Online gut versichert?: Die Tücken der Versicherungsvergleiche

Online gut versichert?: Die Tücken der Versicherungsvergleiche

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Den Versicherungstarif mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis können Verbraucher auch im Internet suchen. Das geht aber nicht in allen Versicherungsparten gleich gut

von Kerstin Dämon

Vergleich macht reich: Gut die Hälfte der Deutschen nutzt Vergleichsportale im Internet, um bei der Versicherung zu sparen. Das ist jedoch nicht immer sinnvoll. Warum sich der Online-Vergleich und -Wechsel nicht für jede Versicherung eignen.

Vergleichsportale gibt es im Internet wie Sand am Meer: für Strom, Gas, Hotels und Flüge, Gebrauchtwagen und für Versicherungen. Bei den deutschen Verbrauchern sind die Portale beliebt. Laut der Studie "Vergleichsrechner für Finanz- und Versicherungsprodukte" des Meinungsforschungsinstituts YouGov haben allein in den vergangenen zwölf Monaten 45 Prozent der deutschen Internetnutzer einen solchen Vergleichsrechner für Finanz- oder Versicherungsprodukte genutzt.

Auch die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft PwC hat sich Online-Vergleichsportale vorgenommen und geht davon aus, dass Portale für Versicherungen den deutschen Markt dauerhaft und spürbar verändern. Für die Studie hat PwC von Juli bis September 2013 Kfz-Versicherer nach ihrer Einschätzung zu den Portalen, sogenannten Aggregatoren, befragt. "Aggregatoren sind mittlerweile der Hauptimpulsgeber für einen Wechsel des Kfz-Versicherers. Die Konsumenten schließen immer mehr Geschäfte über das Internet ab, das gilt auch für Versicherungen", sagt Hendrik C. Jahn, Leiter der Versicherungsberatung von PwC. Deren Experten schätzen, dass die Vergleichsportale im laufenden Jahr fast 1,5 Millionen Verträge abwickeln. 2010 waren es nur rund 600.000 Verträge.

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Die Gründe für den Boom sind vielfältig. So gaben 70 Prozent der Teilnehmer an der YouGov-Studie an, dass sie die Auswahl schätzen, die sie bei Portalen wie check24.de, finanzen.net & Co. vorfinden. 69 Prozent sagen, dass sie sich so auf einen Klick über Finanz- und Versicherungsprodukte informieren können. Außerdem schätzen die Teilnehmer der Studie, die im Dezember veröffentlicht wird, die Transparenz der Portale und deren Unabhängigkeit.

Warum die Deutschen Versicherungsportale nutzen

  • 70 Prozent

    70 Prozent sagen, dass Internet-Vergleichsrechner für Finanz- und Versicherungsprodukte ihnen eine größere Auswahl an Verträgen und Tarifen bieten.

    Quelle: YouGov-Studie "Vergleichsrechner für Finanz- und Versicherungsprodukte"

  • 69 Prozent

    69 Prozent sagen, dass es die Portale ihnen einfach machen, sich über Finanz- und Versicherungsprodukte zu informieren.

  • 68 Prozent

    Jeweils 68 Prozent sagen, dass ihnen die Portale einen besseren Überblick beim Kauf von Finanz- und Versicherungsprodukten geben und ihnen mehr Informationen über verschiedene Produkte von verschiedenen Gesellschaften liefern.

  • 64 Prozent

    64 Prozent sagen, dass Internet-Vergleichsrechner für Finanz- und Versicherungsprodukte mehr Transparenz in den Markt bringen.

  • 56 Prozent

    56 Prozent nutzen die Portale als Anregung für weitere Finanz- und Versicherungsprodukte.

  • 55 Prozent

    55 Prozent halten die Portale für unabhängiger als Bankberater oder Versicherungsvermittler und haben das Gefühl, dass sie ihnen mehr Kontrolle über ihre Entscheidung geben.

  • 54 Prozent

    54 Prozent sagen, dass die Portale es ihnen einfach machen, Finanz- und Versicherungsprodukte zu erwerben.

  • 47 Prozent

    47 Prozent glauben, dass sie online günstigere Preise und Konditionen bekommen als bei Banken oder Versicherungsgesellschaften erhalte. Ebenfalls 47 Prozent sagen, dass Vergleichsportale ihnen
    klar machen, worauf sie beim Kauf von Finanz- und Versicherungsprodukten achten müssen.

