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Preisvergleich: Teurer Einstieg in die Krankenversicherung

von Thomas Schmitt Quelle: Handelsblatt Online

Privaten Krankenschutz gibt es zwar manchmal schon für 100 bis 200 Euro. Doch die meisten dieser Lockvogelangebote haben ein schlechtes Leistungsniveau und kosten mehr als gedacht. Die Tücken von Billigtarifen.

"Billig ist krank" - das finden nicht nur Gewerkschafter in Göttingen, das trifft auch auf manche Tarifvariante in der privaten Krankenversicherung zu. Quelle: dpa
"Billig ist krank" - das finden nicht nur Gewerkschafter in Göttingen, das trifft auch auf manche Tarifvariante in der privaten Krankenversicherung zu. Quelle: dpa

DüsseldorfDie privaten Krankenversicherer locken gerne mit günstigen Prämien. Doch selbst in sogenannten Einsteigertarifen mit schlechten Leistungen müssen Kunden nun oft mit Monatsprämien von mehr als 200 Euro rechnen. Das ergaben dem Handelsblatt vorliegende Berechnungen von 14 Billigtarifen, die das Analysehaus Franke & Bornberg für einen 32 Jahre alten Musterkunden untersucht hat. 

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Bei den Männern liegen die Prämien nur bei fünf von 14 Tarifen unter 200 Euro, bei den Frauen waren es sogar nur zwei von 14 Tarifen. Im Schnitt bezahlten die 32 Jahre alten Männer 230 Euro im Monat und die gleichaltrigen Frauen 284 Euro Tarifen mit Grundschutz. Im Vergleich zum Vorjahr sind damit die Prämien für Männer im Schnitt um 30 Euro gestiegen, für Frauen dagegen nur um 12 Euro. 

Hintergrund: Viele der gut 40 privaten Krankenversicherungen haben in der Vergangenheit neue Kunden vor allem mit einem großen Preisvorteil gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gelockt. Während gut verdienende Angestellte bei den Krankenkassen rund 600 Euro im Monat zahlen, boten die Krankenversicherer besonders preiswerte Produktlinien an, sogenannte „Einsteigertarife“. 

Den Versicherten sei dabei oft nicht bewusst gewesen, dass sie sich für eine private Krankenversicherung (PKV) entschieden, die in einigen Bereichen noch nicht einmal mit der gesetzlichen Krankenversicherung mithalten könne, warnen Experten. 


Günstige Beiträge und schlechte Leistungen

„Nicht krank werden“ empfiehlt daher die Zeitschrift Finanztest angesichts der Leistungslücken in manchen Tarifen. Arzthonorare würden beispielsweise nur bis zu einem niedrigen Gebührensatz erstattet. Berechne der Arzt mehr, zahle der Patient drauf. Für die Zähne gebe es niedrige jährliche Obergrenzen, eine Psychotherapie sei oft nicht drin, oder Heilmittel wie Krankengymnastik würden nicht übernommen. Auch Makler warnen: „Günstige Beiträge lassen sich nur erreichen durch Leistungskürzungen und Leistungseinschränkungen.“ Einige Beispiele sollen das verdeutlichen. 

Beispiel: Unfall 

Ein Skifahrer verunglückt in den Alpen. Er wird bewusstlos, hat einen Kollaps und ist total erschöpft. Er muss von der Skipiste in ein Krankenhaus transportiert werden. Obwohl er noch am gleichen Tag entlassen wird und der Einsatz insgesamt nicht einmal zwei Stunden dauert, sind womöglich Transportkosten von mehr als 3000 Euro entstanden. Viele private Krankenversicherer bezahlen diese Kosten in Billigtarifen gar nicht. 

Beispiel: Rollstuhl 

Ein Rollstuhl für einen Kranken kann zwischen 150 Euro in der einfachsten Variante über mehrere hundert Euro bis zu 30.0000 Euro kosten – je nach Ausführung und Ausstattung. Die meisten Krankenversicherer zahlen nur einfache Stühle bis zu 1500 Euro, wenn überhaupt. 

Finanztest warnt daher: „Wer nur auf den Beitrag achtet, läuft Gefahr, im Fall der Fälle kräftig draufzuzahlen.“ Denn alle Leistungen, die die Versicherung nicht übernehme, müsse der Patient aus eigener Tasche bezahlen. Leistungen im Krankheitsfall nachzuversichern sei nicht möglich.


Ein Selbstbehalt erhöht das Kostenrisiko des Kunden

Auch einen hohen Selbstbehalt können Versicherte später in der Regel nicht mehr senken, wenn sie erkrankt sind. Dieser Eigenanteil kann sich zu einer richtigen Falle entwickeln – je höher er ist. „Wer einfach den Selbstbehalt seiner privaten Krankenversicherung erhöht, um damit seinen laufenden Beitrag zu senken, tut vor allem seiner Versicherung einen Gefallen: Er übernimmt ein (noch) höheres eigenes Risiko, anstatt eine für sich selbst tatsächlich bessere Tarifkonstellation auszuwählen,“ warnt Harald Leissl, Vorstand von beitragsoptimierung24.de. 

