Policendarlehen: Teures Minusgeschäft für Versicherte

Policendarlehen: Teures Minusgeschäft für Versicherte

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Wer in finanzielle Schwierigkeiten gerät, kann seine Lebensversicherung beleihen. Bei solchen Policendarlehen halten die Versicherer aber in puncto Zinsen ordentlich die Hand auf

Ein Darlehen auf Rentenversicherungen scheint attraktiv. Verbraucherschützer kritisieren allerdings die extrem hohe Zinsen der Versicherer. Wer dringend Geld braucht, sollte lieber über eine Kündigung nachdenken.

In finanzieller Not sind sie für viele die einzige Möglichkeit, schnell an Geld zu kommen: Policendarlehen von Versicherungsgesellschaften. Es gibt sie für alle Kapitallebens- oder private Rentenversicherungen, auch wenn sie bereits beitragsfrei gestellt wurden. Allerdings hat diese Art der Geldbeschaffung ihren Preis. Nach einer aktuellen Untersuchung der unabhängigen Finanzberatung FMH verlangen einige Versicherer dafür horrende Zinsen von mehr als acht Prozent, was auch bei Verbraucherschützern für harsche Kritik sorgt.

Versicherungsschutz bleibt erhalten

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„Für Arbeitslose ist die Beleihung der Versicherungspolice meist die einzige Option, um an einen Kredit zu kommen“, sagt FMH-Inhaber Max Herbst. Auch Selbstständige würden so auf unbürokratische Weise einen Kredit erhalten. Zudem entfalle die Prüfung durch die Schufa, da der Kreditnehmer das Geld ja aus eigenen Ersparnissen erhalte. Ein weiterer Vorteil ist, dass Kunden auch bei einem Darlehen der Versicherungsschutz und die Altersvorsorge erhalten bleibt. Doch ein solches Darlehen kann sehr teuer werden: Bei den Versicherungsgesellschaften reicht die Zinsspanne der Untersuchung zufolge von günstigen 4,5 Prozent bis zu extrem hohen 8,7 Prozent Effektivzins. Aber nur drei von 47 untersuchten Versicherern bleiben unter der 5-Prozent-Marke.

Wer im Vergleich dazu einen Ratenkredit von 10.000 Euro einer Bank wählt, zahlt dafür bei einer Laufzeit von drei Jahren laut FMH-Index im Schnitt 5,95 Prozent, bei fünf Jahren Laufzeit sind es 6,26 Prozent. Immerhin 29 Versicherer berechnen jedoch mehr Zinsen als die 6,26 Prozent. Zudem haben viele Gesellschaften ihre Zinsen seit vielen Jahren nicht mehr angepasst. So verlangt ein Versicherer seit 1991 Darlehenszinsen von konstant 8,0 Prozent.

Kundenfeindliche Konditionen

Für Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender beim Bund der Versicherten (BdV), ist die Zinspolitik einiger Versicherer skandalös: „Die hohen Zinssätze sind eine Sauerei gegenüber den Kunden, zumal die Gesellschaften ja kein Risiko eingehen.“ Die vielfach kundenfeindlichen Konditionen seien kaum nachvollziehbar, zumal den Versicherern nur ein geringer Verwaltungsaufwand entstehe. Kunden können ihre Versicherung mit Ausnahme staatlich geförderter Riester- und Rürup-Produkte bis zu 100 Prozent des aktuellen Rückkaufswertes beleihen. Außerdem sind jederzeit Sondertilgungen oder die komplette Rückzahlung des Darlehens möglich. Die Zinszahlung erfolgt je nach Versicherer entweder monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich. Wer sich jedoch mit der Rückzahlung lange Zeit lässt, dem drohen teilweise deutliche Einbußen bei der Altersversorgung. „Im Extremfall zieht der Versicherer das nicht getilgte Darlehen am Ende der Vertragslaufzeit von der Leistung im Erlebensfall ab und überweist nur einen verschwindend geringen Differenzbetrag“, sagt Herbst.

Nur kurze Laufzeiten empfehlenswert

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Policendarlehen würden sich nur für einen kurzen Zeitraum zur Überbrückung eines finanziellen Engpasses lohnen, betont Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ein Darlehen sei für den Kunden fast immer ein Minusgeschäft, da er mehr Zinsen zahle, als er von seiner Versicherung erhalte. Bei langfristigen Darlehen sei es daher oft sinnvoller, die Versicherung ganz zu kündigen. Alternativ bieten auch einige Banken mittlerweile verbilligte Ratenkredite zu einem Zinssatz von unter sechs Prozent an, wenn als Sicherheit die Police hinterlegt wird. Und mehrere Versicherungsaufkäufer am Zweitmarkt bieten ebenfalls Darlehen bis zu 100 Prozent des Rückkaufswertes. „Allerdings sind am Zweitmarkt viele schwarze Schafe aktiv, deshalb sollten Versicherte hier besonders vorsichtig sein und Angebote möglichst bei einer Verbraucherzentrale prüfen lassen“, warnt Nauhauser.

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