Nachgerechnet: Wie Versicherer mit Rürup-Renten abkassieren

Nachgerechnet: Wie Versicherer mit Rürup-Renten abkassieren

, aktualisiert 15. Oktober 2012, 10:25 Uhr
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Bei der Rürup-Rente hilft Rechnen

von Gertrud HusslaQuelle:Handelsblatt Online

Die Rürup-Rente erlaubt es Selbstständigen, steuerbegünstigt fürs Alter zu sparen. Doch manchmal ist es eine Vorsorge für den Vertreter. Der Kunde dagegen sitzt in der Falle.

Carsten Röller*), 31 Jahre alt, hat sich sehr gewundert. Seit 2006 zahlt er in seine Rentenversicherung „Gerling Basisrente Dynamic“ ein, insgesamt rund 12.000 Euro bis jetzt. Doch laut Bescheid wurden gerade mal gut 6.000 Euro als Guthaben angesammelt. 301 Euro monatlich zahlt Röller künftig, die Beiträge steigen regelmäßig. Doch lohnt sich das für ihn, oder sorgt er hier eher für andere vor? Berechnen können Versicherte das auch selbst, wenn sie alle Daten haben. 

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Was hat er überhaupt abgeschlossen? Röller bekommt als Selbstständiger im Alter keine staatliche Rente. Deshalb hat ihm ein Vertreter zu dem Vertrag geraten, zu einer Rürup-Rente. Das heißt, der Staat hilft mit Steuererleichterungen in der Ansparphase, die im Lauf der Jahre immer höher werden. Doch von möglichen Steuererleichterungen sollte sich kein Sparer blenden lassen. 

Die HDI gibt nach Rückfrage Auskunft. Über 5.500 Euro Provision hat Röller bis jetzt bezahlt. Stolze 6,75 Prozent der gesamten Beitragssumme, die er in den vielen Jahren bis zur Rente einzahlt. Üblich sind eher vier Prozent.

Überblick: Das neue Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz

  • Anlass

    Die Regierung begründet die Änderungen bei der Riester-Rente so:
    „Die deutsche Gesellschaft steht, ähnlich wie diejenige anderer Industrieländer, vor starken und nachhaltigen demografischen Veränderungen. Sinkende bzw. dauerhaft niedrige Geburtenraten und eine zunehmende Lebenserwartung werden dazu führen, dass eine wachsende Zahl von Menschen im Rentenalter einer abnehmenden Zahl von Personen im aktiven Erwerbsleben gegenübersteht.“

    Quelle: Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz – AltvVerbG)

  • Verbraucher

    10 Jahre nach der Einführung der Riester-Rente und sieben Jahre nach Einführung der Basisrente zeige sich Anpassungsbedarf insbesondere in Hinblick auf den Verbraucherschutz.

  • Ziele

    – Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge
    – Vereinfachung der Eigenheimrente
    – Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes
    – Stärkung der Verbraucher im Markt
    – Verbesserung des Anlegerschutzes

  • Transparenz

    „Zur Erhöhung der Transparenz und der Vergleichbarkeit von geförderten Altersvorsorgeprodukten wird statt der bisherigen vorvertraglichen Informationspflichten ein verpflichtendes Produktinformationsblatt für alle Produktgruppen zertifizierter Altersvorsorgeverträge eingeführt. Dieses Produktinformationsblatt soll dem Verbraucher in gebündelter, leicht verständlicher und standardisierter Form einen Produktvergleich ermöglichen.“

  • Fördergrenzen

    bei der Basisversorgung im Alter:
    – Anhebung der Förderhöchstgrenze von 20.000 Euro auf 24.000 Euro
    – Verbesserung der steuerlich begünstigten Absicherung der Berufsunfähigkeit beziehungsweise verminderten Erwerbsfähigkeit

  • Riester-Rente

    – Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes bei Altersvorsorgeverträgen
    – Meldung bei Übertragungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs auch bei ausschließlich ungefördertem Altersvorsorgevermögen
    – Streichung der Bescheinigungspflicht der Erträge (§ 94 Absatz 1 EStG)
    – Verbesserungen bei der Ausgestaltung des genossenschaftlichen Riester-Anlageprodukts

