Medizinische Versorgung: Barmer will faire Preise für innovative Arzneimittel

Medizinische Versorgung: Barmer will faire Preise für innovative Arzneimittel

Die Krankenkassen versuchen seit langem vergeblich, die Kosten für innovative, aber teure Arzneimittel wie das Hepatitis-C-Präparat Sovaldi in den Griff zu bekommen. Barmer macht einen neuen Vorstoß.

Die Krankenkasse Barmer GEK will die hohen Einstiegspreise für innovative Arzneimittel eindämmen und dafür die Kosten-Nutzen-Bewertung neu regeln. Für Medikamente, die für die Versorgung der Patienten besonders wichtig sind, sollte es nach den Vorstellungen der Kasse künftig eine Schnellbewertung direkt bei Markteintritt geben. Spätestens nach fünf Jahren Praxistest solle dann eine erweiterte Kosten-Nutzen-Bewertung vorgenommen werden, erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Christoph Straub, am Mittwoch in Berlin.

Die Beiträge der zehn größten Krankenkassen

  • Platz 1

    TK – Techniker Krankenkasse
    Beitragssatz: 15,40 Prozent
    Öffnung: bundesweit
    Versicherte: 8.934.549

  • Platz 2

    Barmer GEK
    Beitragssatz: 15,50 Prozent
    Öffnung: bundesweit
    Versicherte: 8.645.196

  • Platz 3

    DAK-Gesundheit
    Beitragssatz: 15,50 Prozent
    Öffnung: bundesweit
    Versicherte: 6.238.879

  • Platz 4

    AOK Bayern
    Beitragssatz: 15,50 Prozent
    Öffnung: Bayern
    Versicherte: 4.349.229

  • Platz 5

    AOK Baden-Württemberg
    Beitragssatz: 15,50 Prozent
    Öffnung: Baden-Württemberg
    Versicherte: 3.936.317

  • Platz 6

    IKK Classic
    Beitragssatz: 15,40 Prozent
    Öffnung: bundesweit
    Versicherte: 3.542.098

  • Platz 7

    AOK Rheinland/Hamburg
    Beitragssatz: 15,50 Prozent
    Öffnung: Hamburg, Rheinland
    Versicherte: 2.871.156

  • Platz 8

    AOK Nordwest
    Beitragssatz: 15,50 Prozent
    Öffnung: Schleswig-Holstein, Westfalen
    Versicherte: 2.724.168

  • Platz 9

    AOK Plus
    Beitragssatz: 14,90 Prozent
    Öffnung: Sachsen, Thüringen
    Versicherte: 2.720.956

  • Platz 10

    AOK Niedersachsen
    Beitragssatz: 15,40 Prozent
    Öffnung: Niedersachsen
    Versicherte: 2.400.752
    Quelle: Kassensuche.de; Stand: Januar 2015

Auf diese Weise könnte der Preis für neue Medikamente sowohl nach medizinischer wie auch nach wirtschaftlicher Bedeutung fairer bestimmt werden, sagte Straub bei der Vorstellung des Arzneimittelreports 2015. Zugleich verwies der Barmer-Chef darauf, dass nicht nur sogenannte Fertigarzneimittel Preistreiber sein können. Auch die Rezepturen, die - meist bei Krebs - individuell für die Patienten angefertigt werden, würden immer wichtiger bei der Preisgestaltung.

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Seit der Arzneimittelmarktneuordnung (AMNOG) von 2011 müssen die Hersteller bei Einführung eines neuen Präparates einen Nachweis über dessen Zusatznutzen für Patienten erbringen. Haben Präparate einen solchen Zusatznutzen, sollen die Preise (Erstattungsbetrag) zwischen Hersteller und gesetzlichen Krankenkassen (GKV) innerhalb eines Jahres ausgehandelt werden. In diesem Zeitraum kann der Hersteller den Preis selbst bestimmen - sehr zum Ärger der Kassen.

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Nach dem Barmer-Vorschlag würden die Kassen zumindest bei absehbar hochpreisigen Präparaten direkt nach Markteinführung einen Einfluss auf die Preisgestaltung bekommen. Angewandt werden sollten diese neuen Bewertungsregeln nämlich bei Arzneimitteln mit einem absehbaren Jahresumsatz von mehr als 80 Millionen Euro. Derzeit verursachten diese wenigen „Blockbuster“ mit rund 6,64 Milliarden Euro etwas mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes der gesetzlichen Krankenkassen für patentgeschützte Fertigarzneimittel (12,25 Milliarden Euro).

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Auf individuelle Rezepturen entfallen laut Report der Krankenkasse inzwischen fast zehn Prozent des Arzneimittelumsatzes. Seit 2004 hätten sich die Kosten für die zumeist in Apotheken hergestellten Zubereitungen nahezu verdreifacht. Drei solcher Zubereitungen lägen in einem Barmer-internen Ranking unter den teuersten zehn Präparaten. Das Thema individuelle Zubereitungen „lag irgendwie im Schatten in den vergangenen Jahren“, sagte Straub.

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