Lebensversicherung: Propaganda-Schlacht um Bewertungsreserven

KommentarLebensversicherung: Propaganda-Schlacht um Bewertungsreserven

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Nach monatelangem Ringen sind die die Gesetzespläne, mit denen Versicherte künftig kaum noch an Bewertungsreserven beteiligt werden sollten, vom Tisch. Auch wenn die Versicherungslobby gern das Gegenteil verkündet, ist diese Entscheidung logisch und eine gute Nachricht für Versicherte.

von Niklas Hoyer

Kunden der Lebensversicherung sollen weiter an Bewertungsreserven beteiligt werden. Das sorgt für heftige Kritik in der Branche, ist aber gut so.

Die Debatte um die Bewertungsreserven der Lebensversicherer soll ein Ende haben. Diesmal wirklich. Am Dienstagabend fand sich im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat keine Mehrheit für die Gesetzespläne, mit denen Versicherte künftig kaum noch an solchen Reserven beteiligt werden sollten. Nach monatelangem Ringen sind die Pläne vom Tisch. Auch wenn die Versicherungslobby gern das Gegenteil verkündet, ist diese Entscheidung logisch und eine gute Nachricht für Versicherte.

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Das Problem an der Debatte war und ist, dass kaum jemand versteht, worum es eigentlich geht. Das machte es Lobbyisten besonders leicht, lautstark ihre Argumente für eine Abschaffung der Kundenbeteiligung zu äußern.

Bewertungsreserven entstehen, wenn der Marktwert von Kapitalanlagen aktuell über dem Wert liegt, zu dem sie in der Bilanz stehen. Versicherer horten derzeit 75 Milliarden Euro Reserven aus Zinsanlagen. Diese Papiere haben, weil die Zinsen gefallen sind, kräftig an Wert gewonnen.

Beispiel: Investiere ich 1.000 Euro in eine Anleihe, die sich ein Jahr lang mit einem Prozent verzinst, bekomme ich in einem Jahr 1.010 Euro zurück. Fällt das allgemeine Zinsniveau aber kurz nach meinem Kauf von 1,0 auf 0,5 Prozent, würde mir ein anderer Anleger die Anleihe schon jetzt für 1.005 Euro abkaufen: Bei garantierten 1.010 Euro Rückzahlung in einem Jahr und einem Kaufpreis von 1.005 Euro würde sich seine Investition mit rund 0,5 Prozent verzinsen. Verkaufe ich die Anleihe aber nicht, sondern behalte sie, hätte ich 5 Euro Reserven auf meinen Kaufpreis aufgebaut. Denn ich habe ja nur 1.000 Euro bezahlt, könnte aber für 1.005 verkaufen.

Ranking der Lebensversicherer nach der Beitragsrendite

  • Rang 1

    Bei Europa beträgt die Beitragsrendite 5 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,35 Prozent.

    (Quellen: Morgen & Morgen, BVI, Map-Report, Allianz; Stand: August 2012)

  • Rang 2

    Bei Cosmos Direkt beträgt die Beitragsrendite 4,50 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,05 Prozent.

  • Rang 3

    Bei Targo beträgt die Beitragsrendite 4,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,60 Prozent.

  • Rang 4

    Bei Huk beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

  • Rang 5

    Bei der Öffentlichen Braunschweig beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,80 Prozent.

  • Rang 17

    Bei der Allianz beträgt die Beitragsrendite 3,80 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

  • Rang 59

    Bei Rheinland beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,60 Prozent.

  • Rang 60

    Bei Universa beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,50 Prozent.

  • Rang 61

    Bei der Öffentlichen Berlin beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,30 Prozent.

  • Rang 62

    Bei der VPV Lebensversicherungs AG beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,25 Prozent.

  • Rang 63

    Beim Münchener Verein beträgt die Beitragsrendite 2,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 3 Prozent.

Genau dies ist bei den Lebensversicherern passiert. Sie haben Hunderte Milliarden in Anleihen gesteckt, deren Kurse mit den fallenden Zinsen massiv gestiegen sind - und so hohe Reserven aufgebaut. Seit 2008 müssen sie Kunden, wenn deren Verträge ausgezahlt werden, zur Hälfte an den mit ihren Beiträgen aufgebauten Reserven beteiligen. Das war die Folge eines Urteils vom Sommer 2005: Das Bundesverfassungsgericht hatte damals entschieden, dass Versicherer ihre Kunden angemessen an den mit ihren Beiträgen geschaffenen Vermögenswerten beteiligen müssen. Damals standen vor allem Reserven auf Immobilien und Aktien im Vordergrund. Doch die Regeln gelten genauso für Anleihen.

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