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Lebensversicherung: Boom bei Policen mit Einmalzahlung

von Ingrid Herden

Mit hohen Zinsen buhlen Versicherer derzeit um Einmalanlagen. Doch das boomende Geschäft birgt auch Risiken.

Sorglos im Alter - Flexible Quelle: dpa
Sorglos im Alter - Flexible Lebensversicherungen sind zunehmend begehrt. Quelle: dpa

Auf der Suche nach Vorbildern für die deutsche Lebensversicherung rät Maximilian Zimmerer, Chef des Marktführers Allianz, zum Blick in der Antike: Vorsorgesparer sollten sich verhalten „wie Odysseus, der sich selbst von seinen Leuten an den Mast hat binden lassen, um den Verführungen der Sirenengesänge nicht zu erliegen“. Die Botschaft des Vorsitzenden der Leben-sparte des Branchenverbands GDV: Haltet euch lieber an langlaufende Lebensversicherungen, als den Verlockungen des schnellen Geldes an den Kapitalmärkten zu verfallen.

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Doch die Anhängerschar der Odysseus-Strategie schrumpft: Die Deutschen scheuen zunehmend jahrzehntelange Beitragszahlungen für traditionelle Lebenspolicen. In Verträge mit monatlichen oder jährlichen Prämien zahlten sie 2009 nur noch 64 Milliarden Euro ein – 2,2 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr.

Auf die Sicherheitsversprechen der Assekuranz möchten sie dennoch nicht verzichten. 21 Milliarden Euro, acht Milliarden mehr als im Vorjahr, investierten Sparer in Einmalbeiträge, das sind Policen, bei denen die gesamte Prämie beim Vertragsabschluss auf einen Schlag anfällt, vergleichbare Zinsen gezahlt werden, aber die Auszahlung nicht erst Jahrzehnte später stattfindet.

„Dieses amerikanische Modell setzt sich durch“, beschreibt Frank Schepers, Lebensversicherungsexperte beim Beratungsriesen Towers Watson, die Trendwende in der Branche. In den USA sind flexible Ein- und Auszahloptionen schon seit Jahrzehnten gang und gäbe. Jetzt legen sich auch hierzulande immer weniger Anleger langfristig fest – schon wegen der gestiegenen Unwägbarkeiten bei Beruf und Lebensplanung. Schepers: „Die Leute sparen lieber, wenn sie gerade Geld übrig haben – und wenn sie es jederzeit zurückholen können.“

Zinsen nicht auf alles

Mit neuen, flexiblen Angeboten stellen sich die Lebensversicherer auf den geänderten Bedarf ein. So hat in den Allianz-Agenturen derzeit die „Vermögenspolice“ Hochkonjunktur: „Ein normales Sparbuch unter dem Deckmantel einer Lebensversicherung – das ist genau die Flexibilität, die der Kunde sucht“, lobt ein Allianz-Vertreter aus Westfalen das eigene Produkt. Das Guthaben wird mit 4,3 Prozent auf den Sparanteil ebenso verzinst wie in einer traditionellen Police, doch der Anleger kann jederzeit Geld einzahlen oder abheben. Die Versicherungsleistung, also der spätere Geldregen am Laufzeitende, wird flexibel an die jeweils eingezahlten Beiträge angepasst.

Die Provinzial Rheinland holte 2009 zum Beispiel mit einem Zinsangebot von 4,1 Prozent für eine Rentenpolice rund 426 Millionen Euro an Einmalzahlungen herein, mit herkömmlicher Prämienzahlung waren es magere 65 Millionen Euro.

Die üppigen Zinsen können die Versicherer bieten, indem sie meist weniger rentable festverzinsliche Kapitalanlagen mischen mit einem geringeren Anteil an chancenreicheren Investments wie Aktien. Außerdem können sie noch Schwankungsreservetöpfe anzapfen, die in guten Jahren prall gefüllt sind und ohnehin regelmäßig ausgekehrt werden müssen. Sie bedienen zudem nicht den gesamten Beitrag der Kunden, sondern nur den Sparbeitrag, der nach Abzug der Kosten für die Versicherungsleistung übrig bleibt. Für Sparer mit höchstens zwei- bis dreijährigem Anlagehorizont lohnen sich solche Policen allerdings kaum, weil die kompletten Abschlussprovisionen gleich zu Vertragsbeginn fällig werden und die Rendite auffressen.

Meistens legen die Unternehmen ihre Angebote für kurzfristig orientierte Geldanlagen noch unter dem Etikett „Versicherung“ aus, die traditionell eher langfristig ist. Doch immer häufiger finden Kunden bei Versicherern auch Kapitalanlage-Offerten, die sich in nichts von Bankprodukten unterscheiden.

Bei Cash Growth vom Anbieter Swiss -Life etwa können Sparer ihr Geld ein Jahr lang zu einem Spitzenzins von 2,75 Prozent parken – ohne jedes Policen-Mäntelchen. Deutschen Kreditinstituten geht schon bei zwei Prozent für einjährige Anlagen die Puste aus.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 31.03.2010, 04:38 UhrAnonymer Benutzer: Mahner

    ...da baut sich die nächste Problematik auf.....

    Wer meint, kurzfristig dann an sein Geld zu kommen, wenn es am "normalen" Kapitalmarkt demnächst wieder höhere Zinsen einzustreichen gibt, dann kommt die brutale Wahrheit ans Licht. Das regelmäßige Sparen ist die Melkkuh der Einmalzahler. Wenn die Einmalzahler jetzt nicht mehr da sind und die bereits eingezahlten beträge evtl. kurzfristig abziehen, wird es die eine oder ander Gesellschaft zerreißen.....Diese Lücke zwischen dem regelmäßigen Einzahler (welches ja deutlichst nach unten tendiert, wird dann negativ auf die gesammte branche durchschlagen.....Die nächste Krisenbranche wird gerade "gemacht"......

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