
Carsten Röller*), 31 Jahre alt, hat sich sehr gewundert. Seit 2006 zahlt er in seine Rentenversicherung „Gerling Basisrente Dynamic“ ein, insgesamt rund 12.000 Euro bis jetzt. Doch laut Bescheid wurden gerade mal gut 6.000 Euro als Guthaben angesammelt. 301 Euro monatlich zahlt Röller künftig, die Beiträge steigen regelmäßig. Doch lohnt sich das für ihn, oder sorgt er hier eher für andere vor? Berechnen können Versicherte das auch selbst, wenn sie alle Daten haben.
Bild: dpaRente mit 67 ab 2012
Der erste Jahrgang in Deutschland, der für die vollen Rentenbezüge bis zum 67. Lebensjahr arbeiten muss, ist der Geburtsjahrgang 1964. Diese Frauen und Männer sind heute 47 Jahre oder jünger. Das Regelalter für die abschlagsfreie Rente steigt schrittweise von Monat zu Monat an. Dadurch soll 2029 die Anhebung auf 67 Jahre erreicht sein.
Bild: dpaRentenbeginn wie vor 40 Jahren
Erst mit 65 in Rente? Für die Männer und Frauen des Jahrgangs 1945 nichts ungewöhnliches. Laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung verabschieden sich ganze 43 Prozent der Arbeitenden dieses Jahrgangs erst mit 65 Jahren aus dem Berufsleben. Ein solch hoher Prozentsatz wurde lange nicht erreicht. Der letzte Jahrgang, in dem so viele Menschen erst mit 65 in Rente gingen, war der von 1908. Damals waren es sogar 49 Prozent.
Bild: APLänger leben, länger Rentner sein
In den vergangenen 40 Jahren ist die Dauer, wie lange Rente bezogen wird, deutlich angestiegen. Während ein Bürger der Bundesrepublik 1970 im Schnitt 11 Jahre Rente bezog, waren es 2010 bereits über 18 Jahre. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen von etwa 70 auf rund 80 Jahre. Wer sich nicht ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlassen möchte, sollte schon in jungen Jahren über eine private Vorsorge nachdenken.
Bild: dpaKürzung bei der Hälfte der Neurentner
Aufgrund der erhöhten Regelaltersgrenze von 65 Jahren und einem durchschnittlichen Renteneinstiegsalter von 63 Jahren sind 2010 über die Hälfte der Neurentner 2010 mit Abschlägen in Rente gegangen. Dabei wird für jeden Monat, den man vor der Grenze in Rente geht, 0,3 Prozent vom Rentenanspruch abgezogen. Das summierte sich ordentlich...
Bild: dpa113 Euro weniger für einen frühen "Feierabend"
Früher in Rente gehen, mehr vom Lebensabend haben. Das wünschen sich viele Deutsche. Fast jeder zweite, der in Rente geht, nimmt für eine vorzeitige Altersrente Abschläge in Kauf. Doch mit der Erhöhung des Renteneinstiegsalters sind auch die durchschnittlichen Abschläge immer weiter gestiegen. Während Bundesbürger 1997 durchschnittlich knapp 18 Euro pro Monat an Brutto-Abschlägen für eine vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben in Kauf nehmen mussten, waren es 2010 bereits 113 Euro.
Bild: dpa„Normale Rente“ derzeit mit 63
Im Schnitt gehen die Deutschen heute mit 63 Jahren in Rente, wobei Frauen durchschnittlich einige Monate früher die Segel streichen als Männer. Rechnet man allerdings die Frührentner mit ein, so sinkt das durchschnittliche Rentenzugangsalter auf 60,7 Jahre.
Bild: dpaIm Osten ist früher Schluss
Wer in den neuen deutschen Bundesländern arbeitet, geht im Schnitt früher in Rente als in den alten Bundesländern. Während 2010 das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Co. bei 61 lag, kommen die neuen Bundesländer auf ein Durchschnittsalter von 59,2. Übrigens der gleiche Wert wie in der Bundesrepublik 1960.
Rente mit 67 ab 2012
Der erste Jahrgang in Deutschland, der für die vollen Rentenbezüge bis zum 67. Lebensjahr arbeiten muss, ist der Geburtsjahrgang 1964. Diese Frauen und Männer sind heute 47 Jahre oder jünger. Das Regelalter für die abschlagsfreie Rente steigt schrittweise von Monat zu Monat an. Dadurch soll 2029 die Anhebung auf 67 Jahre erreicht sein.
