Negative Realzinsen: Wer spart, verliert mehr, als er glaubt

Negative Realzinsen: Wer spart, verliert mehr, als er glaubt

Weil die Inflation die Zinsen übersteigt, verlieren deutsche Sparer pro Jahr 14 Milliarden an Kaufkraft. Das trifft Sparkonten, aber auch Altersvorsorge und Versicherungen. Dort nehmen die Probleme zu.

Bereits vor knapp zwei Jahren brachte der Schweizer Star-Investor Felix Zulauf die Situation der Anleger in der Niedrigzinsphase im Gespräch mit der WirtschaftsWoche auf den Punkt. „Im Prinzip kann man in diesem Umfeld nur spekulieren oder versuchen, das Geld irgendwie zu sichern. Etwas anderes gibt es nicht mehr“, sagte Zulauf. „Das sind keine Voraussetzungen, um langfristig Geld anzulegen. Wir stehen am Anfang von gewaltigen Gewitterstürmen mit Blitzen, Überschwemmungen und Bergstürzen. Nass werden wir alle werden. Da kommt keiner trocken durch. Entscheidend ist, dass man nicht dort steht, wo der Blitz einschlägt, die Überschwemmung kommt oder der Bergsturz erfolgt.“

Tatsächlich birgt das niedrige Zinsniveau vor allem auf Dauer reichlich Sprengstoff. Der Umfang, in dem die niedrigen Zinsen gepaart mit Inflation und Steuern auf Geldanlagen die Vermögen schmälern, ist nun erstmals beziffert. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) hat die Dekabank und das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) ausrechnen lassen, wie Sparer und Vermögende von den negativen Realzinsen betroffen sind. Das Ergebnis ist alamierend: Jährlich verlieren Sparer und Vermögende rund um den Globus mehr als 100 Milliarden Euro an Kaufkraft. Derzeit liegen laut Weltbank in 23 Ländern die Zinsen für Sparer unter der Inflationsrate. In diesen Ländern wird das Vermögen real verringert und der Sparer quasi enteignet.

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Quelle: Brad Trent

Deutschland besonders betroffen

Für Deutschland veranschlagt die Dekabank die Einbußen der Sparer durch negative Realzinsen allein bei Bargeld, Tagesgeld, Girokonten und Ersparnissen auf rund 14,3 Milliarden Euro im Jahr. Das entspreche 0,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts, sagte Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Ohne das Bargeld - das ohnehin immer Inflationsverluste erleidet, weil es unverzinst bleibt - liegen die Kaufkraftverluste bei zehn Milliarden jährlich.

Der massive Wertverlust hat seine Ursache unter anderem in der Niedrigzinspolitik der Notenbanken im Zuge von Finanzkrise und Eurorettung. Während die Inhaber von Geldvermögen auf der Verliererseite stehen, zählen die Schuldner aller Art, also auch die Staaten, zu den Gewinnern dieser Entwicklung. Nach Berechnungen des IW habe etwa der deutsche Staat zwischen 2009 und 2012 wegen des niedrigen Zinsniveaus rund 62 Milliarden Euro eingespart. Deutschland konnte im Zuge der Eurokrise die niedrigen Zinsen somit gut nutzen, um zinsgünstig umzuschulden. Auf dem Höhepunkt der Krise, als ein Schuldenschnitt Griechenlands verhandelt wurde, wies die einjährige Bundesanleihe sogar einen negativen Zins aus. Das heißt, Anleger, die der deutschen Staatskasse Geld liehen, zahlten dafür auch noch einen Obulus, anstatt Zinsgewinne zu kassieren.

Aber nicht nur Inhaber von Sparkonten, sondern auch die private Altersvorsorge, Stiftungen, Pensionskassen und Lebensversicherungen sind betroffen, weil sie vorrangig festverzinslich und damit sicher das Geld ihrer Kunden anlegen müssen. Knapp 90 Prozent der Lebensversicherten-Gelder stecken in festverzinslichen Anlagen. Weil deren Verzinsung sinkt, haben die Versicherer damit begonnen, ihre Renditezusagen zurückzufahren. Die Allianz Leben hat als einer der Vorreiter die laufende Verzinsung für Lebensversicherungsverträge auf 3,6 Prozent gesenkt. Wer bis zum Vertragsende durchhält - das sind nur die wenigsten Kunden - bekommt eine Belohnung, den Schlussüberschuss. Zusammen mit der Beteiligung an den Bewertungsreserven bietet die Allianz ihren Kunden 2013 insgesamt 4,2 Prozent Zins. Für 2012 waren es immerhin noch 4,5 Prozent.

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Die Branche hat längst damit begonnen, die Zinsversprechen zu drücken. Die Alte Leipziger kündigte insgesamt 4,05 Prozent Zins an. Die laufende Verzinsung für 2013 soll mit 3,35 Prozent einen halben Prozentpunkt unter dem Vorjahreswert liegen. Die DEVK schüttet Kunden eine Überschussbeteiligung in Höhe von vier Prozent aus, 0,1 Prozentpunkte weniger als 2012. Inklusive Schlussüberschuss und Bewertungsreserven erhöht sich die Verzinsung je nach Vertrag auf 4,2 bis 4,5 Prozent. Die Düsseldorfer Ergo Versicherung zahlt bei Ergo Leben nur noch eine laufende Verzinsung von 3,2 Prozent (2012: 3,8 Prozent). Hinzu kommen 0,35 Prozent aus Schlussüberschuss und Bewertungsreserven. Kunden der zu Ergo gehörigen Victoria Leben erhalten nur noch mickrige drei Prozent aus Garantiezins und laufender Verzinsung (2012: 3,5 Prozent). Inklusive Schlussüberschuss und Bewertungsreserven zahlt die Victoria Leben 2013 eine Gesamtverzinsung von 3,35 Prozent (2012: 3,85).

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