Offene Immobilienfonds: Warten auf ein Wunder

KommentarOffene Immobilienfonds: Warten auf ein Wunder

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WirtschaftsWoche-Redakteurin Heike Schwerdtfeger

von Heike Schwerdtfeger

Das Hin und Her der offenen Immobilienfonds, die Anleger nicht an ihr Geld lassen, wirft ein schlechtes Licht auf Anbieter und Verkäufer. Lange Kündigungsfristen sind unvermeidlich.

In der Bibel geht das: Lahme gehen, Blinde sehen, und der Letzte wird zum Ersten. Auch die Anbieter vieler offener Immobilienfonds hoffen auf ein Wunder, das ihr Schicksal umkehrt. Doch sie müssen es schon selbst in die Hand nehmen, haben aber bereits viel Zeit vertrödelt.

Die Lage ist verfahren: Im Oktober 2008 haben zwölf Immobilienfonds die Rücknahme von Fondsanteilen eingestellt. Im Januar 2009 machte Anbieter Degi den International-Fonds als ersten wieder auf. Jetzt aber hat der Zwei-Milliarden-Euro-Fonds wieder dichtgemacht, ebenso wie der binnen Wochen von knapp vier auf drei Milliarden geschrumpfte Axa Immo-Select.

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Bittere Wahrheiten für Anleger

Degi wurde 2008 von der Dresdner Bank an die britische Aberdeen-Gruppe verkauft. Die Ex-Berater der Dresdner Bank wurden nach der Übernahme ihrer Bank durch den Frankfurter Wettbewerber Commerzbanker. Ihnen steht jetzt die hauseigene Immobiliensparte Commerz Real näher als die Degi-Kollegen von einst. Weil sie ihn vermehrt empfahlen, sammelte der Commerzbank-Immobilienfonds Hausinvest Europa im September 218 Millionen Euro bei Anlegern ein, der Degi International verlor dagegen 72 Millionen. So viel zum Thema, dass Anlageberater unabhängig entscheiden, welche Produkte sie verkaufen.

Bei Anlegern verfestigt sich jetzt der Eindruck, dass sie sich bei einer Wiedereröffnung eines Fonds schleunigst aus dem Staub machen sollten. Fatal dürfte dies vor allem für die drei anderen Fonds werden, die seit einem Jahr geschlossen sind. TMW Pramerica, Kan-Am und Morgan Stanley werden, weil sie schlagartige Mittelabflüsse befürchten müssen, wohl noch lange nicht wieder aufmachen. Anleger werden unsanft mit dem Unvermeidlichen konfrontiert: Eigentlich taugen Immobilienfonds nicht für eine spontane tägliche Auszahlung. Ein Bürohochhaus lässt sich nicht eben mal verkaufen, nur weil Kunden Geld abziehen. Die Fonds müssen Unsummen an Liquidität vorhalten, um für Notfälle gerüstet zu sein. Jeder Euro, der in der Kasse liegt, kann zwangsläufig nicht in Immobilien investiert werden, schmälert also die erwartete Rendite.

Zum Stichtag ans Geld

Die Lösung: Lange Kündigungsfristen müssen her. Was wäre an einer sechsmonatigen Kündigungsfrist für alle Anlegergelder so schlimm? Alternativ könnten Fonds auch an nur zwei Tagen im Jahr Anteile zurücknehmen. Anleger wüssten, dass sie zum Stichtag an ihr Geld kämen und Fondsmanager könnten sich auf abfließende Mittel einstellen und in Ruhe und nicht gezwungenermaßen Immobilien verkaufen. Immobilien sind Langzeitinvestitionen. Mit längeren Kündigungsfristen könnten auch Privatanleger leben. Sie wollen es nur vorher wissen.

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