Lebensversicherung: Garantiezins adé!

Lebensversicherung: Garantiezins adé!

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Die Ergo-Versicherung bietet ab Juli erste Lebensversicherungen ohne Garantiezins.

Ab heute bietet die Ergo neue Lebensversicherungen ohne Garantiezins, auch andere Versicherer wollen in Kürze nachziehen. Was den Versicherern mehr Spielraum gibt, geht zu Lasten der Kunden.

Heute beginnt eine neue Zeitrechnung in puncto Lebensversicherungen. Als erster Versicherer bietet die Ergo ihren Kunden neue Lebensversicherungen ohne Garantiezins an. Ein klassisches Element der Police - der garantierte Zins in Höhe von derzeit 1,75 Prozent - fällt damit weg. In Kürze will auch die Allianz neue Lebensversicherungen ohne Garantiezins präsentieren. Der hoffnungsfrohe Name: "Perspektive".

Bei der Ergo erhält der Versicherte nun lediglich eine Garantie auf sein eingezahltes Geld. Im schlimmsten Fall bekommt der Anleger entsprechend am Ende der Laufzeit nur seine eingezahlten Beiträge zurück. Allerdings setzen die neuen Policen auf mehr Flexibilität was Aktien oder Renten angeht. So soll der Anleger von der Entwicklung am Kapitalmarkt profitieren, entsprechende Gewinne sollen den fehlenden Garantiezins ausgleichen.

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Fraglich ist, ob das beim Verbraucher ankommt. Denn deutsche Sparer sind sicherheitsverliebt. Haben sie die Wahl zwischen einer Police mit und einer ohne Garantiezins, werden sich die meisten von ihnen vermutlich für die Variante mit garantierter Verzinsung entscheiden.

Sparen Was steigende Zinsen bedeuten

Nach Jahren fallender Zinsen wird nun über die Wende spekuliert. Was steigende Zinsen für Tagesgeld, Baukredite, Anleihen und Lebensversicherungen bedeuten, wie Sparer und Schuldner sich am besten verhalten.

Aufmacher Dreier Zinsen Quelle: WirtschaftsWoche

Allerdings war für Versicherte schon mit 1,75 Prozent nicht mehr viel zu holen. Nach Abzug aller Kosten bleibe bei den klassischen Altersvorsorge-Produkten für die Kunden nur eine garantierte Rendite von rund einem Prozent, räumte Allianz-Leben -Vorstand Alf Neumann ein. "Das wird nicht von allen Kunden gleichermaßen geschätzt. Sie fragen sich, ob eine solche Garantie den Aufwand wert ist."
Für die Versicherer hat der Verzicht auf die Zinsgarantie viele Vorteile. So braucht die Allianz für die neuen Lebensversicherungen ein dünneres Kapitalpolster. "Das ist eine Win-win-Situation", sagte Finanzvorstand Dieter Wemmer vergangene Woche bei einer Investoren-Veranstaltung in Berlin. Die Kunden profitierten durch höhere Renditen, und das Konzern müsse im Sinne seiner Aktionäre weniger Risikokapital einsetzen.

Wichtige Kennziffern für Lebensversicherer

  • Nettoverzinsung

    Bei der Nettoverzinsung werden sämtliche Erträge und Aufwendungen aus Kapitalanlagen berücksichtigt. In die Berechnung einbezogen sind somit auch Erträge und Verluste aus dem Abgang von Kapitalanlagen sowie die Abschreibungen auf Wertpapiere. Diese Kennzahl kann daher relativ starken Schwankungen unterworfen sein. Die Berechnung der Nettoverzinsung erfolgt nach den Empfehlungen des LV-Verbandes.

  • Abschlusskosten in Prozent der Beitragssumme des Neugeschäfts

    Abschlusskosten entstehen im Zusammenhang mit dem Neugeschäft. In der Regel sind die Kosten kalkulatorischer Bestandteil des Versicherungsprodukts, die der Versicherungsnehmer (zumindest teilweise) im Rahmen seiner Prämie trägt.

  • Verwaltungskosten in Prozent der gebuchten Bruttobeiträge

    Diese Kostenquote beinhaltet die Kostenpositionen des Jahresabschlusses, die nicht unmittelbar dem Neugeschäft zuzuordnen sind. Hieraus lässt sich erkennen, wie hoch die Kostenbelastung in Relation zu den eingenommenen Beiträgen ist.

  • RfB-Quote

    Der freien RfB (Rückstellung für Beitragsrückerstattung) kommt die Bedeutung einer Pufferfunktion zur Glättung der jährlichen Gewinnbeteiligung zu. Die freie RfB in Prozent der Deckungsrückstellung ist ein Indikator für die Höhe dieses „Puffers“ in Relation zur gesamten Deckungsrückstellung der Versicherten im Geschäftsjahr.

