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Niedrige Zinsen: Lebensversicherungen lohnen nicht mehr

Quelle: Handelsblatt Online

Lebensversicherungen sind längst keine lohnende Altersvorsorge mehr. Viele Angebote können nicht einmal die Inflation ausgleichen. Für Versicherer ist diese Entwicklung bedrohlich - die Kunden weichen auf Anleihen aus.

Niedrige Zinsen schaden der Altersvorsorge. Quelle: dpa
Niedrige Zinsen schaden der Altersvorsorge. Quelle: dpa

HamburgLebens- und Rentenversicherungen werden für die Kunden immer unrentabler: 2012 fällt die laufende Verzinsung im Durchschnitt erstmals unter die Marke von vier Prozent und damit auf den historisch niedrigsten Stand, wie eine neue Studie der Rating-Agentur Assekurata ergeben hat. „Man kann niemandem empfehlen eine Lebens- oder Rentenversicherung abzuschließen, denn die Rendite gleicht in vielen Fällen nicht einmal mehr die Inflationsrate aus“, sagt Thorsten Rudnik, Vorstand beim Bund der Versicherten (BdV).

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Der Assekurata-Studie zufolge fällt die durchschnittliche jährliche Verzinsung gegenüber dem Vorjahr bei allen Tarifgenerationen und Produktarten von 4,09 Prozent auf 3,94 Prozent. Auch die Gesamtverzinsung inklusive aller Überschussanteile ist rückläufig. Sie sinkt bei der Kapitallebensversicherung auf 4,73 Prozent (2011: 4,93 Prozent) und bei der privaten Rentenversicherung auf 4,66 Prozent (2011: 4,78 Prozent). Im Vergleich dazu erhielten Kunden noch vor zehn Jahren eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich sieben Prozent. „Der Abwärtstrend bei der laufenden Überschussbeteiligung hat sich beschleunigt“, sagt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.

Grund dafür sei die Situation auf dem Kapitalmarkt mit Niedrigzinsen und der schlechteren Bonität von Rentenpapieren. Und auch langfristig dürfte sich die Situation eher verschlechtern. Für 2013 geht Assekurata aufgrund des schwierigen Kapitalmarktes von weiter sinkenden Überschussbeteiligungen aus. Das bestätigt auch BdV-Experte Rudnik: „Die Aussichten für die Versicherungsgesellschaften sind schlecht, es wird für sie immer schwieriger, attraktive Renditen zu erwirtschaften“.

Das bekommen auch die Versicherten zu spüren. Zum Jahresbeginn wurde der Garantiezins für Neukunden von bisher 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent gesenkt. Der BdV befürchtet, dass die garantierte Kapitalzahlung zu Rentenbeginn bei vielen Lebens- und Rentenversicherungsangeboten geringer ausfallen wird als die Summe der eingezahlten Beiträge. Die niedrigeren Zinserträge würden oft nicht einmal mehr die Kosten decken. Unattraktiv seien die Angebote insbesondere für Ältere, da ihnen oft weniger Monatsrente sicher sei als sie an Beiträgen aufbringen müssten. Rund 50 Prozent der Lebensversicherung wird vor Ablauf gekündigt.


Es drohen hohe Einbußen

Eine Kündigung will aber gut überlegt sein, denn den Kunden drohen hohe Einbußen. Bei finanziellen Engpässen kann es sinnvoller sein, den Vertrag vorübergehend beitragsfrei zu stellen oder ein Policendarlehen zu nutzen, dass bis zur Höhe des maximalen Rückkaufswertes gewährt wird. Wer sich dennoch von seiner Lebensversicherung trennen will, kann sie auch am Zweitmarkt verkaufen und erhält dann meist zwei bis vier Prozent mehr als bei den Versicherungen. Allerdings werden längst nicht alle Policen aufgekauft. Zudem empfiehlt es sich, die Angebote genau prüfen, da auch viele unseriöse Aufkäufer am Markt agieren.

Wer vor 2005 eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, sollte sie aber möglichst behalten. Denn sobald die Vertrag zwölf Jahre gelaufen ist und der Inhaber zum Auszahlungszeitpunkt mindestens 60 Jahre alt ist, sind die Erträge in den meisten Fällen steuerfrei.

Zwtl: Alternative Angebote prüfen Laut BdV bietet der Kapitalmarkt bessere Anlagemöglichkeiten als eine Lebens- oder Rentenversicherung. „Wer in attraktive Tages- und Festgeldangebote oder gute Unternehmensanleihen investiert, der wird damit in der Regel besser fahren als mit einer teuren Lebensversicherung und ist zudem flexibler“, sagt Rudnik. Immerhin gibt es für Tagesgeld nach einem aktuellen Vergleich der Finanzportals FMH aktuell bis zu 2,85 Prozent Zinsen, bei Sparbriefen mit fünfjähriger Anlagedauer sind es bis zu 4,45 Prozent.

Bezüglich der privaten Altersvorsorge sind die Bundesbürger eher skeptisch, wie eine aktuelle Allensbach-Umfrage für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergeben hat. So erwartet mehr als jeder zweite Bundesbürger, dass die Rendite für die private Altersvorsorge geringer ausfällt als erwartet. Und nur 16 Prozent glauben, dass eine Lebensversicherung hohe Erträge bringt.

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