Pflegereport 2013: Reha statt Pflege und 45.000 Euro Eigenbeteiligung

Pflegereport 2013: Reha statt Pflege und 45.000 Euro Eigenbeteiligung

von Anke Henrich

Keiner wünschte es sich, aber alle sind betroffen: Erst als Töchter und Söhne, die sich um die gute Versorgung ihrer kranken Eltern bemühen, später womöglich selbst als Pflegefall. Jedes Jahr nimmt die Barmer GEK als größte deutsche Krankenkasse deshalb diesen Markt für ihren " Pflegereport " unter die Lupe.

Das Ergebnis der  aktuellen Studie der Barmer Ersatzkasse (BEK): Noch mehr als bisher versuchen Kliniken und Krankenkassen, durch frühzeitigen Einsatz von Rehabilitationsmaßnahmen den Status Pflegefall bei den Kranken zu vermeiden. Oder zumindest hinauszuzögern. So erhalten 15 Prozent der über 65-jährigen Pflegebedürftigen im Jahr vor Pflegeeintritt eine medizinische Rehabilitation. Im nachfolgenden Jahr beträgt die Quote immerhin noch sieben Prozent.

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Das klingt erfreulich. Und trotzdem konnten die Autoren der Studie um Professor Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen Erfolge von Reha-Maßnahmen – beispielsweise eine verlängerte Lebenszeit – nicht eindeutig nachweisen. „Die Versorgungsforschung mit Routinedaten stößt hier an Grenzen. Es bleiben Fragezeichen hinter der Reha, so plausibel sie auch erscheint“, so Schlenker.

Fakten aus dem Pflegereport 2013

  • Zahl der Pflegebedürftigen

    Die Zahl Pflegebedürftiger ist mit mehr als 2,5 Millionen auf ihrem Höchststand und wird bis 2050 auf 4,5 Millionen steigen. Es gibt große regionale Unterschiede: So wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 in Brandenburg um 72 Prozent steigen, in Bremen nur um 28 Prozent. Im Bundesdurchschnitt wird ein Plus von 47 Prozent erwartet.

  • Pflegezeiten Mann/ Frau

    Rein statistisch brauchen Männer in ihrem Leben 16 Monate Pflege, Frauen 32 Monate. Tatsächlich aber verdoppelt sich die Pflegezeit bei den wirklich betroffenen bei den Männern und liegt bei den Frauen um die Hälfte höher.

  • Eigenanteile bei Pflegeleistungen

    Die Eigenanteile bei Pflegeleistungen in allen Pflegestufen steigen weiter. Dies gilt auch bei den rein pflegebedingten Kosten, die ursprünglich vollständig von der Versicherung übernommen werden sollten. Hier betragen die Eigenanteile je nach Pflegestufe zwischen monatlich 346 Euro und 760 Euro.

  • Zusätzliche Betreuungsleistungen

    Die Inanspruchnahme zusätzlicher Betreuungsleistungen – von denen vor allem demente Menschen profitieren – hat sich auf gut 200 000 Menschen verdreifacht. Hier spiegelt sich die zunehmende Bedeutung ambulanter Pflegedienste wider.

  • Pflege von Angehörigen

    Es sind vor allem die Frauen, die Angehörige pflegen.  Ein Heer von rund 2,2 Millionen meist Töchtern und Partnerinnen kümmert sich um kranke Angehörige. Das sind 6,2 Prozent aller über 16-Jährigen. Hingegen entsprechen die 1,3 Millionen pflegenden Männer nur 4 Prozent aller über 16-jährigen Männer.

  • Einnahmen der Pflegeversicherung

    Die Einnahmen der Pflegeversicherung steigen seit fünf Jahren. 2012 standen Einnahmen von 23 Milliarden Euro Ausgaben von 22,9 Milliarden Euro gegenüber. Zuletzt hatte es 2007 einen negativen Saldo in der Pflegekasse gegeben. Die  Pflegeversicherung verfügte Ende 2012 über 5,55 Milliarden Euro.

Der Pflegereport gibt auch einen Überblick über aktuelle und langfristige Entwicklungen in der Pflege. „Der Trend geht zur professionellen Versorgung. Besonders stark sind die ambulanten Pflegedienste gewachsen“, so Rothgang. Sie haben 2012 fast 23 Prozent der pflegebedürftigen Menschen betreut – so viele wie nie zuvor. Das nützt nicht nur den belasteten, pflegenden Angehörigen, sondern auch den Pflegekassen, die zu den Krankenkassen gehören. Ambulant ist billiger als stationär. Dementsprechend sind die Personalkapazitäten in der ambulanten Pflege zwischen 1999 und 2011 mit 64 Prozent schneller gewachsen als die Zahl der Betten in Pflegeheimen, die um 36 Prozent zugenommen hat.

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Gestiegen sind aber auch die Eigenleistungen, die die Kranken oder ihre Familien für die Betreuung und Versorgung privat aufbringen müssen. So standen im Jahr 2011 Versicherungsleistungen in der stationären Pflege von 1.023 Euro in Pflegestufe I einem Eigenanteil von insgesamt 1.380 Euro gegenüber. 2009 hatte der Eigenanteil bei gleich hohen Versicherungsleistungen durchschnittlich 1.351 Euro betragen. Zum Fürchten ist die Pflegestufe III mit einem Eigenanteil von 1.802 Euro.  Die Versicherungsleistungen waren hier allerdings von 1.470 Euro im Jahr 2009 auf 1.510 Euro im Jahr 2011 gestiegen.

Die privaten Pflegekosten liegen bei Frauen durchschnittlich bei 45.000 Euro, Männer sollten 21.000 Euro aufbringen können.

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