Lebensversicherung: Für neue Versicherungskunden nur Negativzinsen

Lebensversicherung: Für neue Versicherungskunden nur Negativzinsen

von Niklas Hoyer

Lebensversicherungen können durchaus eine gute Geldanlage sein. Neue Daten zu beendeten Verträgen zeigen: Mehr als fünf Prozent Rendite waren drin. In Zukunft werden die Erträge aber deutlich sinken.

Bislang spielte die Kapital-Lebensversicherung bei der Altersvorsorge der Deutschen eine dominante Rolle. Anders gesagt: Altersvorsorge war ein anderes Wort für Lebensversicherung. 88 Millionen solcher Verträge haben die Deutschen abgeschlossen. Wohl kein anderer Vertrag ist in so vielen Aktenordnern in deutschen Haushalten abgeheftet.

Das war auch gar keine schlechte Entscheidung, wie die Daten des neuen map-Report zeigen (siehe Tabellen auf den Seiten 3 bis 5). Der map-Report ist eine Analyse des Lebensversicherungsmarktes aus Kundensicht, der von der Fachzeitschrift VersicherungsJournal veröffentlicht wird. Wer vor 30 Jahren - Ende 1985 - eine Lebensversicherung über 30 Jahre abgeschlossen und dann jedes Jahr 1200 Euro eingezahlt hat (insgesamt 36.000 Euro), der konnte zum Jahresende 2015 durchschnittlich 77.375 Euro Auszahlung kassieren. Das entspricht einer Beitragsrendite von 4,6 Prozent. Die Debeka hat als Spitzenreiter sogar 5,5 Prozent Rendite geschafft.

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Alternativen zur Lebensversicherung: breit gestreut sparen

  • Anlageklasse: Aktien I

    Produkt: Indexfonds (MSCI World; über 1600 Aktien aus 23 Industrieländern)

    ISIN: IE00B4L5Y983

    Ratenanteil: 30

    Kostenfreier Sparplan bei: Comdirect

  • Anlageklasse: Aktien II

    Produkt: Indexfonds (Dax; 30 Aktien aus Deutschland)

    ISIN: LU0274211480

    Ratenanteil: 20

    Kostenfreier Sparplan bei: Consorsbank, DAB, Maxblue

  • Anlageklasse: Anleihen

    Produkt: Indexfonds (Euro-Unternehmensanleihen)

    ISIN: DE0002511243

    Ratenanteil: 20

    Kostenfreier Sparplan bei: Comdirect

  • Anlageklasse: Gold

    Produkt: am besten physisch (Anlagemünzen), alternativ Indexfonds

    ISIN: DE000A1E0HR8

    Ratenanteil: 20

    Kostenfreier Sparplan bei: DAB

  • Anlageklasse: Tagesgeld

    Produkt: zum Beispiel ING-Diba (0,8 Prozent Zins), alternativ Bonussparplan (siehe spätere KTG)

    ISIN: keine

    Ratenanteil: 10

    Kostenfreier Sparplan bei: kostenloses Konto bei allen Anbietern

Auch bei kürzeren Laufzeiten sind die Ergebnisse noch ordentlich: Über 20 Jahre kamen Kunden durchschnittlich auf 3,7 Prozent Rendite. Auch hier lag die Debeka mit 4,9 Prozent vorn. Nach 12 Jahren Vertragslaufzeit bekamen Kunden bestenfalls 3,9 Prozent. Im Mittel erreichten sie aber nur 2,8 Prozent.

Im heutigen Niedrigzinsumfeld klingen diese Zahlen beachtlich. Doch wer ein paar Jahre zurückschaut, kann die Spuren des allgemeine Zinsverfalls bereits deutlich erkennen. Vor 11 Jahren, also 2004, kamen Kunden nach 30-jähriger Vertragslaufzeit zum Schluss noch auf 5,9 Prozent Rendite, 1,3 Prozentpunkte mehr. Je kürzer die Vertragslaufzeit, desto stärker machen sich die Jahre mit extrem niedrigen Zinsen schon bemerkbar. Die Rendite der 20-jährigen und 12-jährigen Verträge ist in diesem Zeitraum gar um 2,2 Prozentpunkte geschrumpft.

Lebensversicherung Wie Lebensversicherer Ihre Police weiterverkaufen

Immer weniger Versicherer bieten klassische Lebensversicherungen. Statt dessen kaufen Finanzinvestoren in großem Stil Verträge samt Kapitalanlagen von Versicherern auf. Kunden müssen mit weniger Rendite rechnen.

