Ölkatastrophe: Nachhaltigkeits- und Indexfonds: Gefangen im BP-Debakel

Ölkatastrophe: Nachhaltigkeits- und Indexfonds: Gefangen im BP-Debakel

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Eine BP-Tankstelle in New York mit beschmiertem Firmenlogo: Die Ölkatastrophe am Golf von Mexico entwickelt sich zum Albtraum für das Unternehmen

von Heike Schwerdtfeger

Weil ein Indexanbieter spät reagiert, blieb die BP-Aktie lange Bestandteil vieler Nachhaltigkeitsfonds. Dabei gab es Anzeichen für Probleme.

Am 1. Juni haben die Indexanbieter Dow Jones Indexes und SAM angekündigt, den britischen Ölkonzern BP aus ihrem Nachhaltigkeits-Index zu werfen. Dass die Aktie an dem Tag allerdings 17 Prozent verloren hat, hängt nicht mit dieser Entscheidung zusammen. Bis der Ausschluss aus dem Dow Jones Sustainability World Index (DJSI) wirksam wird, dauert es noch bis zum 4. Juni. Bis dahin hat der britische Ölkonzern bereits seit sechs Wochen den Golf von Mexiko mit Öl verschmutzt und bei der Explosion der Ölplattform Deepwater-Horizon sind elf Menschen gestorben.

Tiefer Fall des Klassenbesten

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Mit dem vom Schweizer Nachhaltigkeits-Pionier Sustainable-Asset-Management (SAM) zusammengesetzten Index buhlen auch viele Nachhaltigkeitsfonds um Anleger. Ihnen wurde ein Index verkauft, dem Unternehmen angehören,  die besonders auf ökologische und soziale Ziele achten. Konstruiert ist er nach dem so genannten „Best-in-Class-Prinzip“. Aufgenommen werden also die vermeintlich fortschrittlichsten Unternehmen einer Branche. Und dazu zählte BP für die Indexkonstrukteure seit vielen Jahren, obwohl Umweltaktivisten wie Greenpeace den Namen des Konzerns schon seit langem nur noch mit „British Polluters“ übersetzten. Aber die Best-in-Class-Anhänger unter den Nachhaltigkeitsanalysten überzeugte BP mit seinem  Engagement in erneuerbare Energien, dem hohen Anteil der Gasförderung am Geschäft und sogar in sozialen Belangen soll der Konzern gegenüber der Konkurrenz gepunktet haben.

Jetzt stellt sich aber die Frage, ob das nicht nur nette Deckmäntelchen waren für Schlampereien im eigentlichen Ölgeschäft.

Ölförderung nicht nachhaltig

Andere Nachhaltigkeits-Experten haben bei BP schon frühzeitig Mängel ausgemacht. So hat der britische Fondsanbieter Henderson nach eigenen Angaben bereits 2003 BP aus seinen Nachhaltigkeitsinvestments verbannt. „Wir haben in Bezug auf das Gesundheits- und Sicherheitsmanagement gewisse Zweifel gehegt, die seitdem nicht ausgeräumt wurden“, so Seb Beloe, Leiter Nachhaltigkeits-Research bei Henderson. Henderson orientiert sich bei der Aktienauswahl nicht an Indizes, die von externen Anbietern zusammengesetzt werden, sondern hat hauseigene Analysten. Beloe bezweifelt, dass die Ölförderung durch Großkonzerne überhaupt noch nachhaltig sein kann. „Unternehmen wie BP oder Shell sind zunehmend gezwungen, neue und schwieriger erschließbare Quellen in tiefen Gewässern, in der Arktis oder im Ölsand anzuzapfen. Die Erschließung stößt aber oft an technologische Grenzen. Wir glauben, dass die Wahrscheinlichkeit von Unfällen steigt“, so Beloe.

Nachhaltigkeitsfonds, die sich an den DJSI-Index klammern, halten bis zum Tag des Ausschlusses an BP fest, obwohl die Aktie seit dem Anfang der Ölpest bis zum 4. Juni rund 40 Prozent ihres Wertes verloren hat. Dazu gehört beispielsweise der Meag Nachhaltigkeitsfonds. Dass er in 30 Tagen nur fünf Prozent beim Kurs nachgab, hängt mit dem vergleichsweise geringen Gewicht der BP Aktie Ende April zusammen. 2,2 Prozent des gesamten Fondsvermögens machte die BP-Aktie damals aus.

Die für den Nachhaltigkeitsfonds Liga-Pax-Cattolico zuständige Fondsgesellschaft Union Investment und der Schweizer Vermögensverwalter Pictet haben auch erst Ende Mai auf das BP-Debakel reagiert und die Aktie komplett verkauft.

Nachteil der passiven Investments

Immerhin ist sie jetzt draußen. Andere Indexanbieter halten unbeirrt an ihr fest. So macht der Ölriese im europäischen Aktienindex DJ Stoxx Oil & Gas-Index immerhin ein Viertel des gesamten Aktienuniversums aus. Dieser Index verlor seit Beginn der Katastrofe etwa 15 Prozent an Wert und entspechend rauschten die auf ihm basierenden börsengehandelten Indexfonds (ETF) in die Tiefe.

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