exklusivLebensversicherer: BdV: Kunden werden in Policen mit niedrigem Garantiezins gelockt

08. November 2012
von Niklas Hoyer

Deutsche Lebensversicherer werden in diesem Jahr im Durchschnitt voraussichtlich nur noch 3,8 Prozent Rendite mit ihren Kapitalanlagen schaffen, hat die WirtschaftsWoche ermittelt.

Damit wird der Abstand der erwirtschafteten Rendite zu den garantierten Zinsansprüchen der Kunden immer geringer. Im Durchschnitt garantieren die Lebensversicherer Kunden 3,2 Prozent Rendite auf den Beitrag nach Abzug der Kosten. In jedem vierten Vertrag steht sogar ein Garantiezins von vier Prozent. Bleiben die Zinsen so niedrig, stehen gerade kapitalschwache Anbieter langfristig vor großen Problemen.

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Nur finanzstarke Lebensversicherer bieten Kunden in Zukunft noch Aussicht auf akzeptable Renditen. "Für Versicherte ist es daher wichtig wie nie, einen kapitalstarken Anbieter zu wählen", sagt Christoph Dittrich, Geschäftsführer des Hamburger Analysehauses Softfair dem Magazin. Softfair hat gemeinsam mit dem Wiener Finanzwissenschaftler Professor Jörg Finsinger für die WirtschaftsWoche exklusiv ermittelt, welche Lebensversicherer ihren Kunden gute Renditechancen bieten. Im Ranking von 72 Lebensversicherern aus Kundensicht kommt es auf niedrige Kosten, hohe Ausschüttungen und ausreichende Kapitalpolster an, die den Anbietern eine chancenreiche Geldanlage ermöglichen.

 

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Nur finanzstarke Anbieter können das Geld der Versicherten noch rentabel anlegen. Das exklusive Finsinger-Rating zeigt, bei welchen Anbietern Kunden aufs richtige Pferd setzen.

Private Vorsorge: Die besten Lebensversicherer

Besonders gut schneiden im Ranking die LVM, Huk-Coburg und Debeka ab. Kunden haben bei diesen Anbietern die besten Chancen auf hohe Renditen. So ist Testsieger LVM aus Kundensicht 145 Prozent leistungsfähiger als der Durchschnitt aller Lebensversicherer. Besonders schlecht stehen Direkte Leben, Delta Lloyd und VPV da.

Laut Medienberichten heißt es in einem Protokoll des Finanzausschusses des Bundestags, "dass einzelne Unternehmen künftig in Schwierigkeiten geraten" könnten. Für "das schwächste Fünftel" der Anbieter bestünden bei dauerhaft niedrigen Zinsen aus Staatsanleihen das Risiko, dass die Kapitalanlagen ab 2018 nicht mehr ausreichen, um neben den Rückstellungen für direkte Kundenansprüche auch die künftig höheren Eigenmittelanforderungen zu decken. Der Bund der Versicherten beobachtet auch Versuche der Versicherer, die Garantieansprüche der Kunden zu reduzieren. "Vermittler sprechen gezielt Kunden mit hohem Garantiezins an und versuchen, die Kunden in neue Policen mit niedrigem Garantiezins zu locken", sagt Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten der WirtschaftsWoche. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestreitet allerdings, dass es eine solche Strategie gebe.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 08.11.2012, 18:39 Uhrniklas.hoyer

    Kleiner Nachtrag: Den Steuervorteil gab es natürlich bis 2005, nicht bis 2009.

  • 08.11.2012, 18:38 Uhrniklas.hoyer

    Liebe/r AJ1968, da es die 4 Prozent nur von 1994 bis 2000 gab, profitieren Sie in diesem Fall noch von Steuervorteilen, die 2009 abgeschafft wurden. Sie können später die komplette Einmalauszahlung steuerfrei erhalten. Ein Wechsel wird sich daher unter Umständen nicht lohnen (trotz der vergleichsweise geringen Renditeaussichten bei Ihrem Anbieter), da bei einem neuen Vertrag in der Regel die Hälfte des Gewinns versteuert werden müsste. Details zum Wechsel finden Sie auch in diesem Artikel von uns:

    http://bit.ly/PTKQLb

    Ein unabhängiger Finanzberater kann Ihnen gezielt Ratschläge geben, wie Sie verfahren sollten (dann auch mit genauer Kenntnis Ihres Vertrags und Ihrer persönlichen Lebensumstände). Freundliche Grüße, Niklas Hoyer

  • 08.11.2012, 16:40 Uhraj1968

    Liebes Wiwo-Team, Hallo Herr Hoyer!
    Und hier kommt die Gretchenfrage: Wenn man im Besitz eines "lukrativen" Altvertrages mit 4%-Garantieverzinsung ist, aber die LV-Gesellschaft gem. Finsinger-Rating auf den letzten Plätzen rangiert, stellt sich die Frage. Wann muss ich handeln? Was ist zu tun? Schließlich laufen viele Altverträge noch 20 - 30 Jahre.
    Gruß,
    AJ

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