Lebensversicherung: Wie Versicherer Millionen Euro bei Tochterunternehmen abziehen

Lebensversicherung: Wie Versicherer Millionen Euro bei Tochterunternehmen abziehen

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Versicherungskonzerne wie Talanx geben ihren eigenen Tochterunternehmen Kredite und das zu hohen Zinsen. Diese fressen die Überschüsse der Versicherer auf

von Annina Reimann

Versicherer geben Töchtern teure Kredite und ziehen so Geld aus der Lebensversicherung ab. Kunden drohen niedrigere Überschüsse.

Niedrige Zinsen machen Lebensversicherern zu schaffen. Die Politik hat deshalb bereits die Ausschüttung an Kunden begrenzt. So müssen Versicherer keine Kursgewinne auf Anleihen mehr auszahlen, wenn sie das Geld brauchen, um vertraglich garantierte Zinsen langfristig bezahlen zu können. Viele brauchen das Geld tatsächlich. Immerhin: Versicherer, die Reserven zurückhalten, dürfen keine Dividende an ihre Eigentümer ausschütten.

Doch: Geld erhalten viele Konzernmütter auf einem anderen Weg. Sie geben Lebensversicherungstöchtern Kredite, für die hohe Zinsen fällig werden. So werde Geld abgezogen und die Ausschüttungssperre umgangen, sagt Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen: „Notmaßnahmen begrenzen bereits die Ausschüttungen der Versicherer an Kunden, das muss in Zeiten wie diesen auch für Zahlungen an die Eigentümer gelten.“

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Versicherer destabilisieren ihre eigenen Töchter

Versicherungsgruppen kassieren von Lebensversicherungstöchtern Zinsen, die der Markt heute kaum hergibt. Schon eine Stichprobe fördert Kredite von fast 800 Millionen Euro zutage:

  • Talanx hat der HDI Leben 51 Millionen Euro geliehen. HDI zahlt dafür sechs Prozent Zins.
  • Die deutsche Swiss Life lieh sich von ihrer Holding in Zürich zuletzt im Dezember Geld – unbefristet, frühestens nach zehn Jahren zurückzahlbar, Zins: 4,3 Prozent. Insgesamt hat die deutsche Swiss Life 100 Millionen Euro geliehen.
  • Die Hamburger Leben schuldet der Mutter Delta Lloyd 8,3 Millionen Euro.
  • Die Lebensversicherung Provinzial Rheinland hat sich 125 Millionen Euro bei der Provinzial Rheinland Versicherung AG geliehen. Der Kredit wurde jetzt zu 3,7 Prozent abgeschlossen. Laufzeit: zehn Jahre.
  • Die Generali Leben hat 2012 382 Millionen Euro bei einer Tochter der Generali Deutschland Holding aufgenommen. Laufzeit: 30 Jahre. Das Darlehen wird in den ersten zehn Jahren mit 6,5 Prozent pro Jahr verzinst, danach variabel. Gekündigt werden können die Kredite frühestens 2022.
  • Die Lebensversicherung der Sparkassen-Versicherung hat sich 110 Millionen Euro geliehen – unter anderem bei der Holding.

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Die Kredite werden innerhalb eines Konzerns nachrangig vergeben. Geht die Leben-Tochter pleite, werden andere Gläubiger zuerst bedient. Gerät sie in Schieflage, dürfen Zinsen gestundet werden. Für das Mehr an Risiko verlangen Mütter höhere Zinsen.

Je nach Rating der Tochter sind es zwischen vier und sechs Prozent Zins. Wer sich 100 Millionen Euro leiht, zahlt pro Jahr vier bis sechs Millionen. Das seien „nennenswerte Summen, die da abfließen“, sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. „So hohe Zinsen können Lebensversicherer aktuell nicht erwirtschaften“, sagt Schick. Die Kredite destabilisierten die Lebensversicherer.

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