  • 43 Prozent

    43 Prozent halten Vergleichsportale für sehr unabhängig und objektiv.

Aber so unabhängig und transparent wie sie für viele Kunden scheinen, sind die Portale leider nicht. Verbraucherschützer kritisieren schon lange die Praxis, dass Versicherer die Betreiber solcher Portale bezahlen, wenn sie dort gelistet werden. „Teilweise zahlen die Versicherer den Portalen pro zustande gekommenen Vertragsabschluss eine feste Provision“, bestätigt Elke Weidenbach, Referentin für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen. „Versicherer suchen sich demnach die Portale aus, bei denen die meisten Abschlüsse zu erwarten sind. Und auch die Portale selektieren sicherlich, welche Versicherer sie listen“, so die Expertin.

Über diese Versicherungen informieren sich die Deutschen im Netz

  • 56 Prozent

    56 Prozent haben sich in den letzten 12 Monaten bei einem Online-Vergleichsrechner über Kfz-Versicherungen informiert.

    Quelle: YouGov-Studie "Vergleichsrechner für Finanz- und Versicherungsprodukte"

  • 30 Prozent

    30 Prozent haben sich in den letzten 12 Monaten bei einem Online-Vergleichsrechner über Sparprodukte informiert.

  • 27 Prozent

    27 Prozent haben sich in den letzten 12 Monaten bei einem Online-Vergleichsrechner über Girokonten und Kreditkarten informiert.

  • 24 Prozent

    24 Prozent haben sich in den letzten 12 Monaten bei einem Online-Vergleichsrechner über Sachversicherungen informiert.

  • 19 Prozent

    Jeweils 19 Prozent haben sich in den letzten 12 Monaten bei einem Online-Vergleichsrechner über Kredite und Kranken- sowie Krankenzusatzversicherungen informiert.

  • 13 Prozent

    13 Prozent haben sich in den letzten 12 Monaten bei einem Online-Vergleichsrechner über Lebens- und Rentenversicherungen informiert.

  • 10 Prozent

    Jeweils zehn Prozent haben sich in den letzten 12 Monaten bei einem Online-Vergleichsrechner über Baufinanzierungen sowie Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen informiert.

Dementsprechend bilden die Portale eben nicht den ganzen Markt ab. Die für den jeweiligen Bedarf passende Police oder die günstigste Hausratversicherung ist vielleicht gar nicht dabei. Insofern lohnt es sich, mehrere Portale zu nutzen, statt nur einem. „Ich schätze, check24 hat mittlerweile die meisten Versicherungen drin“, sagt Weidenbach. Bei vielen kleinen Anbietern sei die Zahl der gelisteten Versicherungen aber gering. „Grundsätzlich gilt: je weniger Anbieter ein Portal listet, desto schlechter ist es.“ Verbraucher, die sich online bei einem Vergleichsportal informieren, sollten sich die Veröffentlichung von Stiftung Warentest daneben legen und vergleichen, rät die Versicherungsexpertin. „Dann haben sie einen guten Marktüberblick und sehen auch, welche Anbieter nicht gelistet sind.“

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4 Kommentare zu Online gut versichert?: Die Tücken der Versicherungsvergleiche

  • Das ist ja mal toll recherchiert...
    Da rät die Frau von der Verbraucherberatung davon ab, z.B. eine private Krankenversicherung online abzuschließen. Ist leider gar nicht möglich. Einen rechtlich verbindlichen Onlineabschluß für eine Krankenvollversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es nicht. Ist also komplett irrelevant. Und dass Vergleichsportale von etwas leben müssen ist ja auch klar. Im Supermarkt empört sich doch auch niemand darüber, dass es nicht alle Nudelsorten der Welt gibt und dass der Supermarktbetreiber am Verkauf etwas verdient. Was ist so schlimm an Vermittlungsprovisionen?

  • Wenn jeder sich selber versichern könnte, könnte man doch auch selber die Elektrik, Maler- und Tapezierarbeiten, Installation-, ja sogar das ganze Haus selber bauen usw....

    Wozu überhaupt noch Fachleute?
    Der Beruf des Versicherungsberaters scheint ja bereits überflüssig zu sein.

    Sarkasmus mal beiseite:
    Die billigste Versicherung ist ohne Schadensmeldung auch die beste Versicherung. Das Heulen und Zähneknirschen kommt oft erst später, wenn man merkt, dass man sich mit der "Selbstberatung" keinen Gefallen getan hat.
    Nebenbei bemerkt: Ich habe nichts gegen Heimwerker ;-)

  • „Ich schätze, check24 hat mittlerweile die meisten Versicherungen drin“, sagt Weidenbach.

    Sorry, das ist schlecht bis gar nicht recherchiert, denn der größte deutsche Anbieter (HUK-Coburg) wird auf check24 nicht gelistet!

    Habe mir mal den Spaß erlaubt, mein Auto dort zu vergleichen: Das beste Ergebnis ist genau 155 € teurer als mein HUK-Vertrag.

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