Lebensversicherungen: Liebling, wir haben die Rendite geschrumpft

Lebensversicherungen: Liebling, wir haben die Rendite geschrumpft

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Die Lebensversicherer senken ihre Überschussbeteiligung.

von Niklas Hoyer

Der Renditeschwund in der Lebensversicherung geht weiter. Neue Zahlen zeigen, wie groß der Unterschied zwischen früher und heute ist. Umdenken ist nötig.

Die Nerven in der Lebensversicherungsbranche liegen blank. Offizielle Statements mögen das kaschieren. Doch tatsächlich steht die Branche unter gewaltigem Druck - und das aus gutem Grund.

Jüngster Beleg für die Anspannung: Selbst Branchenbeobachter legen sich schon miteinander an. So attackierte mit Professor Hermann Weinmann von der Fachhochschule Ludwigshafen ein eigentlich durchaus für branchenkritische Statements bekannter Experte kürzlich Axel Kleinlein, seines Zeichens Branchenkritiker und Vorstand des Bundes der Versicherten, einer Verbraucherschutzvereinigung. Weinmann warf Kleinlein einen "vermutlich ideologisch motivierten Verbalkrieg gegen die Branche" vor. Der wiederrum konterte, Weinmanns Äußerungen seien "mehr politischer und emotionaler als fachlicher Natur".

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Da war plötzlich Leben in der sonst oft langweilig anmutenden Welt der Lebensversicherer. Doch was steckt hinter der Anspannung? Zahlen mögen die Gemüter beruhigen. Das einzige Problem: Die Zahlen scheinen eher Ursache der angespannten Stimmung zu sein. So verkündete Marktführer Allianz am Nikolaustag wie viel, oder besser: wie wenig, den Kunden im kommenden Jahr auf ihre um Kosten geminderten Beiträge an Rendite gutgeschrieben wird. Eine schöne Bescherung: In den klassischen Lebens- und Rentenversicherungen mit Garantiezins beträgt die laufende Verzinsung im Durchschnitt nur noch 2,8 Prozent.

Sie setzt sich zusammen aus dem jeweiligen Garantiezins, der vom Jahr des Vertragsabschlusses abhängt, und der Überschussbeteiligung. Rechnet man im komplexen System Lebensversicherung alle anderen Überschussquellen, wie Schlussüberschüsse, hinzu, ergibt sich bei der Allianz eine Gesamtverzinsung von 3,4 Prozent. Auch das wären 0,3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Da stellt die Allianz lieber ihr neueres, im Vertrieb mittlerweile dominierendes Vertragsmodell Perspektive in den Vordergrund. Anders als bei den klassischen Verträgen gibt es hier nur eine geringere Garantie, dafür die Aussicht auf etwas mehr Rendite dank flexiblerer Geldanlage. Die laufende Verzinsung beträgt hier allerdings auch nur 2,9 Prozent, die Gesamtverzinsung 3,7 Prozent - ebenfalls -0,3 Prozentpunkte zum Vorjahr.

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Zugegeben: Das Absinken der Rendite ist nicht vorrangig eine Fehlleistung der Lebensversicherung. Sie sind schon aus regulatorischen Gründen dazu gezwungen, einen Großteil des Geldes für die Kunden in festverzinslichen Wertpapieren anzulegen. Und hier schlägt sich der allgemeine Zinsrückgang eben voll nieder.

Zudem steht die Allianz im Vergleich zu anderen Anbietern noch gut da. Bei der Victoria wird die Gesamtverzinsung 2017 nur noch 2,4 Prozent betragen, bei Ergo Leben 2,6 Prozent, bei Ergo Direkt 3,0, bei der Alten Leipziger 3,2 Prozent. Die Axa liegt - wie die klassischen Allianz-Policen - ebenfalls bei 3,4 Prozent. Viele andere Lebensversicherer haben ihre Zahlen noch nicht offengelegt. Der Trend aber ist klar: Es geht weiter abwärts.

Wie groß der Unterschied zwischen früher und heute ist, zeigt der neu veröffentlichte map-report. Dieser Zahlenvergleich der Branche wird von der Fachzeitschrift Versicherungsjournal ermittelt und bietet Einblicke in die erreichten und in Zukunft erwartbaren Leistungen. So erzielten Versicherte mit Verträgen, die Ende 2015 ausliefen, beim jeweils besten Anbieter über 12 Jahre 3,9 Prozent Beitragsrendite pro Jahr, über 20 Jahre 4,9 Prozent und über 30 Jahre gar 5,5 Prozent auf ihre gezahlten Beiträge.

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