Was hat er überhaupt abgeschlossen? Röller bekommt als Selbstständiger im Alter keine staatliche Rente. Deshalb hat ihm ein Vertreter zu dem Vertrag geraten, zu einer Rürup-Rente. Das heißt, der Staat hilft mit Steuererleichterungen in der Ansparphase, die im Lauf der Jahre immer höher werden. Doch von möglichen Steuererleichterungen sollte sich kein Sparer blenden lassen.
Die HDI gibt nach Rückfrage Auskunft. Über 5.500 Euro Provision hat Röller bis jetzt bezahlt. Stolze 6,75 Prozent der gesamten Beitragssumme, die er in den vielen Jahren bis zur Rente einzahlt. Üblich sind eher vier Prozent.
Überblick: Das neue Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz
Anlass
Die Regierung begründet die Änderungen bei der Riester-Rente so:
„Die deutsche Gesellschaft steht, ähnlich wie diejenige anderer Industrieländer, vor starken und nachhaltigen demografischen Veränderungen. Sinkende bzw. dauerhaft niedrige Geburtenraten und eine zunehmende Lebenserwartung werden dazu führen, dass eine wachsende Zahl von Menschen im Rentenalter einer abnehmenden Zahl von Personen im aktiven Erwerbsleben gegenübersteht.“Quelle: Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der steuerlichen Förderung der privaten Altersvorsorge (Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz – AltvVerbG)
Verbraucher
10 Jahre nach der Einführung der Riester-Rente und sieben Jahre nach Einführung der Basisrente zeige sich Anpassungsbedarf insbesondere in Hinblick auf den Verbraucherschutz.
Ziele
– Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge
– Vereinfachung der Eigenheimrente
– Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes
– Stärkung der Verbraucher im Markt
– Verbesserung des AnlegerschutzesTransparenz
„Zur Erhöhung der Transparenz und der Vergleichbarkeit von geförderten Altersvorsorgeprodukten wird statt der bisherigen vorvertraglichen Informationspflichten ein verpflichtendes Produktinformationsblatt für alle Produktgruppen zertifizierter Altersvorsorgeverträge eingeführt. Dieses Produktinformationsblatt soll dem Verbraucher in gebündelter, leicht verständlicher und standardisierter Form einen Produktvergleich ermöglichen.“
Fördergrenzen
bei der Basisversorgung im Alter:
– Anhebung der Förderhöchstgrenze von 20 000 Euro auf 24 000 Euro
– Verbesserung der steuerlich begünstigten Absicherung der Berufsunfähigkeit beziehungsweise verminderten ErwerbsfähigkeitRiester-Rente
– Verbesserung des Erwerbsminderungsschutzes bei Altersvorsorgeverträgen
– Meldung bei Übertragungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs auch bei ausschließlich ungefördertem Altersvorsorgevermögen
– Streichung der Bescheinigungspflicht der Erträge (§ 94 Absatz 1 EStG)
– Verbesserungen bei der Ausgestaltung des genossenschaftlichen Riester-AnlageproduktsWohn-Riester (1)
– jederzeitige Kapitalentnahme für selbst genutztes Wohneigentum in der Ansparphase
– jederzeitige Einmal-Besteuerung des Wohnförderkontos während der Auszahlungsphase
– Erleichterungen im Hinblick auf die Absicherung der weiteren Geschäftsanteile einer Genossenschaft
– Flexibilisierung und Verlängerung des ReinvestitionszeitraumsWohn-Riester (2)
– Zulassung eines Altersvorsorge-Eigenheimbetrags zwischen 75 und 100 Prozent des geförderten Kapitals
– Absenkung der jährlichen Erhöhung der in das Wohnförderkonto eingestellten Beträge von 2 auf 1 Prozent
– rechtzeitiger Antrag auf Entnahme des Altersvorsorge-Eigenheimbetrags vor der Auszahlungsphase
– Einbeziehung eines Umbaus zur Reduzierung von Barrieren in oder an der selbst genutzten Wohnung in die Eigenheimrenten-Förderung
Mit jeder Beitragserhöhung kassiert die Versicherung erneut Provisionen. Dazu kommen die Verwaltungskosten. Bei Rürup-Renten ist die Verwaltung aufwendiger, da sie besonders stark reglementiert sind. Für Röller betragen die Verwaltungskosten inzwischen über 300 Euro im Jahr.
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