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Neue Studie: Erwerbsminderungsrentner stark von Armut bedroht

Eine Studie der Deutschen Rentenversicherung zeigt: 1,6 Millionen Rentner und ihre Familien sind überdurchschnittlich stark von Armut bedroht. Sie befinden sich in einer "prekären Einkommenslage".

An letzter Stelle stehen die Krankheiten des Kreislaufsystems, also zum Beispiel Herzinfarkte, Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen. An ihnen erkrankten im Jahr 2010 18.068 Personen (10,0 Prozent). Interessant: mehr als die Hälfte der Erkrankten sind männlichen Geschlecht - gleich 13.023 Männer.

Bild: dpa

Die gut 1,6 Millionen Rentner mit einer Erwerbsminderung und ihre Familienmitglieder sind überdurchschnittlich stark von Armut bedroht. Das zeigt eine neue Studie der Deutschen Rentenversicherung, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt. Danach sind 37 Prozent der Personen, die in Haushalten von Erwerbsminderungsrentnern leben, von Armut gefährdet.

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Bezogen auf die Gesamtbevölkerung sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur 15,8 Prozent der Einwohner von Armut bedroht. Für die Statistiker ist dies der Fall, wenn jemand weniger als 952 Euro im Monat zum Leben hatte.

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In der Untersuchung heißt es: Ein beachtlicher Teil der Erwerbsminderungsrentner und ihrer Haushaltsmitglieder befinde sich in einer "prekären Einkommenslage". Mit einer durchschnittlichen Höhe von 660 Euro monatlich biete diese Rente allein "in der Regel keine ausreichende Absicherung des Haushalts".

Auf eine zusätzliche Vorsorge, wie eine private oder betriebliche Rente, könnten aber "jeweils nur circa ein Zehntel der Betroffenen zurückgreifen". Überdurchschnittlich stark von einer materiellen Notlage betroffen seien alleinlebende Männer, Haushalte mit Kindern, Zuwanderer und Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss. Laut der Studie muss mittlerweile ein Viertel der Haushalte von Erwerbsminderungsrentnern staatliche Leistungen wie Wohngeld, Hartz IV, Grundsicherung oder Sozialhilfe beziehen.

Leistungen nach Rentenreform 2001 gesunken

Die Forscher führten dies dem Zeitungsbericht zufolge vor allem auf die nach der Rentenreform von 2001 gesunkenen Leistungen zurück. So hätten Neurentner mit einer Erwerbsminderung im Jahr 2000 durchschnittlich 706 Euro bekommen. 2010 seien es nur noch 600 Euro gewesen.

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Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, sagte der Zeitung: Bei der Studie handele es sich um "erste Projektergebnisse". Er bewertete es positiv, dass die Bundesregierung in ihrem Rentenpaket eine Verbesserung der sozialen Absicherung von Erwerbsminderungsrentnern vorsieht. Es sei daher wichtig, noch in dieser Legislaturperiode eine entsprechende Regelung zu verabschieden. Sie soll Erwerbsminderungsrentnern im Schnitt in knapp 20 Jahren etwa 45 Euro mehr Rente bringen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hält dies für nicht ausreichend. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte: "Kranke Frührentner sind in Not, weil ihre Gesundheit ruiniert worden ist, sie sich keine ausreichende Alterssicherung aufbauen konnten und auch noch mit Rentenabschlägen bestraft werden." Durch das sinkende Rentenniveau werde sich ihre Situation noch verschärfen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.10.2012, 19:21 UhrAuswandern

    zur Info: der Beamtenbund argumentiert immer so, dass die Pensionen zeitgleich auch Betriebsrentenanteile enthalten. Also eine kombination darstellen.

    aber ansonsten geb ich Ihnen Recht: die Absenkung auf 43% Rentenniveau wird DE ans Ende der OECD katapultieren, obwohl die OECD DE mehrfach gesagt hat, man muss die Renten für Geringverdiener stabilisieren.

    in den meisten Ländern sind Geringverdiener besser vor Armut geschützt, z.B. bekommen die in der Schweiz 80% des letzten Gehalts um die Lücke zur Armut zu schließen. Sowas gab es in DE auch mal - wurde Hinwegreformiert. Andere wie die Niederlande haben eine Einheitsgrundrente von 1100 Euro, die für alle zumindest eine Basis schaffen, die gearbeitet haben, selbst Teilzeitarbeit reicht dafür aus!Dadurch werden insb. Frauen vor Armut geschützt!

    es kann nicht angehen, dass man in DE nachher gearbeitet hat und eine Rente von 670 Euro/Sozialhilfe erhält.

    vor allem wurden in DE die Renten durch mehrere Faktoren abgesenkt, die immer nicht berücksichtigt werden:

    1. durch die Lohnzurückhaltung seit 2000, in dieser Zeit stiegen z.B. in Dänemark die Reallöhne um 19%, in Australien um 22%, in DE sanken sie um 0,8%.
    2. die Rentenreformen und Kürzungen, die munter weiter betrieben werden auf 43%
    3. die prekären Beschäftigungsverhältnisse, fehlende Mindestlöhne und zuviele Minijobs
    4. durch die ständige Absenkungen der Rentenbeiträge
    5. hinzu kommen noch Konstrukte wie Entgeltumwandlungen, die die Altersrente absenken.
    6. die Verlängerung auf 67 werden sich viele Leute wieder durch sinkende Rente erkaufen, weil viele dann im Alter Teilzeit arbeiten werden.

    wenn DE nicht in der Lage ist, für Arbeitnehmer eine vernünftige Rente hinzukriegen, dann werden immer mehr Junge Leute das Land verlassen. Meine Schwester erzieht ihre Kinder bereits gezielt in die Richtung, dass sie notfalls nachher auswandern können, falls es hier weiter so nach unten geht. Wenn sie das Problem nicht lösen, werden viele abhauen. Anderswo gehts.

  • 19.10.2012, 09:54 UhrVerySeriousSam

    Und wie viele Pensionäre waren in dieser Lage? Derzeit liegt die Durchschnittspension bei ca. 2500€, die Durchschnittsrente bei ca. 960€. Letztere wird real noch weiter abgesenkt. Erstere steigt real noch weiter.

    Seit vielen Jahren werden die Renten brachial nach unten gedrückt, während die Pensionen unangetastet bleiben. Die bereits im aktiven Berufsleben große Schere bei den Nettoeinkommen zugunsten der Beamten klafft dadurch im Ruhestand noch viel weiter auf.

    Es wäre schön, würden Fachmedien wie die WiWo diese Fakten mal stärker thematisieren.

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