Lebensversicherungen: Cinven und Hannover Rück schnappen sich Heidelberger Leben

Lebensversicherungen: Cinven und Hannover Rück schnappen sich Heidelberger Leben

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Der Hauptsitz der Hannover Rück in Hannover. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer wird indirekt an der Heidelberger Leben beteiligt.

Der deutsche Versicherer Heidelberger Leben bekommt einen neuen Eigentümer. Die frühere MLP-Tochter wandert für 300 Millionen Euro zum Finanzinvestor Cinven und der Hannover Rück.

Der Finanzinvestor Cinven will in Deutschland groß in das Geschäft mit Lebensversicherungen einsteigen. Nach der am Mittwoch verkündeten Übernahme der Heidelberger Leben hält die europäische Beteiligungsgesellschaft Ausschau nach weiteren Leben-Beständen, die andere Versicherer loswerden wollen. "Wir sehen Dutzend von Zukaufsmöglichkeiten in Deutschland", sagte Cinven-Partner Caspar Berendsen. Trotz erster Kontakte zu verkaufswilligen Versicherern könne es einige Jahre dauern, bis die Konsolidierung wirklich in Gang komme. Doch ein Anfang ist mit der Heidelberger Leben gemacht, die noch der britischen Großbank Lloyds gehört.

Zusammen mit dem Rückversicherer Hannover Rück zahlt Cinven 300 Millionen Euro für die frühere MLP Leben, die mit fondsgebundenen Policen groß geworden war. Die Heidelberger Leben soll zur Plattform werden. Um weitere Bestände aufnehmen und abwickeln zu können, soll zunächst die Informationstechnik mit Hilfe der neuen Eigentümer für 25 Millionen Euro aufgerüstet werden. Ihr ohnehin schleppendes Neugeschäft - 2012 waren es 41 Millionen Euro - soll sie zurückfahren. "Es würde mich wundern, wenn sie in drei Jahren noch aktiv um neue Kunden würbe", sagte ein Branchenexperte. Die 600.000 Verträge von 300.000 Kunden waren vor allem über die Vertreter von MLP angeworben worden. 2012 hat Heidelberger Leben 28 Millionen Euro verdient. Der vor einem Jahr an Bord gekommene Vorstandschef Michael Sattler will an Bord bleiben.

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In Deutschland gibt es mehr als hundert Lebensversicherer, die meisten davon sind klein. In den vergangenen Jahren haben bereits mehr als ein halbes Dutzend von ihnen das Neugeschäft eingestellt, weil sie keine kritische Masse erreichten oder so schlecht gewirtschaftet hatten, dass sie keine attraktiven Renditen mehr bieten konnten. Dazu gehört die deutsche Tochter von Delta Lloyd (Hamburger Leben, Berlinische Leben), die die Niederländer schon einmal loszuschlagen versucht hatten. Die Victoria Leben ist in Ergo Leben aufgegangen. Und die von der Branche getragene Auffanggesellschaft Protektor verwaltet den schrumpfenden Bestand der in Schieflage geratenen Mannheimer Leben.

Je kleiner der Bestand, desto aufwendiger die Verwaltung. Cinven könnte hier Größenvorteile nutzen. Zudem versprechen fondsgebundene Lebensversicherungen stetige Provisionen von den Fondsanbietern - ohne Kapitalmarktrisiko, das Lebensversicherer gewöhnlich zu tragen haben. Eine ähnliche Strategie hatte Cinven in Großbritannien verfolgt. Die Beteiligungsgesellschaft hatte 2011 den Altersvorsorge-Anbieter Guardian Financial Services vom niederländischen Versicherer Aegon übernommen und den Bestand kurz darauf mit einem weiteren Zukauf fast verdoppelt.

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Die Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin steht noch aus. Sie legt Wert auf eine sichere finanzielle Basis. Um die Aufseher zu überzeugen, könnte Cinven der Einstieg der Hannover Rück nutzen, die für 30 Millionen Euro 20 Prozent an der Heidelberger Leben übernimmt. 120 Millionen schießt Cinven als Eigenkapital zu, der Rest wird kreditfinanziert. Der drittgrößte Rückversicherer sieht die Heidelberger Leben als reine Finanzbeteiligung. In der Vergangenheit hatte Hannover Rück häufiger Versicherer, die das Neugeschäft aufgegeben haben, gegen das Risiko abgesichert, dass ihre Kunden länger leben als erwartet.

Die 1991 gegründete MLP Leben hatte im Börsenboom um die Jahrtausendwende massenhaft fondsgebundene Policen an Kunden des Finanzvertriebs aus Heidelberg verkauft. Mit sinkenden Kursen verloren sie aber an Attraktivität. Nach einem Strategiewechsel verkaufte MLP die Tochter 2005 für gut 300 Millionen Euro an die britische Hypothekenbank HBOS, die später in Lloyds aufging. Die in der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank will sich auf ihren Heimatmarkt konzentrieren. Der Verkauf der Heidelberger Leben ist für sie ein Verlustgeschäft. Nach Angaben der Bank muss sie rund 380 Millionen Euro abschreiben. Vor zwei Jahren war der Wert der Heidelberger Leben noch auf gut eine Milliarde Euro taxiert worden.

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