Pensionskassen: "Noch zwei Jahre bis das Problem durchschlägt"

InterviewPensionskassen: "Noch zwei Jahre bis das Problem durchschlägt"

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Der Vorstand der Nestlé Pensionskasse Peter Hadasch

von Niklas Hoyer

Der Vorstand der Nestlé Pensionskasse, Peter Hadasch, setzt voll auf Aktien. Den meisten anderen Pensionskassen ist dieser Weg jedoch verbaut. Warum Garantien der Arbeitgeber gefordert sind.

WirtschaftsWoche: Herr Hadasch, die Börsen haben in den vergangenen Jahren stark geschwankt, der Euro kriselt, und die Zinsen sicherer Anleihen fallen. Was trifft die betriebliche Zusatzversorgung über Pensionskassen am meisten?

Hadasch: Das macht uns alles zu schaffen. Wir haben die gleichen Probleme wie die Lebensversicherer. Früher konnten wir das verwaltete Geld sehr sicher anlegen und damit locker den Zins erreichen, den wir unseren Einzahlern und Rentnern versprochen haben. Für sichere Anlagen hat man oft noch das Doppelte dieses Rechnungszinses bekommen. Jetzt liegt der sichere Zins meist unter dem Rechnungszins. Dazu kommt, dass wir unsere Leistungszusagen über Jahrzehnte geben. Das passt nicht zusammen. Wir haben ein Problem. Das lässt sich nicht von der Hand weisen.

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Chancen und Risiken der Betriebsrenten

  • Direktzusage

    Arbeitnehmer bekommen direkt vom Arbeitgeber eine Betriebsrente zugesagt. Die Höhe hängt vom Einkommen und der Dauer der Betriebszugehörigkeit ab. Rutscht der Arbeitgeber in die Insolvenz, springt der Pensions-Sicherungs-Verein ein. Arbeitgeber müssen für ihre Verpflichtungen Rückstellungen in der Bilanz bilden, was die Direktzusage zunehmend unbeliebt macht.

  • Direktversicherung

    Bei einer Direktversicherung schließt der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer eine Lebensversicherung ab. Die Beiträge übernimmt je nach Ausgestaltung der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer oder aber beide zahlen einen Teil. Läuft der Vertrag lang genug, kann der Arbeitgeber den Anspruch des Arbeitnehmers nicht mehr widerrufen (Unverfallbarkeit). Für neu abgeschlossene Verträge, die durch den Arbeitgeber finanziert werden, ist das meist nach fünf Jahren der Fall. Bei einer Schieflage des Lebensversicherers würde die Auffanggesellschaft Protektor einspringen. In aller Regel greift der Pensions-Sicherungs-Verein nicht.

  • Pensionskasse

    Die Pensionskassen sind eigene Versorgungseinrichtungen und ähneln Lebens-versicherern. Sie werden von der BaFin kontrolliert und müssen relativ risikoarm anlegen. In der Praxis kaufen sie vor allem Bankpapiere und Anleihen. Arbeitnehmer haben einen rechtlichen Anspruch gegen die jeweilige Kasse, bei Finanzproblemen der Kasse auch gegen den Arbeitgeber. Rutscht dieser in die Insolvenz, steht der Arbeitnehmer im schlimmsten Fall allein da. Der Pensions-Sicherungs-Verein sichert die Pensionskassen nicht ab.

  • Pensionsfonds

    Arbeitgeber können Ansprüche auf Pensionsfonds auslagern. Diese erst 2002 eingeführten Fonds dürfen riskanter als etwa Pensionskassen anlegen; sie können im Extremfall sogar ausschließlich in Aktien investieren. Die Finanzaufsicht BaFin überwacht die Fonds. Damit die Betriebsrenten trotz der liberalen Vorschriften ausreichend geschützt sind, springt bei Insolvenz des Arbeitgebers der Pensions-Sicherungs-Verein ein.

  • Unterstützungskasse

    Läuft die Betriebsrente über eine Unterstützungskasse, hat der Arbeitnehmer keine rechtlichen Ansprüche gegen diese Kasse. Im Fall einer finanziellen Schieflage muss er sich mit Ansprüchen an den Träger, also seinen Arbeitgeber, wenden. Die Unterstützungskassen unterliegen keinen speziellen Anlagevorschriften und keiner staatlichen Aufsicht. Sie können ihr angesammeltes Kapital sogar für Darlehen an den Arbeitgeber nutzen. Rutscht der Arbeitgeber in die Insolvenz, springt der Pensions-Sicherungs-Verein ein.

Haben das schon alle Pensionskassen erkannt?

