Lebensversicherer: Mittendrin im Anleihe-Schlamassel

Lebensversicherer: Mittendrin im Anleihe-Schlamassel

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Antrag auf Abschluss einer Lebensversicherung

Lebensversicherer haben die Gelder vor allem in Bank- und Staatsanleihen gesteckt. Das ist bedrohlich für die Kunden.

Die deutschen Lebensversicherer legen mehr als 734 Milliarden Euro an. Gut 87 Prozent investieren sie in Rentenpapiere. Laut Branchenverband GDV steckten Ende 2010 zwar nur 13,4 Prozent der Anlagen in Staatsanleihen und direkten Darlehen an Staaten. Die Lebensversicherer halten aber indirekt, besonders über Pfandbriefe und Fonds, weitere Staatsschulden.

Allein die Allianz SE meldete für die Gruppe zuletzt Investments in italienische Staatsbonds von 28,2 Milliarden Euro – mehr als sechs Prozent des Portfolios. 19 Milliarden Euro davon gehören Lebensversicherten der Italientochter. Die Allianz-Tochter Pimco, weltweit größter Anleiheinvestor, nutzte die Kursrückgänge der Italienbonds gar für vorsichtige Käufe.

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Zahlungsausfälle, wie für Griechenland diskutiert, stellten für die Branche ein großes Risiko dar, heißt es im Bericht der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa für das erste Halbjahr. In den kommenden sechs Monaten dürfte sich die Situation zuspitzen, schreibt die Behörde.

Die deutschen Versicherer, von denen die Lebensversicherer mehr als 70 Prozent des Kapitals anlegen, reagieren: Und reduzieren ihre Investments in Anleihen der hochverschuldeten Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien (PIIGS): Laut dem Bericht des Bundesfinanzministeriums für den Finanzausschuss des Bundestags von Juni sank das Engagement befragter Versicherer zwischen März 2010 bis März 2011: Die Konzerne sind mit 38,5 statt mit gut 66 Milliarden Euro in den PIIGS-Ländern engagiert. Im Einzelnen: Portugal (2,8 statt 4,5 Milliarden Euro), Irland (3,9 statt 7,1 Milliarden Euro), Italien (20 statt 27,8 Milliarden Euro), Griechenland (2,8 statt 5,8 Milliarden Euro) und Spanien (9 statt 20,9 Milliarden Euro). Die Finanzaufsicht BaFin fragte die Zahlen bei über 180 Assekuranzen ab, mehr als 80 Prozent des Marktes.

Die BaFin kommt der Branche entgegen: Sie duldet bis zum Ende der Garantien aus dem Rettungsschirm des Europäischen Stabilitätsmechanismus die von den Ratingagenturen auf Ramsch heruntergestuften Griechenbonds im gebundenen Vermögen (Deckungsstock). Dort decken Versicherer Kundenansprüche für den Insolvenzfall mit Geldanlagen ab. Um Versicherte zu schützen, verlangt die Aufsicht in dem Anlagetopf besonders konservative Anlagen. Versicherer müssten die Ramschanleihen abgeben. Bis 2013 drückt die BaFin aber beide Augen zu. Allerdings legen Versicherer laut GDV weniger als 0,3 Prozent in Griechenbonds an.

Gelassen in den Urlaub

Rolf Florian, Vorstand der Debeka-Versicherung, kaufe schon lange keine italienischen und griechischen Staatsanleihen mehr. Allerdings hält die Debeka noch immer griechische Papiere im Wert von 17 Millionen Euro sowie irische für 20 Millionen. Gemessen an insgesamt 30 Milliarden Euro Kapitalanlagen, sind das zwar relativ kleine Beträge. Trotzdem schreibt Florian freiwillig keinen Cent ab. „Da müssten handfeste Gründe vorliegen – noch bekommen wir regelmäßig Zinsen, und wenn ich verkaufe, realisiere ich die Kursverluste sofort. Warte ich ab, komme ich vielleicht besser weg“, sagt Florian. Seine Griechenbonds sind heute nicht einmal mehr die Hälfte des Einstandspreises wert. Das ist für den Anlagemanager aber kein Grund zur Sorge: Florian gönnt sich jetzt erst einmal zwei Wochen Urlaub.

Auch die R+V Versicherung bleibt gelassen: Die Kapitalanlagen seien breit gestreut, das Portfolio wolle man nicht umstellen. Staatsanleihen aus den PIIGS–Ländern entsprächen dem Branchendurchschnitt von weniger als vier Prozent. „Wir beobachten Vorgänge in Politik und Wirtschaft in den Peripheriestaaten mit Sorgfalt und damit auch das Thema Italien. Handlungsbedarf sehen wir zum derzeitigen Zeitpunkt nicht“, ließ Axel Breuer, Bereichsleiter Portfoliomanagement Wertpapiere, per E-mail wissen. Zeit für ein Gespräch hat er wie viele Kapitalanleger anderer Versicherer derzeit nicht. Meetings, Meetings, Meetings.

Sie werden wohl auch über ein weiteres Problem diskutieren: Laut Bundesbank stecken etwa 40 Prozent der Kapitalanlagen in Bankpapieren. Versicherer haben ihre Risiken aus Staatspapieren zwar reduziert. Banken jedoch halten PIIGS-Schulden. Bricht der Euro zusammen und mit ihm die Solidarität mit den Hochverschuldeten, könnten Versicherer über ihre Bankanlagen Geld verlieren. „Versicherer investieren in die Weltwirtschaft und falls, wie nach der Pleite der Lehman-Bank, alle Anlageklassen betroffen sind, werden auch Versicherer betroffen sein“, ahnt Eiopa-Chef Gabriel Bernardino.

Oder mal gar nicht zahlen

Wer seine Altersvorsorge nicht selber in die Hand nehmen und sich die Versicherungsbeiträge leisten kann, sollte seine Versicherung nicht leichtfertig kündigen. Verträge aus der Zeit von vor 2005 sind steuerlich besser gestellt als jene, die Kunden danach abschlossen. In älteren Verträgen garantieren Versicherer Zinsen bis zu vier Prozent. Das ist fast doppelt so hoch wie bei neuen Verträgen heute. Wer kündigt, bekommt meist weniger raus, als er einzahlte. In den ersten Jahren ziehen Versicherer hohe Abschlussprovisionen ab und legen kaum Geld für Kunden an.

Bricht das Euro-System zusammen, könnte die Aufsicht Versicherer vor dem Bankrott schützen müssen: Laut Paragraf 89 des Versicherungsaufsichtsgesetzes kann sie Versicherern verbieten, Leistungen auszuzahlen oder Lebensversicherungen zurückzukaufen. Sie kann Zahlungen herabsetzen und Versicherungssummen neu festlegen. Kunden aber latzen weiter: „Die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterzuzahlen, wird durch die Herabsetzung nicht berührt.“

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