  • Überschussquote

    Die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB in Prozent der gebuchten Bruttobeiträge und Nettoerträge aus Kapitalanlagen) gibt Aufschluss darüber, wie groß der Anteil der Erträge ist, der der Versichertengemeinschaft in Form von Überschüssen zugute kommt.

  • Wachstumsquote

    Das Wachstum eines Versicherungsunternehmens wird hier an drei Größenpositionen gemessen: Entwicklung der Beiträge (50%), Entwicklung der Kapitalanlagen (25%) und Entwicklung der Versicherungssummen (25%).

  • Storno kapitalbildende Tarife

    Das Storno erfasst die Verträge der kapitalbildenden Tarife (Kapital- und Rententarife), die vorzeitig - also vor Vertragsablauf - gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden. Es lässt einen Rückschluss auf die Qualität der Beratung, der Tarife und der Vertriebswege zu.

  • Modifizierte Eigenmittelquote

    Die modifizierte Eigenmittelquote ist ein Maßstab dafür, in welchem Umfang ein Lebensversicherer Risiken durch die Eigenmittel Eigenkapital und Schlussüberschussanteil-Fonds (SÜAF) abdecken kann. Hierfür wird eine Quote gebildet, welche die Summe dieser beiden Eigenmittel der Deckungsrückstellung gegenüberstellt.

  • Bewertungsreserve

    Die Reservequote zeigt, wie groß der Anteil der so genannten Stillen Reserven in Prozent der gesamten Kapitalanlagen zum Bilanzstichtag war. Die Stillen Reserven ergeben sich im Wesentlichen aus abgeschriebenen bzw. zum Niederstwert angesetzten Buchwerten (z. B. Grundstücke, Aktien und Investmentfondsanteile) gegenüber ihren zum Stichtag ermittelten und angesetzten Marktwerten. Die Bewertungsreserve wurde erstmals im Bilanzjahrgang 1997 in den Geschäftsberichten ausgewiesen. Seit dem Bilanzjahrgang 2007 sind auch die Stillen Reserven in den zu Nennwert bilanzierten Kapitalanlagen angabepflichtig und sind entsprechend integriert. Quelle: Morgen & Morgen

In Zukunft dürften weitere Versicherer Policen ohne Garantiezins anbieten. "Wir werden an den Parametern so lange schrauben, dass sie für alle auskömmlich sind", sagt Axa-Deutschland-Chef Thomas Buberl vor kurzem der Nachrichtenagentur Reuters. Damit spielt er auf verschiedene neue Angebote an, die für Kunden und Versicherer einträglicher sein sollen. Damit reagieren die Versicherer auf das düstere Umfeld am Markt für Lebensversicherungen. Denn aufgrund der niedrigen Zinsen sind die Policen immer weniger lukrativ. Der Garantiezins liegt bei Neuverträgen bei nur noch 1,75 Prozent. Auch die Beteiligungen der Anleger an den Überschüssen der Versicherungen sinken. Verbraucherschützer warnen: Kunden müssten sich fragen, ob sie bei einer Lebensversicherung am Ende - nach Abzug der Inflationsrate - nicht draufzahlen.

Und sie Situation wird nicht besser, denn für die Versicherungen wird es immer schwerer, mit ihren Neuanlagen am Kapitalmarkt die garantierten Zinsen zu erwirtschaften. Das bekommen die Kunden zu spüren. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) warnt bereits, dass die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank auf 0,5 Prozent nur zu Lasten derer gehe, die für ihr Alter vorsorgen. Wenn Versicherungen also mit neuen Methoden versuchen, den garantierten Zins zu erwirtschaften, kann das immer nur zu Lasten von mehr Risiko gehen. Einige Unternehmen investieren bereits in Gasnetze, Solaranlagen oder sogar Parkuhren.

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Ende der Lebensversicherung?

Sollten sich die Sparer daher von der traditionellen Lebensversicherung abwenden? Dafür wirbt zumindest Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Alles läuft nach dem Motto: Gib mir Geld, in 30 Jahren gebe ich es zurück, allerdings fast ohne Zinsen", kritisiert die Verbraucherschützerin. Für die versprochene Sicherheit werde ein zu hoher Preis gezahlt, inklusive aller Provisionen und Verwaltungskosten. Sie könne daher nur raten: "Finger weg."
Manfred Poweleit, der mit seinem unabhängigen Branchendienst Map-Report Versicherer bewertet, sieht derzeit allerdings keine attraktive Ausweichmöglichkeit für den Sparer. "Was kann die Alternative sein? Aktien oder Immobilien auf Märkten kaufen, die von der Überhitzung bedroht sind?", fragt er. Da seien Lebensversicherungen das "geringste Übel". Auch Christian Badorff, Versicherungsexperte der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), glaubt an eine Zukunft der Lebensversicherung in Deutschland: Sie bringe derzeit immer noch mehr Rendite als eine zehnjährige Staatsanleihe und enthalte zudem Versicherungsschutz.

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