Die privaten Kassen wollten mit der Erhöhung vor allem erreichen, dass ein Kunde in einem Jahr überhaupt keine Rechnungen einreicht. Dabei werde mit einkalkuliert, dass mancher dabei sei, der den Überblick verliere und keine Rechnungen einreiche, obwohl es sich für ihn lohnen würde. Selbstbehalte sollten daher immer in voller Höhe als Kosten gesehen und rechnerisch zum Beitrag addiert werden. 

Bezogen auf die betrachteten Billigtarife bedeutet dies etwa: Wer einen Selbstbehalt von 600 Euro vereinbart und dafür nur 175 Euro Prämie im Monat an seinen Versicherer überweist, der sollte vorsichtshalber 50 Euro pro Monat draufpacken. Das wäre sein Beitrag für den Fall, dass er in einem Jahr ernsthaft krank würde. 

Es kann aber in Billigtarifen sogar noch schlimmer. Da die Versicherer in ihren Bedingungen viele Leistungen ausschließen, bleiben die Kunden auf manchen Kosten sitzen, die nicht erstattet werden. 

Die Verbraucherzentrale Bayern warnt dementsprechend: Häufig würden gerade jungen Leuten Billigtarife angeboten, in denen viele Leistungen gekürzt sind. „Hier ist oft Ärger mit dem Versicherer vorprogrammiert“, stellen die Verbraucherschützer fest. Wer den Magertarif aus Kostengründen wählen müsse, sollte lieber ganz die Finger von der privaten Krankenversicherung lassen.

Auch der Bund der Versicherten warnt angesichts der jüngsten Beitragserhöhungen gerade in Billigtarifen: „Dies führt zur „Unbezahlbarkeit“ der Prämie, besonders im Alter.“ In die Prämie solle daher gleich zu Beginn die Inflation, der medizinische Fortschritt und die höhere Lebenserwartung mit einem angemessenen Sicherheitszuschlag einkalkuliert werden. Die Folge davon wären jedoch höhere Einstiegsprämien und folglich das Aus von Billigtarifen. 


DKV und Central haben ihre Preise deutlich erhöht

Einige Krankenversicherer sind zuletzt mit Billigtarifen so auf die Nase gefallen, dass sie diese Forderung der Verbraucherschützer bereits umgesetzt haben. Dazu zählen die Ergo-Tochter DKV, der zweitgrößte private Krankenversicherer, sowie die Generali-Tochter Central, die zuletzt besonders stark an der Prämienschraube drehte. Beide Versicherer verlangen nun für ihre Einsteigertarife einen vergleichsweise hohen Beitrag.

Michael Franke, der Geschäftsführer des Analysehauses Franke & Bornberg, urteilt über die aktuellen Einsteigertarife von der Central und der DKV: Der Tarif K2B der DKV biete zwar ein recht umfassendes Leistungsspektrum ohne die typischen Schwächen. Auf der anderen Seite habe der Tarif aber auch die gravierende Schwäche einer Gebührenordnungsbegrenzung auf die Regelhöchstsätze im ambulanten und dentalen Bereich (bis 2,3fach) sowie nur eine 50prozentige Erstattung für Zahnersatz. Daher sei dieser Tarif in das untere Qualitätssegment einzuordnen. 

Die Central hatte im Sommer 2011 alle Tarife der neuesten Tariflinie central.vario vom Markt genommen, die nur Regelleistungen im Krankenhaus bieten (also Mehrbettzimmer ohne Chefarzt). Der Tarif  V323S2 der Central werde im Neugeschäft angeboten. Er habe die Leistung 2-Bett-Zimmer/Chefarzt, weise aber andere für das Einstiegssegment typische Schwächen auf wie der Ausschluss von ambulanter Psychotherapie und von Heilpraktikerbehandlungen sowie die Einschränkung auf das Primärarztprinzip – die freie Arztwahl ist also ausgeschlossen. 

Marktführer bei Einsteiger- und Billigtarifen ist die Hamburger Hanse Merkur. Das Unternehmen bietet drei Varianten an: kein Selbstbehalt, ein Selbstbehalt von 300 Euro und ein Selbstbehalt von 600 Euro. Tarife ohne Selbstbehalt werden nach Angaben des Unternehmens kaum verkauft, sie sind auch am teuersten. Der männliche Musterkunde zahlt hier 325 Euro, der weibliche 372 Euro. Zum Vergleich: Durch einen Selbstbehalt von 300 Euro können Männer diesen Beitrag fast halbieren und durch 600 Euro Selbstbehalt nahezu dritteln. 

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