Lebensversicherung: Niedrigzins verdirbt Vorsorgerendite

Lebensversicherung: Niedrigzins verdirbt Vorsorgerendite

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Selbst wer früh in die Lebensversicherung einzahlt, kommt nur mit einem Top-Anbieter auf seine Kosten

von Martin Gerth, Niklas Hoyer und Annina Reimann

Niedrige Zinsen und Wertpapierverluste drücken die Erträge von Lebensversicherungen. Das Rating der 75 wichtigsten Anbieter zeigt, wer künftig noch hohe Renditen erwirtschaften kann.

"Das ist Vertrauen, das gibt Sicherheit“ – mit diesem Slogan wirbt der ehemalige Schiedsrichter-Star Markus Merk für die Inter Versicherung. Dietrich Seeler fühlt sich alles andere als sicher – und sein Vertrauen ist zumindest erschüttert. Der Rentner aus dem rheinland-pfälzischen Dudenhofen schloss vor neun Jahren eine Rentenpolice ab. Damals stellte ihm die Inter noch 7,5 Prozent Gesamtrendite in Aussicht. Tatsächlich bekommt der 78-Jährige seit 2005 aber nur noch die ihm garantierten 3,25 Prozent – weniger als die Hälfte. Im vergangenen Jahr schrieb Seeler einen Beschwerdebrief. Die Antwort, die nach Wochen eintraf, klang reichlich dünn: Bei Vertragsschluss sei der Börsencrash im September 2001 nach den Terroranschlägen in den USA nicht vorhersehbar gewesen, des Weiteren sei die Lebenserwartung der Versicherten gestiegen. Inter hätte eben die ursprünglich kalkulierten, nicht garantierten Überschüsse zu hoch angesetzt.

Weil die Kapitalanlagen der Versicherer zuletzt nur noch mickrige Renditen abwarfen, müssen sich derzeit Hunderttausende Sparer, die Lebensversicherungen abgeschlossen haben, mit dem Garantiezins abspeisen lassen. Im vergangenen Jahr erzielten die 75 größten Anbieter, die der Wiener Finanzwissenschaftler Jörg Finsinger exklusiv für die WirtschaftsWoche unter die Lupe nimmt, im Schnitt mit ihren Kapitalanlagen nur noch 2,7 Prozent Rendite (siehe Grafik Seite 2). Bei einzelnen Gesellschaften sieht es dramatisch schlechter aus: CiV Leben schaffte im vergangenen Jahr nur 1,5 Prozent. Bayerische Beamten mit 2,1 Prozent und Delta Lloyd mit 2,2 Prozent sind kaum besser.

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Magerrenditen im Zinstief

Aktuell steht der Garantiezins für neue Policen bei nur noch 2,25 Prozent. Doch selbst davon kommen im Schnitt nur 80 Prozent bei den Kunden an, weil die Versicherungen zuvor 20 Prozent für Verwaltung, Vertrieb und Vorsorge für den Fall, dass der Versicherte vor Ablauf der Police stirbt, abzwacken. Bei neuen Policen bleiben im schlimmsten Fall nur 1,8 Prozent Rendite auf den gesamten Beitrag hängen.

Solange die Zinsen im Keller bleiben, wird sich an den Magerrenditen wenig ändern. Immerhin zwei Drittel ihres Anlagetopfs haben die Versicherer im Schnitt in Festverzinsliche angelegt, darunter vor allem Bankanleihen, Pfandbriefe und Staatspapiere. Die werfen derzeit meist weniger als vier Prozent pro Jahr ab: eine zehnjährige Bundesanleihe beispielsweise verzinst sich momentan nur noch mit 3,3 Prozent.

Zukunft mit Altlasten

Tim Ockenga, Versicherungsanalyst bei der Ratingagentur Fitch, erwartet daher für das kommende Jahr konstante bis leicht sinkende Überschüsse. Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes map-report, weist auf die massiv eingebrochenen Rückstellungen für Beitragsrückerstattung hin, der wichtigsten Quelle für Überschüsse, die Lebensversicherungen an ihre Kunden ausschütten. Im vergangenen Jahr hätten die Lebensversicherungen nur noch 5,7 Milliarden Euro in diesen Topf gezahlt, während es im Jahr 2000 noch 19,5 Milliarden Euro waren. Bayerische Beamten, Provinzial Nord-West und Provinzial Rheinland zahlten zuletzt überhaupt nichts mehr ein.

Viel frisches Kapital ist nicht in Aussicht. So geht der Branchenverband GDV in diesem Jahr von sieben Prozent weniger Neugeschäft bei Policen mit regelmäßigen Sparbeiträgen aus. Besonders heftig drücken die Versicherer die Verträge, die zwischen Juli 1994 und Juni 2000 abgeschlossen wurden. Sie müssen mit den garantierten vier Prozent pro Jahr bedient werden. Jeder vierte Kunde hat noch einen solchen Vertrag.

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