Finanzinvestoren kaufen im großen Stil Policen von Lebensversicherern auf. Quelle: dpa/Montage

 

Der Vergleich der Anbieter zeigt aber auch, dass Versicherer durch geschickte Kapitalanlage und niedrigere Kosten durchaus einen Mehrwert für ihre Kunden erwirtschaften können. Bei 30-jährigen Verträgen schafft Spitzenreiter Debeka 1,7 Prozentpunkte mehr Rendite als Schlusslicht Barmenia. Die Debeka war in den vergangenen Jahren vor allem dafür bekannt, sehr lang laufende Anleihen zu kaufen. Die boten relativ hohe Zinsen. Außerdem stiegen die Kurse dieser Anleihen immer weiter, je tiefer die Zinsen sanken. 

Die Strategie ging auf. Wer als Versicherer hingegen an eine Zinswende glaubte, das Geld der Kunden kürzer anlegte, in der Hoffnung dann schneller aus Anleihen rauszukommen und zu den erhofft höheren Zinsen später anlegen zu können, der wurde enttäuscht. Die Zinswende blieb aus. Das Geld der Kunden landete in noch niedriger verzinsten Anleihen. Pech gehabt.

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5 Kommentare zu Lebensversicherung: Für neue Versicherungskunden nur Negativzinsen

  • Ein paar Fakten zu meiner Lebensversicherung bei der VGH, mit Vertragsbeginn 09.07.1986 und Ablaufdatum am 31.03.2015:
    Voraussichtliche Ablaufsumme incl. Überschüsse (nicht garantiert) am 07.11.2000: € 412'468
    Voraussichtliche Ablaufsumme Incl. Überschüsse (nicht garantiert) am 31.03.2008: € 329'698
    Auszahlung am 31.03.2015 € 320'199 das sind gerade noch 77,63 Prozent von der im Jahr 2000 angekündigten Ablaufsumme oder ein Vermögensverlust nominal von 22,37 Prozent. Der Reale Vermögensverlust (inflationsbereinigt) seit 2000 dürfte mindestens bei 35 Prozent liegen. Bis zur Euro-Einführung war meine Lebensversicherung eine gute Kapitalanlage und eine gute Ergänzung zur staatlichen Altersversorgung. Seit 2000 wurden die Spielregeln für Lebensversicherungen von den Versicherungsgesellschaft und den Regierungen zu Lasten der Versicherungsinhaber massiv geändert und die Geldpolitik der EZB hat dem Produkt "Lebensversicherung" den Rest gegeben. Wie soll jemand, der heute 30 Jahre alt ist vorsorgen und seinen Lebensstandard im Alter absichern? Eine monetäre Absicherung kann wohl über den langen Zeitraum ausgeschlossen werden, bleibt also nur in Sachwerte investieren mit all den damit verbundenen Risiken - oder auswandern.

  • Tja, und dabei hatte Herr Börsch-Supan uns doch 2003 versprochen, dass Kapitaldeckung garantiert besser wäre, als das Umlageverfahren: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/rente-am-kapitalmarkt-gibt-es-mehr-1113540.html

    Haircuts, negative Realzinsen, Emittentenrisiken waren offensichtlich in Vergessenheit geraten.

  • Danke fuer den Link zum alten Artikel. Die haben im Jahr 2003 geschrieben, dass die alternde Bevoelkerung zu niedrigeren Zinsen fuehrt (also nicht der Draghi). So etwa 10 Jahre vor der Entsteung des Begriff "Sekulare Stagnation": "Die Alterung der Bevölkerung wird auch die Kapitalmarktzinsen drücken. Börsch-Supan erwartet eine Minderung um etwa einen Prozentpunkt auf 3 bis 3,5 Prozent". Kapitaldeckung plus Umlageverfahren plus Haus plus Aktien ist das einzig wahre. (Die beste Rendite bei der GRV erreicht man durch Heirat mit einer 20 Jahre juengeren Frau/Partner, nur dass dann eben die Witwe kassiert. Vorsicht: Wenn man 20 Jahre juengere Partner im Haus hat muss man bis dahin auch mal was springen lassen).
    Zum Artikel moechte ich nur zufuegen, dass sich die LV nur fuer Leute lohnt die waehrend der Laufzeit garantiert nie einen Kredit aufnehmen wollen. Wenn man soviel Geld haette, dass man immer auf Kredite verzichten kann, dann brauch man auch keine Kapital-Lebensversicherung.

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