Lebensversicherung: "Doof, wenn am Ende des Geldes noch Leben übrig ist"

Lebensversicherung: "Doof, wenn am Ende des Geldes noch Leben übrig ist"

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Niedrigzinsen belasten Altersvorsorgesparer langfristig.

von Annina Reimann

Niedrigzinsen belasten Altersvorsorgesparer langfristig – aktuell aber retten ausgerechnet die mickrigen Renditen die Lebensversicherer.

Es klingt paradox, ist aber wahr: Ausgerechnet die niedrigen Zinsen retten den Lebensversicherern aktuell den Hintern. Und das geht so: Die Finanzaufsicht BaFin hat die Versicherer dazu verdonnert, zusätzliche Mittel zurückzulegen, damit sie künftig trotz der niedrigen Zinsen auch Kunden mit hohen Garantiezinsversprechen von bis zu vier Prozent problemlos auszahlen können (Zinszusatzreserve). Allein in diesem Jahr muss die Branche hierfür rund sechs Milliarden Euro zurückstellen. Klingt viel, ist auch viel. Doch für die Versicherer ist es aktuell kein Problem, diesen Topf für die Zinszusatzreserve zu füllen, sie können es dank der niedrigen Zinsen problemlos.

Des Rätsels Lösung liegt an einem einfachen Mechanismus des Anleihemarktes. Denn bei Bonds verhalten sich der Börsenkurs und die Rendite immer gegenläufig zueinander – will heißen: Sinkt die Rendite am Markt, steigt der Börsenkurs von alten Anleihen mit hohen Kupons aus besseren Zeiten. Und Versicherer haben noch viele rentable Kupons aus besseren Zins-Zeiten im Portfolio. Weil die Zinsen niedrig sind, liegt der Wert der Anleihen im Portfolio über dem Wert, zu dem er im Buch der Versicherer steht - diese Differenz zwischen Markt- und Buchwert nennt man stille Reserve. Braucht ein Versicherer Geld, nimmt er also diese Kursgewinne mit. Das Problem: Steigen die Zinsen doch wieder an, schmelzen die Reserven dahin – und die Lebensversicherer haben keine Reserven mehr, die sie realisieren können. „Unsere Lösung ist es daher, so schnell und so viel wie möglich in die Zinszusatzreserve zu packen“, sagte jetzt Norbert Heinen, Vorstandschef der Württembergische Lebensversicherung beim Frankfurter Versicherungssymposium der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Guido Bader, Vorstand der Stuttgarter Versicherungsgruppe, sieht das allerdings kritisch: „Wenn die stillen Reserven irgendwann aufgebraucht sind, wird es eng.“

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Versicherer verschieben das Problem also bloß in die Zukunft, die Nettorendite etwa sieht dadurch aktuell recht ordentlich aus. Langfristig aber müssen sich die Versicherungsmanager eine andere Geldquelle suchen, die sie dann schwer finden werden. Eine hohe Rendite für neue Geldanlagen gibt es nämlich nicht mehr. So könne etwa die Stuttgarter Versicherungsgruppe „ohne ein nennenswertes Kreditrisiko“ aktuell nur noch Anleihen mit Kupons zwischen 2,9 bis 3 Prozent kaufen, sagt Bader.

Dossier Lebensversicherer

Die Zinszusatzreserve könnte damit künftig für Probleme sorgen, dann nämlich, wenn die hohen Kupons den Versicherern fehlen. Denn in ‚normalen‘ Zeiten würden Versicherer diese Anleihen, für die sie noch hohe Zinsen bekommen, nicht verkaufen. Sie halten die Bonds bis zum Ende der Laufzeit und bekommen dann automatisch 100 Prozent aufs Konto überwiesen. Je näher der Rückzahlungstag einer Anleihe rückt, desto mehr nähert sich ihr Kurs auch wieder an den Rückzahlungskurs von 100 Prozent an – die Kursgewinne verflüchtigen sich, Versicherer wie auch seine Kunden freuen sich in der Zwischenzeit allein über den hohen Kupon. Doch ausgerechnet die schmeißen Versicherer nun nach und nach raus. Das verschiebt das Problem in die Zukunft – denn dann sind keine rentablen Kupons für schöne Überschüsse mehr übrig.

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