Niedrigzinsen: Sorge um die Lebensversicherung

Niedrigzinsen: Sorge um die Lebensversicherung

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Lebensversicherung

von Hauke Reimer

Die Lebensversicherer leiden unter den niedrigen Zinsen. Sie sollen deshalb ihre Rückstellungen erhöhen und die Mindestverzinsung für neue Verträge senken. Beides zeigt, dass sich der Staat zunehmend Sorgen um das Modell Lebensversicherung macht. Versicherten kann mehr staatlicher Druck nur recht sein: Höhere Rückstellungen und zukünftig niedrigere Garantiezinsen erhöhen die Chance, dass sie am Ende der Laufzeit wirklich einmal das ihnen versprochene Geld bekommen. Eine Police neu abzuschließen, wird aber zunehmend unattraktiv.

Die Zinsen sind noch unten - und das macht den deutschen Lebensversicherern zunehmend Probleme. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" fordert die Finanzaufsicht BaFin von der Branche, sie solle die Rückstellungen für in den Jahren 1995 bis 2000 abgeschlossene Policen erhöhen. Anderenfalls könnten sie Probleme bekommen, die ihren Kunden in dieser Zeit garantierten Renditen auszuzahlen. Zuständig für Vorgaben zu Rückstellungen ist das Bundesfinanzministerium, das die sogenannte Deckungsrückstellungsverordnung ändern müsste.

Lebensversicherung: Im Schnitt noch 3,4 Prozent Zinsen

Versicherungsverträge, die zwischen Juli 1994 und Juni 2000 abgeschlossen wurden, müssen mit jährlich mindestens vier Prozent verzinst werden, bis zum Ende ihrer Laufzeit. Im aktuellen Zinsumfeld ist es schwierig, diesen Zins zu erwirtschaften. Zehnjährige Bundesanleihen etwa rentieren aktuell unter drei Prozent. Versicherer haben zwar noch ein Polster aus früher gekauften Papieren, die ihnen jährlich deutlich höhere Zinsen bringen, doch dieses Polster schrumpft, weil ja regelmäßig Papiere auslaufen - das heißt, sie werden vom Bund und anderen Schuldnern zurückgezahlt. Das Geld, das dann neu angelegt werden muss, bringt im Schnitt nur niedrigere Zinsen. Drei Prozent Rendite jedenfalls reichen nicht. Über alle Verträge gerechnet, müssen Lebensversicherer ihren Kunden im Schnitt mindestens 3,4 Prozent gutschreiben.

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Für Versicherte hat der Vorstoß erst einmal keine Auswirkungen: Ihr Zins ist garantiert, ihn zu zahlen, ist Sache der Anbieter - zur Not müssten diese die Rückstellungen auf Kosten ihrer eigenen Gewinne anheben. Für Aktionäre von Allianz & Co. könnte dies freilich eine schlechte Nachricht sein, die aber, angesichts der bekannten Probleme - absehbar war. Bisher ist wohl auch nur ein kleiner Teil der insgesamt über 95 Millionen Policen betroffen. Nach dem Jahr 2000 wurde der garantierte Zins von 4,0 Prozent sukzessive abgesenkt - im Juli 2000 auf 3,25 Prozent, 2004 auf 2,75 Prozent und 2007 auf 2,25 Prozent.

Garantiezins soll runter

Zum 1. Juli 2011 könnte die Garantieverzinsung weiter sinken. Das Bundesfinanzministerium macht Druck, den Garantiezins dann auf 1,75 Prozent herunter zu schrauben. Versicherungswirtschaft und Verbraucherschützer sollen biszum 14. Januar zu den Plänen Stellung nehmen, danach entscheidet das Finanzministerium, ob der Zins im kommenden Jahr gesenkt wird. Versicherer dürfen Kunden maximal 60 Prozent der durchschnittlichen Bundesanleihe-Rendite der vergangenen zehn Jahre garantieren. Deren Mittelwert liegt nach Daten der Ratingagentur Assekurata bei rund vier Prozent. Damit wäre noch ein Garantiezins von 2,4 Prozent möglich. Der Branchenverband GDV will deshalb auch erst ab Januar 2012 den Garantiezins zu senken, und dann möglichst nur um einen Viertel Prozentpunkt auf 2,0 Prozent.

Der Streit um den Garantiezins verdeutlicht die beiden gegensätzlichen Positionen: Die Versicherer wollen aus Marketing-Gründen möglichst weit oben bleiben - "garantiert 2,25 Prozent" verkauft sich eben besser als 1,75 Prozent. Das Finanzministerium geht eher auf Nummer sicher. Marketing-Sorgen der Branche können die Ministerialen kalt lassen. Für sie zählt nur, dass die Versicherer sich nicht mit zu hohen Versprechen übernehmen - und dann am Ende wohmöglich vom Staat gerettet werden müssten.

Allen diesen Modellrechnungen liegt ein gewiser Grundoptimismus zugrunde: Sie unterstellen nämlich, dass die Euro-Zone hält, dass wichtige Staaten nicht pleite gehen und auch alle Banken überleben: Etwa zwei Drittel der Kapitalanlagen der Lebensversicherer sind nämlich in irgendeiner Form mit Bankenrisiken verknüpft: Banken-Schuldverschreibungen, direkte Kredite an Banken, Bankeinlagen und Pfandbriefe.

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