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Libor und Euribor: Wen die Zinstricks der Banken treffen

von Jens Hagen Quelle: Handelsblatt Online

Der Skandal um mögliche Tricksereien bei den Referenzzinsen weitet sich aus. Die Ermittlungen betreffen nicht nur den Libor, sondern auch den Euribor. Anleger stellen sich die Frage, ob sie davon betroffen sind.

Automaten der Barclays Bank: Auch deutsche Anleger könnten von einem Manipulationsskandal betroffen sein. Quelle: Reuters
Automaten der Barclays Bank: Auch deutsche Anleger könnten von einem Manipulationsskandal betroffen sein. Quelle: Reuters


Der Rücktritt folgte prompt. Top-Manager Bob Diamond nahm seinen Hut, nachdem sein Institut von den Behörden in Großbritannien und den USA zu einer Geldstrafe in Höhe von 360 Millionen Euro verdonnert wurde. Barclays hatte falsche Angaben zur Festlegung des Referenzzinssatzes Libor gemacht.

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Der Zinsskandal dürfte für die Banken damit noch längst nicht ausgestanden sein. Wegen eines ähnlichen Vorgehens wird in mehreren Ländern gegen weitere weltweit tätige Banken ermittelt. Damit nicht genug: Bereits im Oktober vergangenen Jahres leitete die EU Untersuchungen zu einer Manipulation des anderen wichtigen Referenzzinses, dem Euribor ein. Der Euribor ist der Zinssatz, den führende Banken in der Euro-Zone für kurzfristiges Geld berechnen. "Die Untersuchung genießen höchste Priorität", sagt ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Das Volumen der auf dem Euribor basierenden Finanzprodukte wird auf weltweit 200 Billionen Euro geschätzt.

Im Falle einer Manipulation des Euribor wären auch zahlreiche deutsche Anleger betroffen. „Viele klassische Anlageprodukte basieren auf diesem Referenzzins“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. In einer Analyse für Handelsblatt Online können Bankkunden erkennen, bei welchen Produkten sie persönlich betroffen wären.

Was den Libor so wichtig macht

  • Für wen gilt der Libor?

    Grundsätzlich gilt der Libor für alle Kreditnehmer aus den folgenden Währungsräumen:

    - Australischer Dollar
    - Kanadischer Dollar
    - Neuseeland-Dollar
    - US-Dollar
    - Schweizer Franken
    - Dänische Krone
    - Schwedische Krone
    - Euro
    - Pfund Sterling
    - Yen

  • Was legt der Libor fest?

    Der Libor ist ein Angebotszins, also der Satz, zu dem Banken Geld verleihen können. Grundsätzlich gilt der Libor nur für Kredite mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu zwölf Monaten. Das heißt, er betrifft Optionen, Derivate und Termingeschäfte, aber auch den Kredit fürs neue Auto oder die Eigentumswohnung.

  • Wer bestimmt den Libor?

    Grundsätzlich legt die British Banker's Association (BBA) den Libor (London Interbank Offered Rate) jeden Tag aufs Neue fest. Die BBA saugt sich den Satz allerdings nicht einfach so aus den Fingern, sondern ermittelt einen Durchschnittssatz aus den Angaben verschiedener Banken. 19 Institute melden der BBA täglich, zu welchem Zinssatz sie sich untereinander Geld leihen.

  • Welche Banken stehen jetzt in der Kritik?

    Grundsätzlich gibt es derzeit einen Verdacht gegen alle 19 Banken, die ihre Zinssätze der BBA mitteilen. Barclays hat die Manipulationen bereits zugegeben, ermittelt wird des Weiteren gegen die Royal Bank of Scotland, die Deutsche Bank, die HSBC, die UBS, Citigroup und Lloyds.

Dispokredit

Banken nutzen den Euribor als Refernzzins vor allem bei Produkten mit flexibler Zinsgestaltung. „Sechzig bis siebzig Prozent der Banken orientieren sich beim Dispo am Euribor“, sagt Herbst. Der Rest würde sich vor allem wie die Deutsche Bank, ING Diba oder Comdirect am Leitzins der Europäischen Zentralbank orientieren. Andere Institute verwenden wie die Commerzbank den Referenzzins EONIA oder Mittelwerte verschiedener Pfandbriefsätze wie die Sparkasse Leipzig.

Am Euribor orientieren sich Preisbrecher wie die Deutsche Skatbank mit einem Dispozins in Höhe von 5,50 Prozent, DAB Bank (6,95 Prozent) oder 1822direkt (8,09 Prozent). Auch Großinstitute wie die Hypovereinsbank (Dispozins: 11,8 Prozent) und Postbank (12,69 Prozent) sowie viele Sparkassen, Sparda-Banken und PSD Banken wählen den Euribor als Vorgabe.

Wenn sich der Verdacht erhärtet und Banken den Zinssatz manipuliert hätten, wären Kunden also betroffen. Würden etwa Banken den Euribor mit falschen Angaben manipulieren, wäre das für Dispokunden von Vorteil. Langfristig würden die Sätze sinken. Die tatsächliche Ersparnis dürfte wegen der niedrigen Kreditsummen allerdings gering sein.

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