Eine Besonderheit ist, dass mit den fallenden Anleihezinsen die Kurse langlaufender Anleihen gestiegen sind. Die meisten Pensionskassen halten einen hohen Anteil festverzinslicher Wertpapiere, wie Anleihen. So sind oft stille Reserven entstanden, die viele Kassen über Derivate abgesichert haben. Außerdem müssen Pensionskassen pro Jahr meist nur einen kleinen Teil der Kapitalanlagen neu anlegen. Beides führt dazu, dass die Kassen die niedrigen Zinsen eine Weile abfedern können. Irgendwann müssen die Kassen zu diesen niedrigen Zinsen aber wieder anlegen. Wenn das Umfeld so bleibt, dauert es noch zwei bis drei Jahre bis das Problem richtig durchschlägt.

Die Renditen der größten Pensionskassen

  • BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes

    BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes

    Pensions-Anwärter: 343045

    Rentner: 98893

    Kapitalanlage: 22478 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 4,1

    2010: 4,2

    2011: 3,5

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Allianz Pensionskasse

    Allianz Pensionskasse

    Pensions-Anwärter: 854306

    Rentner: 4549

    Kapitalanlage: 5937 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 4,1

    2010: 4,0

    2011: 4,4

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Hamburger Pensionskasse von 1905

    Hamburger Pensionskasse von 1905²

    Pensions-Anwärter: 581940

    Rentner: 37779

    Kapitalanlage: 3559 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 4,3

    2010: 4,5

    2011: k.A.

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    ²Stand: Ende 2010

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes

    Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes

    Pensions-Anwärter: 581940

    Rentner: 37779

    Kapitalanlage: 3559 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 4,3

    2010: 4,5

    2011: k.A.

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Sparkassen Pensionskasse

    Sparkassen Pensionskasse²

    Pensions-Anwärter: 323404

    Rentner: 783

    Kapitalanlage: 2043 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 4,0

    2010: 4,1

    2011: k.A.

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    ²Stand: Ende 2010

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Victoria Pensionskasse

    Victoria Pensionskasse²

    Pensions-Anwärter: 287822

    Rentner: 638

    Kapitalanlage: 1150 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 4,1

    2010: 4,1

    2011: k.A.

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    ²Stand: Ende 2010

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Gothaer Pensionskasse

    Gothaer Pensionskasse

    Pensions-Anwärter: 243988

    Rentner: 681

    Kapitalanlage: 838 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 3,1

    2010: 3,4

    2011: 4,0

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Versorgungsanst. des Bundes und der Länder (VBL)

    Versorgungsanst. des Bundes und der Länder (VBL)²³

    Pensions-Anwärter: 222554

    Rentner: 3672

    Kapitalanlage: 583 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 7,9

    2010: 9,1

    2011: k.A.

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    ²Stand: Ende 2010

    ³Daten gelten nur für den von der BaFin beaufsichtigten Teil (kapitalgedeckte freiwillige Zusatzversorgung)

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • HDI-Gerling Pensionskasse

    HDI-Gerling Pensionskasse

    Pensions-Anwärter: 214103

    Rentner: 804

    Kapitalanlage: 896 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 4,2

    2010: 4,3

    2011: 3,9

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

  • Pensionskassen insgesamt

    Pensionskassen insgeasmt²

    Pensions-Anwärter: 6.536.651

    Rentner: 1.179.276

    Kapitalanlage: 109.466 Millionen Euro

    Nettorendite¹

    2009: 4,3

    2010: 4,6

    2011: k.A.

    ¹Erträge abzüglich der Aufwendungen aus Kapitalanlage in Prozent des Mittelwertes der Kapitalanlagen

    ²Stand: Ende 2010

    Quelle: Stand: Ende 2011; Quelle: Geschäftsberichte der Pensionskassen und Pensionsfonds, BaFin, eigene Berechnung

Wie gehen Sie mit dem Problem als Vorstand der Pensionskasse von Nestlé Deutschland um?

Wir müssen nur noch im bescheidenen Ausmaß Gelder neu anlegen, weil wir schon viele Rentner versorgen, sodass die Beiträge der Nestlé-Mitarbeiter gleich in die Renten fließen. Das ist bei vielen Pensionskassen so. Allein deswegen müssen wir weniger Kapital neu anlegen.

Bei den bestehenden Kapitalanlagen setzen Sie stark auf Aktien...

Ja, traditionell liegt der Anteil bei uns bei etwa einem Drittel der Kapitalanlagen. Das erhöht die Schwankungen. Aber es gibt uns auch Hoffnung, auf Dauer Geld zu verdienen.

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