährlich zahlen

    Versicherte zahlen Beiträge oft monatlich. Dafür fallen Zuschläge an. Wer pro Jahr zahlt, profitiert. Auf 20 Jahre bringt das schnell 1000 Euro mehr.

  • Dynamik selten sinnvoll

    Automatische jährliche Beitragssteigerungen sollen die Inflation abfedern. Nachteil: Es fallen jedes Jahr neue Abschlusskosten an. Kunden können die Dynamik aussetzen. Sinnvoll ist der Automatismus höchstens bei integriertem Risikoschutz und bei steuerfreien Policen von vor 2005, da die alten Vorteile (früherer Gesundheitszustand, alte Steuerregeln) dank Dynamik auch für höhere Leistungen gelten.

  • Risikoschutz separat

    Anlage und Risikoschutz mit separaten Policen abdecken. Versicherte können die Lebenspolice sonst kaum kündigen oder beitragsfrei stellen, da der Risikoschutz gefährdet wäre.

  • Förderung bringt wenig

    Staatliche Förderung, etwa Riesteroder Rürup-Policen, beschert meist kein geschenktes Geld – trotz anderslautender Werbung. Das liegt vor allem an Steuereffekten. Vorteile gibt es meist nur, wenn die Steuersätze im Alter viel niedriger als vorher sind.

  • Rentenzahlung vorziehen

    Bei Neuabschluss sind für die reine Sparanlage, also bei Policen mit Einmalauszahlung, allenfalls Top-Versicherer interessant. Immerhin bestehen hier selbst bei neuen Verträgen noch kleinere Steuervorteile. Für die Altersvorsorge hingegen ist die Auszahlung als monatliche Rente besser. Versicherer setzen allerdings teils über 100 Jahre Lebenserwartung an. Entsprechend niedrig sind die Renten. Die Rentenpolicen sind nur Absicherung, kein Renditebringer.

Lebensversicherer verbuchen Erträge, die sie mit dem Geld ihrer Kunden erwirtschaften, in mehreren Töpfen:

  • Erstens schreiben sie jedem Kunden die vertraglich garantierte Verzinsung zu. Im Sommer 1994 waren das 4,0 Prozent – gutgeschrieben wird der Satz je auf die Summe der eingezahlten Beiträge minus der Kosten; den Garantiezins gibt es also nur auf den vom Versicherer für Kunden tatsächlich angesparten Anteil. Ab 2015 kriegen neue Kunden 1,25 Prozent garantiert.
  • Zweitens bekommt der Kunde einen Bonus, die Überschussbeteiligung. Die bleibt auf dem persönlichen Vertragskonto des Kunden und wird ihm am Ende der Vertragslaufzeit zusammen mit dem Garantiezins ausgezahlt.
  • Drittens geht ein weiterer Teil der Erträge in die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB). Das Geld aus der sogenannten „freien RfB“ gehört auch den Kunden, ist aber noch keinem Vertrag individuell zugeteilt. Versicherer parken die Milliarden für schlechte Zeiten. Erwirtschaften sie an den Finanzmärkten zu wenig, etwa weil Zinsen niedrig sind oder die Börse crasht, teilen sie das Geld den Kunden zu. So wollen Versicherer starke Schwankungen in der Überschussbeteiligung abfedern.

Topf mit Rückstellungen für Altkunden

Seit 1994 wurden Altkunden, deren Verträge ausliefen, aus den für sie bestimmten Geldtöpfen bezahlt. Neue Kunden kamen in der Sparte der Altkunden nicht mehr dazu. Mehr als zwei Drittel der ursprünglich 1994 von Altkunden versicherten Summe ist längst aus den Bilanzen der Versicherer verschwunden, weil Verträge gekündigt oder ausgezahlt worden sind. Der Topf mit den Rückstellungen für Altkunden hätte also nach und nach verteilt werden können.

Doch Versicherer, so bleibt zu vermuten, behielten das Geld auch, weil freie RfB als Sicherheitspuffer für das eigene Unternehmen gelten. Und weil sie damals ordentliche Erträge erwirtschafteten, verdoppelte sich das den Altkunden zustehende Geld zeitweise. Von 9,3 Milliarden Euro 1994 schwoll der Topf mit den Rückstellungen bis 2007 in der Spitze auf 18,6 Milliarden an; 2013 waren es immer noch 14,7 Milliarden.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%