Neue Ratings: Zertifikate unter der Lupe

Neue Ratings: Zertifikate unter der Lupe

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Herber Rückschlag

Was bringen Zertifikate, wie sicher sind die Papiere? Neue Ratings sollen Anlegern helfen, die Fragen nach Rendite und Bonität zu beantworten.

Wenn Sasa Perovic auf seinen Bildschirm schaut, sieht er endlose Zahlenkolonnen. Der Chefanalyst der Ratingagentur Scope jagt derzeit Daten von 140.000 verschiedenen Zertifikaten durch die Agentur-Rechner, um die Papiere auf Herz und Nieren zu prüfen. Wenn Perovic dann daran denkt, dass ganz normale Sparer ihr Geld in derart komplizierte Wertpapiere stecken, kommt er schon ins Grübeln. „Würden sich Anleger nur auf die Hochglanzbroschüren der Emissionsbanken verlassen, hätten sie kaum eine Chance, das passende Papier für ihr Depot zu finden“, sagt er. Wer die besten Papiere finden will, braucht mehr als nur die bunten Bilder der Banken.

Analysen, wie Scope sie anbietet, stoßen auf ein zahlungskräftiges Publikum: 130 Milliarden Euro haben die Deutschen in Bonuspapieren, Discounts, Garantieanleihen und anderen Zertifikaten investiert; mehr als in jedem anderen Land.

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Die von notleidenden US-Hypotheken ausgelöste Finanzkrise hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wichtig es ist, gute von schlechten Zertifikaten zu unterscheiden. Denn ob Sparer wollen oder nicht: Wenn sie Zertifikate kaufen, sind sie mitten drin im Karussell des weltweiten Investmentbankings – und wer hier nicht aufpasst, kann bitter draufzahlen.

Es ist kein Zufall, dass genau die Geldhäuser, die mitten im Strudel der Finanzkrise stecken, zugleich mit Zertifikaten dick im Geschäft sind: Mehr als fünf Milliarden Dollar Verlust machte die amerikanische Citigroup im ersten Quartal dieses Jahres. Bei der Schweizer UBS sind es elf Milliarden Franken. Neun Milliarden Dollar schreibt die Investmentbank Merrill Lynch ab, die Deutsche Bank rutscht mit 141 Millionen Euro ins Minus.

Verbriefte Derivate und Zertifikate

Die Wirkungskette geht so: Eine Bank, die stark im Investmentbanking und im Derivate- und Verbriefungsgeschäft für Großanleger ist, wird sich auch vom lukrativen Zertifikategeschäft mit Privatanlegern ein dickes Stück vom Kuchen sichern. Kippen die verbrieften Derivate – so wie in der Subprime-Krise beobachtet –, haben genau diese Banken ein Problem. Und das könnte dann auch die privaten Zertifikatebesitzer nervös machen.

Die Zertifikatebanken weisen das natürlich von sich. „Ich kann nicht feststellen, dass Zertifikate die nächste Baustelle der Finanzkrise werden“, sagt Andreas Schmitz, Chef des Düsseldorfer Geldhauses HSBC Trinkaus & Burkhardt, einer der mittelgroßen Adressen im Geschäft mit den schnellen Papieren. „Die meisten Anleger sehen keine Verbindung zwischen der Finanzkrise und dem Zertifikatemarkt“, sagt Ralph Stemper, Zertifikate-Experte der Commerzbank.

Und dennoch lahmt das Zertifikategeschäft zurzeit: Die Zertifikate-Umsätze an deutschen Börsen waren im April mit 10,8 Milliarden Euro so mager wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Das angelegte Volumen – im Fachjargon Open Interest genannt – ist von Spitzenwerten von über 140 Milliarden Euro auf unter 130 Milliarden abgerutscht. Die Zeiten hoher zweistelliger Wachstumsraten, so die Prognose von Jens Kleine von der Steinbeis Hochschule in Berlin, sind Vergangenheit.

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