  • Wohn-Riester (1)

    – jederzeitige Kapitalentnahme für selbst genutztes Wohneigentum in der Ansparphase
    – jederzeitige Einmal-Besteuerung des Wohnförderkontos während der Auszahlungsphase
    – Erleichterungen im Hinblick auf die Absicherung der weiteren Geschäftsanteile einer Genossenschaft
    – Flexibilisierung und Verlängerung des Reinvestitionszeitraums

  • Wohn-Riester (2)

    – Zulassung eines Altersvorsorge-Eigenheimbetrags zwischen 75 und 100 Prozent des geförderten Kapitals
    – Absenkung der jährlichen Erhöhung der in das Wohnförderkonto eingestellten Beträge von 2 auf 1 Prozent
    – rechtzeitiger Antrag auf Entnahme des Altersvorsorge-Eigenheimbetrags vor der Auszahlungsphase
    – Einbeziehung eines Umbaus zur Reduzierung von Barrieren in oder an der selbst genutzten Wohnung in die Eigenheimrenten-Förderung

Mit jeder Beitragserhöhung kassiert die Versicherung erneut Provisionen. Dazu kommen die Verwaltungskosten. Bei Rürup-Renten ist die Verwaltung aufwendiger, da sie besonders stark reglementiert sind. Für Röller betragen die Verwaltungskosten inzwischen über 300 Euro im Jahr.

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7 Kommentare zu Nachgerechnet: Wie Versicherer mit Rürup-Renten abkassieren

  • richtiger Ansatz, leider nicht konsequent weiter gedacht.

    Wenn Herr Röller nun seine übrigen 300 EUR monatlich nimmt und diese regelmßig in Silber und Gold steckt, hat er im Alter auch noch was handfestes und nicht nur bedruckte Baumwolle oder Zahlungsversprechen der Bank. Und den Inflationsausgleich haben die edlen Metalle auch gleich übernommen...

    Aber psst, nicht Herrn Tenhagen sagen...

  • Diese Beispielrechnungen enthalten gleich mehrere Fehler beim Vergleich Rüruprente - Sparplan.
    1. Während bei der Rüruprente der garantierte Mindestrentenfaktor herangezogen wird, wir beim Sparplan mit einer zu erwartenden Rendite gerechnet, hier werden also Äpfel mit Birnen verglichen. Die garantierten Rentenfaktoren liegen weit unter den zu erwartenden Rentenfaktoren.
    2. Auch bei den verwendeten Geldanlagen innerhalb der Rüruprente und des Fondssparplans sollten natürlich Äpfel mit Äpfel, also Fonds gleicher Anlageklassen und mit gleichen Vor-Kosten-Renditen verglichen werden.
    3. Die Steuereffekte der Rürup-Rente führen im Regelfall zu einer höheren möglichen Sparrate bei gleicher Nettobelastung. Bei einer steuerlichen Förderung von 30% können zum Beispiel bei gleicher Nettobelastung ca. 43% mehr angelegt werden.
    4. Eine seriöse Vergleichsrechnung zwischen Rüruprente und Sparplan muss folgende Faktoren berücksichtigen
    * Renditeerhöhung der Rüruprente durch den Steuervorteil in der Ansparphase
    * Renditereduktion der Rüruprente durch die Kosten bei geplanter Besparung bis Renteneintritt (dürfte bei diesem Vertrag etwa bei -1,2% p.a. liegen)
    • Renditeverlust des Fondssparplans durch Besteuerung in der Anspar- und in der Rentenphase
    • Renditeverlust der Rüruprente durch Besteuerung in der Rentenphase

    Schade dass hier nicht diese erforderlichen Kennziffern sauber und transparent nebeneinander gestellt werden. So viel Qualität kann man eigentlich von einem Artikel der Wirtschaftswoche erwarten.

  • Edelmetalle wie z.B. Gold sind genauso spekulationsabhängig. Heute kann auch keiner sagen, was das Metall denn genau wert ist, wenn es veräußert werden soll, weil man davon Brot und Butter kaufen will.

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