Lebensversicherungen: Bewertungsreserven werden neu aufgeteilt

exklusivLebensversicherungen: Bewertungsreserven werden neu aufgeteilt

von Christian Ramthun

Der Streit um die Bewertungsreserven von Lebensversicherungen geht in die letzte Phase. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, will der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat am 26. Februar entscheiden, in welchem Umfang ausscheidende Versicherte an den derzeit extrem hohen stillen Reserven zu beteiligen sind.

Es geht um 80 Milliarden Euro in den Büchern der Versicherungen. Die Summe ist auf die niedrigen Zinsen und den damit verbundenen rasanten Kursanstieg der Anleihen zurückzuführen, in denen das Versichertengeld angelegt ist.

Zuvor gibt eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) und Hartmut Koschyk (CSU), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, eine Empfehlung ab. Beide halten es laut WirtschaftsWoche für sinnvoll, die seit 2008 geltende Ausschüttungspraxis zu korrigieren. Ausscheidende Versicherte sollen nur noch zu einem Viertel statt zur Hälfte an den Bewertungsreserven beteiligt werden, der Rest bei der Versichertengemeinschaft bleiben.

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Höhe der Bewertungsreserven am Quartalsende Lebensversicherungen

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Bei der Begrenzung handelt es sich laut Walter-Borjans nicht um eine Verteilungsfrage zwischen den Unternehmen und den Verbrauchern. Koschyk verwahrt sich gegen Unterstellungen, die Regierung wolle die Versichertengemeinschaft schädigen. Vielmehr gehe es darum, so Koschyk zur WirtschaftsWoche, „Windfallprofits einer vergleichsweise kleinen Gruppe, deren Policen zufälligerweise jetzt fällig werden und mit denen unter normalen Umständen gar nicht zu rechnen gewesen wäre, zulasten der verbleibenden rund 95 Prozent Versicherten zu verhindern“.

Unterstützung erhalten die Befürworter einer Korrektur vom „Rentenpapst“ Bert Rürup. Dieser spricht von „einer intergenerativen Unwucht“ des geltenden Rechts. „Das seit einiger Zeit extrem niedrige Zinsniveau hat zu einem dramatischen Anstieg der Marktpreise der früher erworbenen höher verzinsten Anleihen in den Depots der Lebensversicherer geführt. Diese Buchgewinne müssen heute zu großen Teilen ausgeschüttet werden, obwohl sie mit dem Heranrücken der Fälligkeit dieser Papiere wegschmelzen“.

Die aktuelle Gesetzeslage würde folglich dazu führen, so Rürup, der heute das Handelsblatt Research Institute leitet, dass „eine kleine Gruppe von Versicherten, deren Verträge in der nächsten Zeit fällig werden als Folge des Zinsrutsches im Zuge der Eurokrise weit besser gestellt werden als diejenigen Versicherungsnehmer, deren Verträge vor zwei Jahren fällig wurden.“ Noch viel problematischer sei aber, dass durch den Zwang, nicht realisierte Buchgewinne auszuschütten viele nachfolgende Sparergenerationen zu Verlierern würden.

Dies ist laut Rürup „ein eklatanter Verstoß gegen das Prinzip einer intergenerativen Gleichbehandlung“. Der Rentenexperte spricht sich deshalb dringend dafür aus, das geltenden Recht anzupassen – nicht zugunsten der Versicherungsunternehmen, sondern im Interesse der Versichertengemeinschaft.

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