Kunden ködern: Die Konditionen der Direktbanken

Kunden ködern: Die Konditionen der Direktbanken

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Bankentürme in Frankfurt: Nicht nur die Direktbanken knausern gerade mit den Habenzinsen

Sinkende Zinsen, das Vertrauen der Kunden erschüttert: Nie war es für Direktbanken schwieriger, neue Kunden zu gewinnen. Wo Anleger und Sparer jetzt noch lukrative Angebote finden.

Mit so einem Anruf hatte Thomas Wartner schon gerechnet. Der Ingenieur aus der Nähe von Augsburg hatte vor etwas mehr als einem halben Jahr ein Konto bei einer Online-Bank eröffnet. Mit üppigen 5,2 Prozent Zins auf Tagesgeld hatte ihn das Institut damals geködert. Nun teilte ihm eine freundliche Dame aus dem Callcenter der Bank mit, sein Angebot laufe aus, er solle doch am besten umschichten in Unternehmensanleihen, die seien gerade sehr attraktiv.

Doch das will Wartner nicht; sein Aktiendepot hat er bei einer anderen Bank. Bei der neuen Direktbank wollte er nur sein Tagesgeld parken. Obwohl der Mittvierziger wusste, dass das lukrative Zinsangebot nur für Neukunden galt und daher zeitlich begrenzt war, ärgert er sich jetzt. Die Bank versuche, ihn „mit einem absoluten Mickerzins von 1,5 Prozent auf mein Tagesgeldkonto abzuspeisen. Das ist weniger als bei der Sparkasse“, schimpft er.

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Nun hat Wartner reagiert und sein Geld zu seiner Sparkasse zurücküberwiesen; die bietet ihm wenigstens 3,0 Prozent für das Drei-Monats-Geld – auch nicht gerade viel, aber immerhin knapp mehr, als die Inflation zurzeit an Kaufkraft frisst. So wie Wartner raufen sich zurzeit Zehntausende deutsche Sparer die Haare, die in den vergangenen Monaten ein Tagesgeldkonto bei einer neuen Bank wegen deren besonders lukrativer Tagesgeld-Zinsen eröffnet haben.

Denn die Institute schrauben die Habenzinsen derzeit mindestens genauso schnell und rigide zurück, wie sie diese beim Wettlauf um neue Kunden 2007 und 2008 hochgesetzt hatten. Überall purzeln nun die Zinsen. Am vergangenen Montag senkten gleich mehrere Banken ihre Habenzinsen deutlich; die Comdirect verringerte den Tagesgeld-Zinssatz für Neukunden um einen Prozentpunkt von 4,0 auf 3,0 Prozent; der für Altkunden sackte um einen halben Prozentpunkt von 2,5 auf nur noch 2,0 Prozent. 1822direkt, eine der größten Online-Banken des Sparkassenverbundes, senkte den Zins für Neukunden von 5,0 auf 3,5 Prozent. Seit der letzten Umfrage der WirtschaftsWoche im vergangenen August haben fast alle Online-Banken die Tagesgeld-Zinsen reduziert.

Freilich knausern nicht nur die Direktbanken derzeit mit den Habenzinsen. Auch bei den Filialbanken und Sparkassen wird es für Tages- und Festgeldsparer immer schwieriger, noch mehr als eine Drei vor dem Komma auf kurzfristig verfügbare Einlagen herauszuhandeln. So bietet etwa die Deutsche Bank für das für zwölf Monate fix angelegte Ersparte immerhin noch 3,5 Prozent; doch noch im vergangenen Sommer waren es 5,0 Prozent; die Commerzbank bot im Sommer sogar 5,2 Prozent für das Ein-Jahres-Termingeld. Sie hat nun drastisch reduziert: auf 1,95 Prozent.

Gefallene Leitzinsen strahlen aus

Grund sind die dramatisch gefallenen Leitzinsen. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nach anfänglichem Zögern inzwischen auf den Kurs der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) eingeschwenkt und senkt die Leitzinsen massiv wie nie zuvor. Allein im vergangenen Monat setzte EZB-Chef Jean-Claude Trichet den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte herunter auf nun historisch niedrige 2,0 Prozent. Das billige Geld soll die Rezession abmildern.

Zwar müssen die Geldhäuser untereinander noch immer etwas mehr bezahlen, wenn sie sich gegenseitig Geld borgen; der Interbanken-Zinssatz Euribor liegt für Sechs-Monats-Geld derzeit rund 0,53 Prozentpunkte über dem Leitzins der EZB. Doch auch hier zeigt der Trend klar nach unten – und das bedeutet weniger Zins auf Tages- und Festgeld für die Kunden. Torsten Daenert, Finanzvorstand der Commerzbank-Tochter Comdirect, räumt ein: „Für unsere Zinskonditionen ist der Euribor maßgeblich. Wir werden auch in Zeiten fallender Zinsen das Kundengeld nur sehr konservativ anlegen.“

Das bedeutet einerseits mehr Sicherheit der Kundenanlagen, andererseits gehören Zinsen von 4,5 Prozent damit aber der Vergangenheit an, denn eine deutliche Differenz zum Euribor können die Banken nur erwirtschaften, wenn sie das Geld ihrer Kunden riskanter und zu längeren Laufzeiten anlegen. „Auch die Direktbanken können sich dem allgemeinen Zinstrend nicht mehr entziehen, und der zeigt nun mal nach unten“, sagt Phillipp Häßler, Analyst für Banken bei der Frankfurter Investmentbank Equinet. Und die Zinsen auf Tagesgeld werden nach seiner Einschätzung noch weiter fallen: „Die Zeit der attraktiven Zinsen ist leider vorbei.“

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