
Wer eine Lebensversicherung kündigt, erleidet in der Regel hohe Verluste. Dennoch beendet jeder Zweite seinen Vertrag vorzeitig. Abwandernden Kunden entgehen zum Schluss ausgezahlte Überschüsse und Bewertungsreserven, außerdem zahlen sie Stornogebühren. Läuft der Vertrag erst kurze Zeit, haben die Abschlusskosten ihre eingezahlten Beiträge weitgehend aufgezehrt.
Oft erreicht der Rückkaufswert einer Police samt Überschüssen erst nach zehn Jahren die Summe der Beiträge – ohne jede Verzinsung. Bei der HUK-Coburg etwa darf ein 40-Jähriger mit neuer Lebensversicherung über 26 Jahre und einem Monatsbeitrag von 100 Euro bei Kündigung nach 20 Jahren auf eine Auszahlung von 32.000 Euro hoffen, inklusive nicht garantierter Überschüsse. Sicher bekommt er 24.000 Euro – gerade einmal den Wert seiner unverzinsten Gesamtbeiträge. Zum Vertragsende nach 26 Jahren hingegen stehen samt Überschüssen 52.000 Euro in Aussicht.
Verkauf an Dritte ist theoretisch besser
Mit dem Verkauf eines Vertrags an Dritte fahren Versicherte theoretisch besser. Oft können die Ex-Versicherten sich so sogar einen Familienschutz im Todesfall erhalten, auch wenn dessen Wert deutlich sinkt. Außerdem lassen sich die Stornoverluste über den Verkauf abfedern. Private Aufkäufer wie das Unternehmen Cashlife zahlten in Spitzenzeiten zwischen drei und sieben Prozent mehr Geld als der Rückkaufswert der Versicherer ausmachte. Aktuell sind nur noch Aufschläge von zwei bis fünf Prozent drin.
Das liegt am Überangebot auf dem Zweitmarkt: 2008 wurden Verträge im Wert von 14 Milliarden Euro storniert, aber nur 500 Millionen Euro davon angekauft. Die Händler kaufen generell vor allem renditestarke Policen solider Gesellschaften, die nur noch ein paar Jahre Laufzeit haben. Bei Cashlife darf der Vertrag zum Beispiel noch maximal 15 Jahre lang laufen, der Rückkaufswert muss mindestens 10.000 Euro betragen. Fondsgebundene Verträge werden nicht gekauft.
Versicherte, die nur kurzfristig Geld brauchen, können die eigene Police auch beleihen. Allerdings fallen bei solchen Policen-Darlehen deutlich höhere Zinsen an, als der Police selbst gutgeschrieben werden. Betroffene sollten sich, mahnen Verbraucherschützer, zunächst immer beraten lassen, bevor sie die Reißleine ziehen und ihre Kapitallebensversicherung mit Verlusten abstoßen.














