Lebensversicherung: Zinsen drohen unter vier Prozent zu sinken

Lebensversicherung: Zinsen drohen unter vier Prozent zu sinken

, aktualisiert 08. Dezember 2011, 10:30 Uhr
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Für Verbraucher wird es in Zukunft nicht leichter die richtige Lebensversicherung auszuwählen.

von Michael DeteringQuelle:Handelsblatt Online

Die niedrigen Zinsen an den Finanzmärkten setzen auch Versicherer unter Druck. Die Allianz verzinst ihre Lebensversicherungen nur noch mit vier Prozent. Andere Anbieter unterschreiten sogar diese wichtige Marke.

FrankfurtDie Inhaber von Lebensversicherungen müssen sich in den kommenden Jahren auf niedrigere Gutschriften einstellen. Der Marktführer Allianz kündigte gestern an, dass man die laufende Überschussbeteiligung für 2012 um 0,1 Prozentpunkte auf vier Prozent senken werde.

Das ist noch vergleichsweise moderat. Im Branchenschnitt könnte die Verzinsung des Sparguthabens in den Verträgen im nächsten Jahr die wichtige Marke von vier Prozent unterschreiten, vermuten Manager und Analysten. 2011 lag die durchschnittliche Verzinsung bei 4,1 Prozent. Zur Jahrtausendwende hatten viele Anbieter sogar noch mehr als sieben Prozent gezahlt. "Wir erwarten, dass die historisch hohen Zinsen der Vergangenheit so schnell nicht wiederkommen werden", sagt ein Sprecher der Allianz.

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Die Versicherer leiden unter dem Zinsrückgang an den Finanzmärkten. Sie legen die Prämien ihrer Kunden an den Kapitalmärkten an, vor allem in Anleihen, aber auch in Aktien oder Immobilien. Gesetzlich sind sie verpflichtet, ihre Kunden mit 90 Prozent an den erwirtschafteten Kapitalüberschüssen zu beteiligen. Doch da die Zinsen im Keller sind, nehmen die Versicherer weniger ein - und können weniger Überschüsse gutschreiben. Die Alte Leipziger hat angekündigt, dass sie die laufende Überschussbeteiligung für das Jahr 2012 auf 3,85 Prozent senken wird. Die Gesamtverzinsung für auslaufende Verträge beträgt noch 4,55 Prozent - 0,25 Prozentpunkte weniger als bisher. In die Gesamtverzinsung fließt noch ein sogenannter Schlussüberschussanteil ein, den Kunden sozusagen als Bonus am Ende der Vertragslaufzeit erhalten.

Der Versicherer Axa senkt die laufende Verzinsung von vier auf 3,8 Prozent. In den nächsten Tagen werden auch andere Gesellschaften die neuen Werte mitteilen. Vier Prozent gelten dabei als eine magische Grenze. Ende der 1990er-Jahre hatten die Versicherer einen Garantiezins in dieser Höhe versprochen. Diese garantierte Mindestrendite gilt für die gesamte Vertragslaufzeit. Senkt eine Gesellschaft nun die Überschussbeteiligung unter vier Prozent, muss sie zwischen älteren und neuen Kunden unterscheiden. Wer noch einen Altvertrag mit einem Garantiezins von vier Prozent hat, erhält diese Gutschrift weiterhin. Kunden mit jüngeren Verträgen erhalten den neuen, niedrigeren Zinssatz. "Die Ungleichbehandlung kratzt am Image", sagt ein Versicherungsmanager. Es könne der Eindruck entstehen, dass die älteren Kunden einen Zins erhalten, den sich der Versicherer eigentlich gar nicht leisten kann - und die jüngeren Kunden müssen diesen "Luxus" mitfinanzieren.


Wer vorzeigt kündigt, macht Verlust

Viele Versicherer scheuen deshalb noch, unter die Vier-Prozent-Marke zu gehen. Die Experten der Ratingagentur Standard & Poor's halten von dem Geschacher um die Prozentzahl aber nur wenig. "Es ist sinnvoll, wenn sich die Versicherer jetzt für den Fall wappnen, dass das niedrige Zinsniveau an den Kapitalmärkten bestehen bleibt", sagt S&P-Analyst Christian Badorff. Die Versicherer müssten auf ihre Kapitalkraft achten. "Gerade auch einige kapitalstärkere Gesellschaften passen ihre Gewinnbeteiligung an das aktuelle Kapitalmarktumfeld an, um ihre Finanzstärke zu bewahren", sagt sein Kollege Wolfgang Rief. Die Alte Leipziger etwa gilt bei Branchenexperten als ein sehr konservativ rechnender Versicherer. Sie gehört zu den Versicherern mit den größten Eigenkapitalpolstern.

Guter Zins, geringe Flexibilität

Die Branche selbst sieht die Attraktivität der Lebensversicherung auch bei geringeren Zinsen nicht schwinden. "Wo erhalten Sie ein Vorsorgeprodukt, dass bei gleicher Sicherheit eine Verzinsung von rund vier Prozent bietet?" fragt eine Sprecherin des Branchenverbands GDV. Viele Verbraucherschützer sehen das anders. Sie verweisen darauf, dass nur das Sparguthaben nach Abzug von Kosten verzinst wird, die Rendite auf die Beiträge also unter vier Prozent liege. Zudem schafften es viele Kunden einfach nicht, den Vertrag über Jahre und Jahrzehnte zu besparen. Wer aber vorzeitig kündigt, macht wegen der hohen Abschlusskosten oft ein Verlustgeschäft. Daher sollte auch niemand seine Police kündigen, um zu einem Versicherer mit höherer Überschussbeteiligung zu wechseln.

An einem Punkt gibt es aber Entwarnung: Dass absehbar die Überschussbeteiligung auf den aktuellen Garantiezins von 2,25 Prozent fällt, damit rechnet selbst der kritische Bund der Versicherten nicht. "Das kann ich mir nicht vorstellen", sagt der Vorsitzende Axel Kleinlein. "Wenn es so weit käme, dann stünde der Versicherer kurz vor dem Abgrund."

Quelle:  Handelsblatt Online
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