Lebensversicherung: Warum die Lebensversicherer im Abseits stehen

Lebensversicherung: Warum die Lebensversicherer im Abseits stehen

von Hauke Reimer und Annina Reimann

Niedrige Zinsen und ein teurer Vertrieb machen es den Lebensversicherern schwer, hohe Überschüsse für ihre Kunden zu erwirtschaften. Aber: Kein Kunde hat in der Finanzkrise Geld verloren. Ob das so bleiben wird und welche Renditen noch drin sind, diskutierten Top-Experten am runden Tisch der WirtschaftsWoche.

Meine Herren, die Finanzkrise hat unsere Vorstellungen vom Anlegen kräftig erschüttert. Das Risiko, dass eine Großbank insolvent wird, war vor 2007 eher ein theoretisches. Heute rechnen wir damit, dass Banken und Länder pleitegehen. Warum profitiert die als langweilig und sicher eingeschätzte Lebensversicherung so wenig von dieser Entwicklung?

Jaeger: Die Unsicherheit hat zugenommen, also wollen sich Anleger weniger langfristig binden – nicht nur, weil die Finanzmärkte sich ständig verändern, sondern auch, weil die Arbeitswelt immer flexibler wird. Arbeitsplatz und Einkommen sind damit nicht mehr so sicher. Der Anleger will kurzfristig verfügbare Investments. Deshalb bekommen die Lebensversicherer ein Problem.

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Lörper: Mit kurzfristigen Anlagen kann niemand sein Alter absichern.

Jaeger: Doch, er kann ja erneut anlegen.

Albers: Die jährliche Stornoquote der Lebensversicherer liegt bei rund fünf Prozent. 50 bis 70 Prozent der Lebensversicherungskunden halten ihren Vertrag nicht bis zum Ende durch. Viele Verbraucher, die zu mir in die Beratung kommen, sind verunsichert, weil die Renditen ihrer Policen seit Jahren zurückgehen. Sie brauchen viel flexiblere Produkte, die sie auch ohne großen Verlust vorzeitig verkaufen können.

Lörper: Das Bedauerliche ist, dass man nicht gleichzeitig eine hohe Rente und Flexibilität haben kann. Natürlich wäre es schön, unsere Produkte wären jederzeit auflösbar. Nur kann man mit solchen Produkten keinen Vertrieb finanzieren: Lebensversicherungen müssen aber mit einem hohen Beratungsaufwand aktiv verkauft werden, denn es geht ja um langfristige Vorsorge. Breite Kreise der Bevölkerung schaffen es nicht, über 20 Jahre ein paar Euro zurückzulegen. Daher ist letztendlich ein gewisser Sparzwang erforderlich.

Wie sind die Lebensversicherer denn nun durch die erste Phase der Finanzkrise gekommen?

Meisch: Kein Kunde hat Geld verloren. Versicherte haben von dem größten Finanzmarkt-Tsunami aller Zeiten nicht viel gemerkt.

Jaeger: Aber nur deswegen, weil die Banken und der Pfandbriefmarkt von Staaten und Zentralbanken gestützt wurden. Wäre dies nicht passiert, wären die Versicherungen genauso getroffen worden wie die Banken.

Weil Versicherungen zu stark in Papiere von Banken investiert haben?

Ockenga: Die mit Banken verbundenen Risiken der Branche haben deutlich zugenommen.

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Wie dramatisch ist das?

Ockenga: Momentan gehen wir nicht davon aus, dass Gesellschaften ausfallgefährdet sind - und als Ratingagentur bewertet, die einen Großteil der Branche bewertet, haben wir einen ziemlich guten Einblick. Die Versicherer versuchen jetzt, Klumpenrisiken zu reduzieren, das heißt, große Positionen gegenüber einzelnen Bankenabzubauen und stärker zu diversifizieren, vermehrt auch auf europäischer Ebene.

Meisch: 60 bis 70 Prozent der Kapitalanlagen sind derzeit Bankenrisiken. Die Krise hat verdeutlicht, dass die Quote zu hoch ist. Die Branche arbeitet daran, sie zu reduzieren.

 60 bis 70 Prozent bei Banken, die zum Großteil vom Staat gerettet wurden - haben die Versicherer zu riskant angelegt?

Ockenga: Sie brauchen den Finanzsektor. Die gesamte deutsche Versicherungsbranche investiert 1,3 Billionen Euro - wo wollen Sie dieses Geld anlegen? Natürlich auch in Staatsanleihen, aber nicht nur. Unternehmensanleihen sind zum Teil hochspekulativ, auch Industrieunternehmen können als Schuldner ausfallen.

Lörper: Wir haben bei uns im Haus einmal rechnen lassen, was passiert wäre, wenn der staat den Banken nicht geholfen hätte. Selbstverständlich hätte uns das getroffen. Aber wir sind so gut diversifiziert, dass wir auch in einem solchen Fall unsere Leistungsversprechenhätten erfüllen können. Diese Diversifizierung kann der einzelne Anleger so nicht erreichen.

Meisch: Letztendlich kaufen Sie sich als Versicherungskundeeine spezielle Vermögensverwaltung, ein großes Portfolio, das reguliert und abgesichert ist. Sie bekommen das Know-how von leuten, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als dieses Geld zu vermehren - und die in der Lage sind, immer wieder zu reagieren.

Lörper: Natürlich knipsen die Krisen auch bei uns kleine Leuchten an und erinnern uns an Dinge - dass Wetten zum Beispiel nur schön sind, wenn man sie gewinnt. Und nur wer wettet, wird große Gewinne einfahren. aber was ist, wenn nicht? Es ist ein Qualitätskriterium unseres Produkts, dass wir systematisch nicht wetten.

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