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Methodik: Härtetest für die Lebensversicherung

von Niklas Hoyer

Wie Professor Jörg Finsinger die Renditechancen für Kunden der Lebensversicherer ermittelt.

Welche Lebensversicherer die attraktivsten Renditen bieten - Finsinger und sein Team ermitteln die Aussichten der Kunden. Quelle: dpa
Welche Lebensversicherer die attraktivsten Renditen bieten - Finsinger und sein Team ermitteln die Aussichten der Kunden. Quelle: dpa

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Seit 15 Jahren untersucht der Wiener Finanzwissenschaftler Jörg Finsinger exklusiv für die WirtschaftsWoche, welche Lebensversicherer künftig die höchsten Überschüsse an ihre Kunden auszahlen können. Dafür haben er und sein Team die Geschäftsberichte der 73 größten Gesellschaften ausgewertet und daraus Prognosen erstellt. Anders als Autoren anderer Versicherungsvergleiche schauen Finsinger und sein Team nicht auf vergangene Erfolge, sondern berechnen, welche Verzinsung der Versicherer mit seinen Kapitalanlagen in Zukunft erzielen kann (realistischer Zins auf Kapitalanlagen). Die Angabe der bisherigen Verzinsung (historischer Zins) dient nur zum Vergleich. Der historische Zins wurde nach dem strengen Niederstwertprinzip berechnet, also unter Ansatz des jeweiligen Zeitwertes für alle Kapitalanlagen.

Freies Kapital bringt Rendite

Da die zukünftige Kapitalverzinsung unbekannt ist, prognostiziert Finsinger sie mithilfe eines mathematischen Modells. Dazu ermittelt er für jeden Versicherer das frei verfügbare Kapital, das dieser nicht unmittelbar zur Abdeckung von Kundenansprüchen braucht. Dieses freie Kapital kann der Versicherer riskanter anlegen und deshalb damit einen höheren Zins erzielen als mit dem gebundenen Kapital (das Modell dahinter heißt return on risk adjusted capital, kurz Rorac). Im Ergebnis steigt die realistische Kapitalverzinsung eines Versicherers mit dem Anteil des freien Kapitals. Aufgrund der andauernden Niedrigzinsen hat Finsinger den angenommenen Zins auf sichere Anlagen in diesem Jahr auf 3,4 Prozent gesenkt, die angenommene Rendite für riskantere Anlagen wurde auf 6,4 Prozent gesenkt.

Kundensicht entscheidet

Zusätzlich ermitteln Finsinger und sein Team, welchen Anteil der Kundenbeiträge die Vertreter erhalten (Abschlusskostenquote) und wie stark die Versicherer ihre Kunden an den Erträgen beteiligen (Ausschüttungsquote). Auf Basis dieser Werte, also prognostizierter Zins auf die Kapitalanlagen, Kosten und Ausschüttungsquote, berechnet Finsinger eine Kennzahl, die angibt, wie leistungsfähig der Versicherer aus Kundensicht ist. Lebensversicherer mit besonders hoher Kennzahl bieten ihren Kunden vergleichsweise gute Anlagechancen. Um den Vergleich zu erleichtern, wird die Kennzahl jeweils mit dem Durchschnitt von 25 besonders wachstumsstarken Versicherern verglichen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.11.2011, 14:43 Uhralleswasrechtist.org

    Ich verstehe noch nicht ganz, warum "unser" HansF vergessen hat, nur kurz zu denken. Diese Modellberechnungen können keine Prognose per se sein sondern zeigen offensichtlich auf, welche Kapazität ein Versicherer überhaupt hat eine Rendite zu erwirtschaften und mit welchem Chance-Risiko-Verhältnis. Wenn ein Versicherer bescheissen will oder seine Kostenstuktur ändert, seinen Vertretern mehr auszahlt, Aktionären mehr Gewinn zuteilt etc. etc., dagegen kann niemand außer der Vorstand des Versicherers etwas ändern. Den KLV-Check gegenüberzustellen ist dagegen lächerlich. Deshalb, der Verstand sollte den Mund steuern und nicht umgekehrt ;-).
    mfg
    alleswasrechtist.org

  • 23.11.2011, 19:19 UhrHansF

    das ist ja wie Kaffeesatz lesen! Berücksichtigt dieses "mathematische Modell" auch den Umstand, dass Versicherer die erwirtschafteten Überschüsse lieber an ihre Aktionäre als ihre Kunden auszahlen??! Da verlasse ich mich aber lieber auf handfeste Renditeberechnungen a la KLV-Check und dessen Prognosen aus den jährlichen Wertmitteilungen.

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