Nachhaltigkeitsfonds: Schwierige Suche nach nachhaltigen Investments - Seite 2

Nachhaltigkeitsfonds: Schwierige Suche nach nachhaltigen Investments

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Grüne Fabrik Quelle: Martin Haake
Grüne Fabrik Quelle: Martin Haake

Von 1000 Bundesbürgern würde jeder zweite ein nachhaltiges Anlageprodukt kaufen. Das ergab jüngst eine Befragung durch YouGovPsychonomics. Die meisten Teilnehmer wussten allerdings nicht, was genau darunter zu verstehen ist. Und doch: „Wer Nachhaltigkeit nur als Marketing ansieht, wird es beim Anleger schwerer haben“, sagt Gerd Bennewirtz, Chef des Fondsvertriebs SJB Fondsskyline in Korschenbroich. In den 5000 Kundendepots seines Hauses liegen 109 verschiedene Ökofonds. Weil Fragen von Kunden zu BP kamen, hat SJB ermittelt, dass in 15 Fonds auch nach dem Untergang der Ölplattform die BP-Aktie steckte.

Auch die Kölner Fondsgesellschaft Monega hatte bei ihrem Fair-Invest-Aktienfonds in BP investiert und gelobt jetzt Besserung. „An die Ölbranche werden wir künftig deutlich strengere Maßstäbe anlegen“, sagt Katharine Trimpop, Nachhaltigkeitsexpertin bei Monega.

Nachhaltigkeitsfonds sind gefragt, weil sie nicht nur ein gutes Gewissen, sondern auch eine bessere Wertentwicklung versprechen. Laut Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung haben nachhaltige Fonds seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 genauso gut abgeschnitten wie herkömmliche Anlagen. Je pingeliger die Nachhaltigkeitskriterien waren, desto besser waren die Ergebnisse. Seit Auflage im August 1999 lief der DJSI-Index mit einem Minus von neun Prozent etwas besser als der Welt-Aktienindex MSCI Welt, der zehn Prozent verlor.

Prosperierende Industrie

Aus einer Nische für Ökofundamentalisten ist längst ein für viele lukrativer Geschäftszweig geworden. Beratungsunternehmen, die sich auf spezielle Nachhaltigkeitsanalyse konzentrieren, tummeln sich hier ebenso wie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Lobbygruppen, Ratingagenturen und Universitäten. Nachhaltigkeitsstudien und -berichte von Unternehmen füllen Hunderte von Seiten. Weltweit werden geschätzt fünf Billionen Euro nach nachhaltigen Kriterien angelegt – vor allem von Kirchen, Stiftungen oder Pensionskassen. Unternehmen, die aus Nachhaltigkeitsindizes herausfallen, haben viel weniger potenzielle Investoren.

Unternehmen tun deshalb viel, um als besonders nachhaltig zu gelten. BMW etwa begründete den Ausstieg aus der Formel 1 mit einer neuen Nachhaltigkeitsstrategie; die Postbank will künftig durch bessere Heizanlagen 4500 Tonnen weniger Kohlendioxid in die Luft pusten; die Deutsche Bank baut ihre Türme zu Null-Energie-Hochhäusern um – und in der Kantine der Versicherungskammer Bayern müssen die Mitarbeiter donnerstags auf Fleisch verzichten. Auch das soll die Emission von CO2 vermeiden.

Besser selber machen

Viele Fondshäuser, die spät auf den Nachhaltigkeitstrend aufgesprungen sind, bilden schlicht einen Index ab. Fallen wie bei BP vermeiden Häuser, die selbst intensiv Nachhaltigkeitsanalyse betreiben. Viel Erfahrung haben hier Schweizer Häuser wie Sarazin, Swisscanto und Dr. Höller. Bei Swisscanto durchkämmen Fondsmanager die Unternehmen stets anhand von über 100 Nachhaltigkeitskriterien aus Umwelt- und Sozialstandards. Bei dem Mischfonds Swisscanto GreenInvest Balance (siehe Tabelle) verzichtet Fondsmanager Pascal Schuler zudem auf Öl, Luftfahrt und Waffen. Zu den größten Aktienpositionen im Fonds gehören der hessische Solarausrüster SMA Solar sowie der größte österreichische Wasserkraft-Versorger namens Verbund.

Bei der Dr. Höller Vermögensverwaltung diskutiert ein sechsköpfiges Ethikkomitee aus Wissenschaftlern und Branchenexperten monatlich in einer Telefonkonferenz über einzelne Unternehmen, zweimal jährlich treffen sich die Experten in Zürich. Kürzlich stand Siemens zur Diskussion. Solange nicht klar ist, wie der Konzern mit der Atomtechnik umgeht, bleibt die Aktie draußen. „Wir wollen die Messlatte hoch ansetzen, sonst unterscheiden wir uns zu wenig von herkömmlichen Fonds“, sagt Roman Limacher aus der Dr.-Höller-Geschäftsleitung. Klare Maßstäbe helfen, Verluste zu vermeiden: Griechenland-Bonds, denen die Schuldenkrise zugesetzt hatte, waren nie in den Höller-Fonds. Den Managern war Athens Militärbudget schlicht zu hoch. 

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.02.2011, 15:16 UhrAnonymer Benutzer: ökofreak

    Zum Thema nachhaltiges investment siehe auch die Website www.handle-fair.de. Dort findet man eine Übersicht von Nachhaltigkeitsfonds. Ausschlusskriterien der einzelnen Fonds, wie Atom- und Kernenergie, Waffen/Rüstung, Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzungen, Gentechnik, Tierversuche und viele mehr, werden hier dezidiert aufgezeigt: http://www.handle-fair.de/faires-investment/nachhaltigkeitsfonds.html

  • 18.11.2010, 12:07 UhrAnonymer Benutzer: Anja

    zu den Grundlagen ethisch-nachhaltiger Geldanlagen sh. auch http://www.nachhaltige-investments.4lima.de bzw. dortige Links.

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