Lebensversicherung: Niedrigzins verdirbt Vorsorgerendite - Seite 3

Lebensversicherung: Niedrigzins verdirbt Vorsorgerendite

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„Nach dem Platzen der Technologieblase geriet die Versicherung, die zuvor zu den Top-Anbietern gehörte, unter Druck“, sagt Finsinger. Die Hannoversche Leben verspekulierte sich mit Zinsanlagen und Aktien. Weil sie zuvor kaum Erträge für schlechte Zeiten zurückgelegt, sondern überdurchschnittlich viel an die Kunden ausgeschüttet hatte, ging ihr in der Krise schnell die Puste aus. Prompt rutschte die Hannoversche 2003 im Finsinger-Rating von Platz 7 auf 27 ab. Im gleichen Jahr rettete sie sich in eine Fusion mit der finanziell gesunden VHV, die sich auf Kfz-Policen und Versicherungen für die Baubranche spezialisiert hat.

Dank der finanziellen Reserven der VHV kann die Hannoversche Leben inzwischen wieder mehr in höher verzinste Anlagen investieren, was ihr Rating verbessert hat. Von Aktiengeschäften lässt die Hannoversche inzwischen die Finger. 2008 lag der Aktienanteil an den Kapitalanlagen bei 0,4 Prozent, was ihr nach der Lehman-Pleite weitgehend Verluste ersparte.

Weniger gut sieht es bei den Schlusslichtern Delta Lloyd und der Bayerischen Beamten Lebensversicherung aus. Nicht nur, dass die beiden Anbieter Versichertengelder schlechter anlegen als der Branchenschnitt, sie knöpfen den Kunden mit 11,1 Prozent (Bayerische Beamten) und 11,7 Prozent (Delta Lloyd) der Gesamtbeiträge auch noch überdurchschnittlich viel für den Vertrieb ab.

Hohe Vertreterprovisionen bleiben ein Ärgernis, das die ganze Anlageklasse Lebensversicherung in Verruf bringt. Der Münchner Rechtsanwalt Axel von Walter etwa kündigte seine Police, weil hohe Kosten ihm Verluste brachten: 2004 hatte er eine fondsgebundene Lebensversicherung bei der damals zum Finanzvertrieb MLP gehörenden Heidelberger Leben abgeschlossen. Obwohl die Aktienkurse kräftig stiegen, wiesen seine Abrechnungen aber nur minimale Guthaben aus.

Geringe Reserven

Walter ließ sich eine detaillierte Kostenübersicht schicken – und fiel fast vom Stuhl: 2005 flossen von 50 Euro Monatsbeitrag nur 7,77 Euro in die Fonds, 2006 waren es 24,76 Euro. Den Rest kassierten Vertrieb und Verwaltung. Allein zwischen Dezember 2004 und Dezember 2008 zwackte die Heidelberger, die seit 2009 zur britischen Lloyds Banking Group gehört, 3295 von 5075 eingezahlten Euro für eigene Auslagen ab – 65 Prozent der Beiträge.

Wenig Erfreuliches lieferte auch die Provinzial Rheinland, die im Rating auf Platz 25 landete. Erstmals gelang es der Versicherung aus der Sparkassengruppe 2008 nicht, den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbetrag in die Rückstellung für Beitragsrückerstattung einzuzahlen. Sie konnte sich nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Finanzaufsicht BaFin um die notwendigen Rückstellungen drücken. Dafür muss sie die Ausschüttungen kürzen und in den kommenden Jahren mehr zurücklegen.

Rainer Volkerts*, der 1998 gegen einen Einmalbeitrag von 260 000 Euro eine Rentenversicherung abschloss, erlebte jetzt, wie sich die ursprüngliche Kalkulation der Provinzial in Wohlgefallen auflöste. Von den 1998 hochgerechneten Überschüssen in Höhe von 162 000 Euro bleiben bis zum Ablauf der Police im kommenden Jahr voraussichtlich nur noch 51 000 Euro übrig – weniger als ein Drittel.

„Die Versicherer ködern ihre Kunden mit schöngerechneten Renditen für ihr Erspartes, ohne ausreichend auf die hohen Kosten, eventuelle Rückschläge bei der Kapitalanlage und das Risiko gekürzter Überschüsse bei steigender Lebenserwartung hinzuweisen“, sagt Stefan Albers, Versicherungsberater aus Montabaur.

Selbst wer sehr lange lebt, kommt mit einer Rentenversicherung nicht auf seine Kosten – jedenfalls dann, wenn er nicht die richtige gewählt hat.

* Name von der Redaktion geändert

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